Nach der Geburt von Simon diagnostizierten die Ärzte eine spastische Lähmung. Ein Arzt konfrontiert die Eltern mit der Prognose: "Ihr Kind wird nie gehen können!" Hanni und Peter von Quadt wollen sich damit nicht abfinden. Sie setzen alle Hebel in den Weg, um Simon bestmöglich zu fördern.
Durch Zufall stoßen sie auf die sogenannte "Konduktive Methode", die der ungarische Arztes András Petö (1893-1967) entwickelt hat. Die Konduktive Förderung ist ein ganzheitliches Förderprogramm für Menschen mit spastischen Lähmungen. Dabei werden die verschiedensten Fähigkeiten trainiert und zusammengeführt. Angestrebt wird eine Verbesserung der Grob- und Feinmotorik, der Sprach- und Denkentwicklung, der Bewältigung von Alltagssituationen etc. Im Zentrum steht die Arbeit der Therapeuten: der sogenannten "Konduktoren". Sie führen ein intensives und sehr anstrengendes Trainingsprogramm mit den Patienten durch. Sie sind quasi Physiotherapeuten, Sprach- und Beschäftigungstherapeuten in einer Person.
Peter von Quadt fährt 1989 nach Budapest ans Petö-Institut und ist beeindruckt von den augenscheinlichen Erfolgen dieser Therapie. Doch die Konduktive Förderung wird damals nur in Ungarn angeboten. Die Quadts krempeln ihr Leben komplett um: Hanni kündigt ihren Job als Erzieherin und fährt mit Simon jeweils für viele Wochen im Jahr nach Budapest, um ihn dort behandeln zu lassen. Nach mehreren Aufenthalten in Budapest hat Simon tatsächlich selbstständig stehen und gehen gelernt. Die Quadts wissen, dass sie allein schon durch ihre Möglichkeit, immer wieder nach Ungarn zu reisen, privilegiert sind. Sie möchten deshalb, dass auch andere Kinder gefördert werden können. Beflügelt vom Erfolg ihres Sohnes gründen Hanni und Peter von Quadt 1994 den Verein "FortSchritt e.V.", der sich die Etablierung der Petö-Methode in Deutschland zur Aufgabe macht. Trotz vieler bürokratischer Hürden haben sie schließlich Erfolg.
Der nun 30-jährige Simon von Quadt führt heute ein selbstbestimmtes, nur wenig eingeschränktes Leben. Die Autorin der Doku hat Simons Entwicklung und die Arbeit der Familie von Quadt seit den 1990er-Jahren mehrfach mit der Kamera begleitet. Auf diese Weise wird die Dokumentation zu einer eindrucksvollen Langzeitbeobachtung. Film von Beatrice Sonhüter
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 02.06.2018 um 09:30 Uhr auf ARD alpha.