zeit.geschichte

9. Dezember 1963. In Mailand beginnt der erste Südtirol-Prozess gegen 91 Attentäter, die Italien mit Bomben unter Druck setzten wollten. Das Medieninteresse ist groß. Erst einen Monat nach den Bombenanschlägen der Feuernacht wird das erste Mitglied des Befreiungsausschuss Südtirol (BAS), Franz Muther, verhaftet. Er wird schwer gefoltert und nennt schließlich Namen. Die folgende Verhaftungswelle erfasst auch Sepp Mitterhofer und Sepp. Die Aktivisten werden schwerstens gefoltert und misshandelt. Man versucht die Öffentlichkeit mittels aus dem Gefängnis geschmuggelter Briefe zu informieren. Einigen Attentätern ist die Flucht nach Nordtirol gelungen. Von Österreich aus führt man den Kampf weiter. Auf internationaler Ebene hofft Österreich erneut auf die Hilfe der Vereinten Nationen. In der Generalversammlung der Vereinten Nationen erwirkt Bruno Kreisky nicht zuletzt wegen der Folterungsberichte die zweite Südtirol-Resolution. In Südtirol selbst wird die Behandlung der Gefangenen erst nach dem Tod zweier Häftlinge ein öffentliches Thema. Im Jänner 1963 erhebt schließlich die Oberstaatsanwaltschaft Trient Anklage gegen einige der Folterer. Der Prozess endet mit Freisprüchen und Amnestie. Die Folterer werden in Rom empfangen und ausgezeichnet, einige befördert. Die Urteile gegen die Attentäter im Mailänder Prozess fallen mit größtmöglicher Härte. Das offizielle Österreich hat ein zwiespältiges Verhältnis zu den Südtirol Aktivisten. Einerseits steht man ihren Zielen mit Sympathie gegenüber, andererseits muss man dem ständigen Vorwurf Italiens, Österreich unterstütze Terroristen, etwas entgegensetzen. Vor allem in Nordtirol mangelt es der Gendarmerie mitunter an Diensteifer, obwohl die Fahndungsplakate mit den Südtirol Aktivisten auf den Posten evident sind. In Graz werden in drei Prozessen bekannte Aktivisten schlussendlich angeklagt. Die Situation in Südtirol verschärft sich weiter. Immer wieder werden Sprengstoffanschläge verübt; kommt auch zu Schusswechseln. Auch in Österreich werden Attentaten verübt. Erst 1964 kann man sich auf eine österreichisch/italienische Expertenkommission, die sogenannte 19er-Kommission einigen. Von Ende 1967 bis Herbst 1969 können die Verhandlungen ohne Störfeuer durch Attentate vorangetrieben werden. Mit dem Inkrafttreten des "zweiten Autonomiestatuts" im Jahre 1972 kann Südtirols Aufbruch in eine bessere Zukunft beginnen.

Quelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 23.09.2019 um 05:40 Uhr auf ORF 3.