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Der Fall Susanne Albrecht

Die vielen Leben einer RAF-Terroristin
Montag, 13.11.2017 01:30 Uhr
PHOENIX
Montag
13.11.2017
01:30 Uhr
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Am 30. Juli 1977 wird der Bankier Jürgen Ponto von einem Kommando der RAF in seinem Haus in Oberursel bei Frankfurt erschossen. Unter den Terroristen: Susanne Albrecht, die Tochter seines besten Freundes. Sie verschafft den Mördern den Zugang zu Pontos Villa. Es ist die zweite Bluttat der RAF im Terrorjahr 1977. Eigentlich soll Ponto entführt werden. Die Terroristen wollen bei der Bundesregierung im Austausch für ihn inhaftierte RAF-Mitglieder freipressen. Doch Ponto leistet Widerstand und wird erschossen.

Rund 13 Jahre lang gelingt es Susanne Albrecht vor den Sicherheitsbehörden abzutauchen, bis sie im Jahr 1990 in Ost-Berlin verhaftet und an die BRD ausgeliefert wird. 40 Jahre nach diesem unfassbaren Verbrechen liefert die Dokumentation Hintergründe zu der zentralen Frage: Wie konnte es dazu kommen, dass Susanne Albrecht einen engen Freund ihrer Familie an Terroristen verriet?

Hochaktuell, auch mit Blick auf heutige Terroristen, sind die Passagen, in denen die Filmautoren eingangs die allmähliche Radikalisierung Albrechts nachzeichnen, die in der Hamburger Hausbesetzerszene Anfang der 70iger Jahre beginnt. Akribisch rekonstruiert die Koproduktion von phoenix und ZDFinfo die Phase im Leben der gebürtigen Hamburgerin, die sie zu dem unbeschreiblichen Verrat an dem langjährigen Familienfreund führt. Ein kleiner Kreis von RAF-Terroristen setzt die damals 26-jährige Albrecht im Sommer 1977 massiv unter Druck die Türöffnerin für die geplante Gewalttat zu spielen. Dr. Nahlah Saimeh, forensische Psychiaterin und Expertin für Extremismus und Terrorismus erläutert im Film, wie und warum solche Radikalisierungsprozesse ablaufen.

Neue Zeitzeugen präsentiert die Dokumentation auch zu Susanne Albrechts Leben auf der Flucht, während der sie mit Hilfe der ostdeutschen Stasi unter neuem Namen zunächst ab 1980 in der DDR und später in der Sowjetunion untertauchte. Darunter Barbara Dörr, die Albrecht als Arbeitskollegin an einer DDR-Ingenieurhochschule erlebte. Als Barbara Dörr und andere Kolleginnen Albrecht 1986 in einem Fernsehbericht über die RAF wiedererkennen, muss die Aussteigerin weiter fliehen. Die Stasi versteckt Albrecht und ihre Familie in der Sowjetunion, nördlich von Moskau. Auch dahin führt die Dokumentation den Zuschauer, gemeinsam mit dem Physiker Peter Michel, der auf einer Spurensuche zeigt, wo die RAF-Terroristin seit 1988 in der russischen Stadt Dubna abgetaucht war und seine Nachbarin wurde. Während deutsche Sicherheitsbehörden die Terroristin lange Zeit im Nahen Osten vermuteten, verhalf die Stasi Albrecht hier zu einer neuen Identität als Chemielaborantin an einem sowjetischen Kernforschungszentrum. Albrecht hatte einen DDR-Physiker geheiratet, mit ihm einen Sohn bekommen. Doch ihre neue Familie erfährt erst nach ihrer Verhaftung in Berlin im Juni 1990 die ganze Wahrheit über Albrechts Vergangenheit als Terroristin.

Die Dokumentation "Der Fall Susanne Albrecht" präsentiert neues Foto- und Filmmaterial aus jenen Jahren, als die RAF-Terroristin ganz oben auf den Fahndungsplakaten prangte. Entscheidende Szenen aus jener Zeit haben die Filmautoren auf Grundlage von Prozessunterlagen und Stasi-Dokumenten mittels grafischer Szenarien faktengetreu rekonstruiert. Ein Film über einen furchtbaren Verrat, und den verzweifelten Versuch, der eigenen Verantwortung zu entkommen.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 13.11.2017 um 01:30 Uhr auf PHOENIX.