ESC zum Schließen · Enter zum Suchen

Unbekanntes Afrika

Sahara
Dienstag, 24.12.2019 22:30 Uhr
phoenix
Dienstag
24.12.2019
22:30 Uhr
Teilen:
Bildquelle: Pressebild (ard2017)
Bildquelle: Pressebild (ard2017)

Schnee in Afrika? Hoch oben im Norden keine Seltenheit. Frierend hocken Berberaffen in den eisigen Wipfeln der Zedern in Marokkos Atlasgebirge. So beginnt diese Folge der spektakulären Serie über das "unbekannte Afrika" - und erstaunt von Anfang an. Denn was hat Schnee mit dem zu tun, was der Folgentitel ankündigt: Sahara! Da denkt doch jeder Zuschauer an Bilder von riesigen Sanddünen. Zeitrafferaufnahmen enthüllen deren Wanderung auf nie zuvor gezeigte Weise, enträtseln das Geheimnis der "singenden Dünen" und lassen den Betrachter einen Sandsturm so erleben, als sei er selbst mitten drin.

Auch in dieser Folge erwarten den Zuschauer selten oder sogar noch nie erzählte Geschichten. So etwa, dass die Vorfahren der frierenden Affen in Marokkos Bergen Vertriebene sind - geflohen vor dem unerbittlichen Vormarsch der größten Wüste der der Welt. Lieber im Schnee frieren als in der heißesten Wüste der Welt verbrennen. Ebenso fliehen mussten einst die Grevy-Zebras in angrenzende Trockensteppen, wo das Leben zumindest etwas erträglicher ist. Dort harren nun die Hengste in ihren Territorien aus und warten auf Stuten - mit mehr oder weniger Erfolg.

Andere höchst skurrile Geschöpfe flüchten vor der Sonne einfach in die Tiefe. Nacktmulle verbringen nahezu ihr ganzes Leben unter der Erde - wo es mit knapp 30 Grad im Vergleich zu draußen schon sehr erträglich ist. Sie sind die einzigen Säugetiere, die wie Bienen und Ameisen Staaten bilden mit einer recht tyrannischen Königin und einem ganzen Stab an Arbeitern. Der Film begleitet eine Prinzessin auf der Suche nach ihrem Prinzen, die das nackte Würstchen mit den riesigen Schneidezähnen mitten in der Nacht in die gefährliche Oberwelt führt.

Im Zentrum der Sahara jedoch vermag kaum jemand zu überleben. Denn die Wüste, die heute eine Fläche so groß wie die USA einnimmt, hat sich erst vor etwa 5000 bis 6000 Jahren gebildet. Durch eine leichte Verschiebung der Erdachse und der Erdumlaufbahn blieben die Regenfälle aus. Die Wüste ist noch so jung, dass den Tieren keine Zeit blieb, sich an die veränderte Situation anzupassen. Selbst Kamele, gern Wüstenschiffe genannt, sind auf ihre menschlichen Begleiter angewiesen, um Oasen zu finden.

Mit eigener Leistung schafft das jedoch ein gerade mal 20 Gramm schwerer Vogel, der uns allen sehr gut bekannt ist. Die Rauchschwalbe muss auf ihrem Weg von ihrem Winterquartier in Nigeria zurück nach Europa die Sahara überqueren - ohne einen ausgezeichneten Navigationssinn wäre das ein hoffnungsloses Unterfangen. Der einzige Halt ist eine Oase namens Umm al Maa - doch statt frischem Wasser erwartet die Schwalben dort eine ätzende Sodabrühe und eine riesige Fliegenplage. Doch genau diese Insekten erweisen sich auf den zweiten Blick als ihre Rettung. Wie kann das sein?

Das vielleicht spektakulärste Beispiel, wie sich auch kleine Tiere meisterhaft in Szene setzen lassen, bildet die letzte Geschichte der Serie: der Wettlauf der Silberameisen gegen die Zeit. Sie erscheinen erst mittags, genau dann, wenn ihr größter Feind, die Fransenfingereidechse, unter die Erde fliehen muss. Es herrschen bereits über 46 Grad - und den Ameisen bleiben gerade mal zehn Minuten, dann wird die Temperatur 53 Grad erreicht haben. Und mehr halten selbst sie nicht aus, trotz ihrer silbrigen, Hitze reflektierenden "Astronautenanzügen". Vier Minuten bevor sie wieder unter die Erde müssen, finden sie eine Fliege - ein Hitzeopfer. Doch es in den Bau zu schleifen, ist ein immenser Kraftakt. Schon liegen einige der Arbeiter sterbend in der sengenden Sonne.
Sieben BBC-Regisseure und 36 erfahrene Kameraleute stellten sich der Herausforderung, eine Naturfilmserie mit Episoden über Afrika zu drehen, die man vorher noch nie gesehen hat. Die Suche nach diesen neuen Geschichten dauerte in einigen Regionen über anderthalb Jahre; nach insgesamt fast vier Jahren Drehzeit ist diese Serie über ein tatsächlich "Unbekanntes Afrika" entstanden.

Film von Matthew Wright

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 24.12.2019 um 22:30 Uhr auf phoenix.