

Der Zuckerverbrauch in Deutschland ist enorm. Im Jahr 1900 aßen die Deutschen durchschnittlich zwölf Kilogramm Zucker im Jahr, heute sind es mehr als 31. Das entspricht einer Tagesportion von 88 Gramm oder 22 Teelöffeln Zucker. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt deutlich weniger, nämlich 25 Gramm am Tag. Tim Mälzer will herausfinden, in welchen Lebensmitteln sich diese enorme Zuckermenge versteckt. Er macht den Test und isst drei Mahlzeiten mit Getränk über den Tag verteilt, keine Süßigkeiten, kein Nachtisch. Wie viel Zucker nimmt er wohl auf? Es sind 160 Gramm Zucker, versteckt im Essen und in Getränken. Wie kann das sein? Gemeinsam mit Gudrun Köster von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein stellt er fest, dass mit den 31 Kilo Zucker, die wir statistisch pro Jahr essen, nur der gewöhnliche Haushaltszucker erfasst ist. Etwa die doppelte Menge essen wir außerdem an anderen Zuckerarten, die sich hinter unterschiedlichsten Namen verstecken. Es gibt mehr als 70 verschiedene Bezeichnungen für Zuckerarten. Saccharose, Maltose, Laktose, Fruktose, Dextrose, Maltodextrine, Glucose sind einige.
Tim Mälzer will wissen: Warum zieht uns die Geschmacksrichtung süß so unwiderstehlich an? Im Helmholtz Zentrum München trifft er Professor Matthias Tschöp, einen der weltweit führenden Diabetesforscher. Seit Jahren untersuchen er und seine Mitarbeiter die Auswirkungen von Zucker auf unseren Organismus. Tschöp: "Das war in der Steinzeit so, dass wir Gutes, Sicheres, Nahrhaftes finden mussten in unserer Umgebung. Und da leiten uns unsere Geschmacksrezeptoren. Wenn etwas bitter oder sauer schmeckt, dann ist das meistens ein schlechtes Zeichen. Wenn etwas süß schmeckt, dann sagen uns unsere Rezeptoren, diese Nahrung ist gut, die gibt uns Energie. Außerdem wirkt Zucker in Gehirnbereichen, in denen Abhängigkeiten ausgelöst werden. Es gibt also eine gewisse Abhängigkeit."
Besonders Kinder essen oft über Jahre hinweg zu viele Süßigkeiten. Laut Statistik geben Sechs- bis 13-Jährige rund zwei Drittel ihres Taschengeldes für Süßes aus. Warum ist für Kinder naschen so verlockend? Das erforscht Dr. Thomas Ellrott vom Institut für Ernährungspsychologie in Göttingen. Ist es nur der süße Geschmack, oder verleitet noch etwas anderes die Kinder dazu, Süßes zu essen? In einem Versuch demonstriert der Psychologe, dass Kinder durch Comicfiguren auf den Verpackungen angelockt werden. Ein Trick, den die Industrie gern nutzt, obwohl sich fast alle Hersteller 2007 freiwillig dazu verpflichtet haben, keine Werbung für ungesunde Lebensmittel an Kinder unter zwölf Jahren zu richten. Kaum ein Hersteller hält sich daran.
Wie soll man also mit Zucker umgehen? Hilft ein Süßigkeitenverbot bei Kindern? Ein weiterer Versuch des Ernährungspsychologen Thomas Ellrott zeigt, dass ein Verbot Süßigkeiten für Kinder nur noch reizvoller macht. Besser ist es, eine bestimmte Menge an Süßem pro Tag zu verteilen und selbst ein Vorbild für gesunde Ernährung zu sein. 29.08.2016 Das Erste
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 03.04.2018 um 21:00 Uhr auf SWR.