

"Wir sind alles freie Leute", betont Marianne und blickt selbstbewusst auf ihre Mitbewohnerinnen am großen Esstisch, sechs Frauen. Die älteste ist 92 und ein Mann ist 61. Allein war die Witwe nicht mehr klargekommen, geisterte nachts durch die Stadt und über den Friedhof, wurde von der Polizei aufgegriffen. Schnell war klar: Diagnose Demenz. So ging es nicht weiter, fand auch ihr Sohn. Zufällig hatte der von dem neuen Projekt gelesen: Wohngemeinschaft im Statthaus Offenbach. Seit zwei Jahren wohnt sie nun in der herrschaftlichen Gründerzeitvilla, trifft sich mit den Anderen im lichtdurchfluteten Wohnraum, kocht gemeinsam mit ihnen und kümmert sich um eine Mitbewohnerin, die das nicht mehr kann. Im Stockwerk darüber hat sie ihr Zimmer. Alle haben einen regulären Mietvertrag, den ihre Angehörigen für sie unterschrieben haben. Die haben auch gemeinsam einen Pflegedienst beauftragt, sodass rund um die Uhr Betreuungspersonal den alten Herrschaften hilft, den Alltag zu bewältigen. Das kostet nicht mehr als ein Platz im Heim.
Autor Burkhard Plemper hat die Bewohnerinnen begleitet, beim Spaziergang und Einkauf, beim Kochen und Bügeln, vom Frühstück bis zum späten Abend. Ein gutes Leben - mit Demenz. "Wir fühlen uns pudelwohl" - heißt das für Marianne. Artikel 3 des Grundgesetzes verkündet: "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden." Doch wird diese abstrakte Norm tagtäglich umgesetzt - und wenn ja, wie? Die Sendung "selbstbestimmt!" geht dieser Frage nach, sei es in Arbeit und Beruf, in der Schule, an der Universität, beim Wohnen, beim Sport oder in der Kultur und Kunst. Selbstbestimmtes Leben, Selbstbestimmung über eigene Angelegenheiten im privaten und im gesellschaftlichen Bereich ist die berechtigte Grundforderung von Menschen mit Behinderung.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 02.03.2019 um 09:30 Uhr auf ARD alpha.