

Unweit der Triberger Wasserfälle kann jeder, der Olis Schnitzstube besucht, Handwerkskunst live erleben. Im Laden tickt, surrt, klickert, pfeift und kuckuckt es. Es riecht nach frischem Holz, das der Holzbildhauer Oliver Zinapold zum Markenzeichen des Schwarzwalds verarbeitet - Kuckucksuhren. Seit 1999 fertigt der 48-Jährige Kuckucksuhren nach alter Überlieferung und ist damit einer der letzten Schnitzer für traditionelle Kuckucksuhren. Jede Uhr ist ein Unikat. Oft verwirklicht Oliver Zinapold spezielle Wünsche seiner Kunden, aber das meiste entspringt seiner Vorstellung und hat immer etwas mit dem Schwarzwald zu tun.
Oliver Zinapold zeichnet zunächst den Entwurf auf einer Schablone aus Papier. Die legt er anschließend auf ein Holzbrett und sägt die Teile mit einer Stichsäge aus. Dann beginnt die eigentliche Schnitzarbeit. Mehr als tausend verschiedene Schnitzwerkzeuge gibt es, die sich in Breite und Schneideform unterscheiden. "Das ist die Kunst des Schnitzens. Man darf niemals gegen die Maserung schnitzen, sonst bricht das Holz ab", weiß der Meister. Nach dem Schnitzen werden die Einzelteile gebeizt, geschliffen und lackiert.
Der Laden von Holzbildhauer Oliver Zinapold läuft gut. Sein Geschäftsmodell hat sich durchgesetzt, obwohl Unikate hochpreisiger sind als Massenware vom Band. Die Kuckucksuhr ist ein Qualitätsprodukt und ein Hauch von Nostalgie in einer immer dynamischeren und effizienteren Zeit. Noch finden sich weltweit genügend Liebhaber, die sich dieses Stück Schwarzwald ins Wohnzimmer holen. Doch Globalisierung und Billigimporte bedrängen den Exportschlager. Wie lange sich die Geschichte im Schwarzwälder Kuckucksland dann noch fortschreiben lässt, ist ungewiss.
24.08.2018 SWR/SR
Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 04.07.2019 um 15:15 Uhr auf SWR.