Russland wurde das erste Land, das nach den Ideen von Karl Marx und Friedrich Engels zu einer klassenlosen Gesellschaft umgestaltet werden sollte. Doch aus der menschenfreundlichen Vision wurde binnen weniger Jahre ein System der Gewaltherrschaft. Die Auswirkungen der Russischen Revolution, die Lenins Revolutionäre ins Werk setzten, haben das 20. Jahrhundert geprägt wie kaum eine andere politische Umwälzung.
Lenins Griff nach der Staatsmacht war, wie es der Historiker Gerd Koenen formuliert, "ein Aufbruch in ein Niemandsland der Geschichte", aus dem es kein Zurück mehr gab.
Der erste Bericht der russischen Wochenschau über die Oktoberrevolution zeigte den Zarenpalast in St. Petersburg am Tag nach dem Putsch. Die Barrikaden waren noch nicht weggeräumt. Bolschewistische Regimenter und Rote Garden hielten alle strategischen Punkte in der Stadt besetzt. Lenin verkündete das Ende des alten Regimes und den Sieg der Revolution. Und er rief schließlich zur Weltrevolution auf. "Ich werde des Öfteren beschuldigt, in der Revolution mit Hilfe deutschen Geldes gesiegt zu haben", erklärte er auf einer Parteikonferenz. "Diese Tatsache habe ich nie geleugnet, noch tue ich das jetzt. Ich will jedoch hinzufügen, dass wir mit russischem Geld eine ähnliche Revolution in Deutschland inszenieren werden." In Berlin bot sich im November 1918 die Gelegenheit. Die deutschen Generäle mussten die Niederlage akzeptieren und baten um Waffenstillstand. Der Kaiser dankte ab, in Deutschland übernahmen Arbeiter- und Soldatenräte die Macht.
Film von Michael Kloft
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 03.11.2019 um 16:15 Uhr auf phoenix.