

Carry Lerch betreibt in Worms einen Gnadenhof für Tiere, die sonst niemand mehr will. Oftmals von ihren Vorbesitzern achtlos weggeworfen wie ein Stück Müll. Die Reportage begleitet sie durch den Winter. Durch die beschauliche Vorweihnachtszeit, in der sie auf dem Wormser Weihnachtsmarkt mit einigen ihrer Tiere in einer lebenden Krippe für Spenden sammelt, genauso wie durch die klirrend kalten Tage im Januar und Februar. In den Momenten, in denen die Arbeit auf dem Gnadenhof so hart ist, wie zu keiner anderen Zeit des Jahres.
Viele Wasserleitungen auf dem Gnadenhof sind in keinem guten Zustand, für notwendige Reparaturen fehlt Carry oft das Geld. Wenn sie dann in kalten Wintern zufrieren, muss Carry frisches Wasser für ihre Tiere per Hand mit Eimern aus einer nahegelegenen Siedlung heranschleppen - für mittlerweile über zweihundert Tiere. Stundenlang ist sie dann mit den schweren Eimern unterwegs, bis zur völligen körperlichen Erschöpfung.
Das sind Momente, in denen selbst eine Powerfrau wie Carry an ihre Grenzen stößt. Zweifelt sie nie, warum sie sich das alles antut? Ihre größte Angst ist es, den Gnadenhof verlassen zu müssen, ohne sich rechtzeitig um eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger gekümmert zu haben, der aber ist nicht in Sicht.
Der Winter ist erfahrungsgemäß auch die Zeit der Beschlagnahmungen auf dem Gnadenhof. Immer ein langwieriger Prozess, bis die Gerichte verfügen, ein Tier seinem Halter zu entziehen. Wenn es dann aber soweit kommt, ist die Tierretterin jedes Mal extrem angespannt. Carry und der befreundete Amtsarzt, der bei den Beschlagnahmungen mit dabei ist, wissen nie, was passiert, wie die Geschichte ausgehen wird. Häufig werden die Halter extrem aggressiv, solche Einsätze sind nur mit Polizeischutz möglich.
So wird die Zahl der Tiere auf dem Gnadenhof nicht weniger: Fast jede Woche bekommt Carry Tiere grußlos vor ihren Zaun gelegt, viele in einem katastrophalem Zustand. Eines aber ist klar: Obwohl ihr Gnadenhof eigentlich seine Kapazität längst erreicht hat - bei Carry hat noch jedes Tier ein neues Zuhause gefunden. In "Mensch Leute" erzählen die Filmemacher Geschichten, die sich hinter den Kulissen des scheinbar Alltäglichen ereignen - und die man so kaum für möglich halten würde. Das Spannende, Unerwartete, Kuriose und Überraschende hinter der ganz normalen Alltagsgeschichte gilt es zu entdecken. Ob millionenschwerer Rentner, der sein Erbe verschenkt, oder totgesagter Fixer, der zum gefeierten Triathleten wird: Die Geschichten, die "Mensch Leute" erzählt, klingen oft unglaublich, stammen aber aus dem ganz normalen Leben.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 16.12.2019 um 18:15 Uhr auf SWR.