Qin Shi Huangdi hatte ein Königreich nach dem anderen erobert und das erste geeinte Chinesische Reich geschaffen. Alles war ihm gelungen, nur das Elixier der Unsterblichkeit, nach dem er rastlos hatte suchen lassen, hatte er nicht gefunden.
Die Angst vor dem Tod beherrschte den Herrscher. Da er sich ein Leben im Jenseits nur als Fortsetzung des irdischen Lebens vorstellen konnte, ließ er gleich nach der Thronbesteigung mit dem Bau seines unterirdischen Grabpalastes beginnen.
Die Macht des Tyrannen stützte sich auf seine Armee. Auf die konnte er auch nach dem Tod nicht verzichten. 8.000 Soldaten und Pferde in Lebensgröße aus Ton gefertigt, sind seit 1974 anderthalb Kilometer östlich des Grabhügels freigelegt worden. An anderen Stellen auf dem mehrere Hektar großen Grabareal fand man in Beigabendepots bronzene Reisewagen in halber Originalgröße, Waffen und Reste von Stallungen, Glocken vom Amt der Riten und Gänse aus Bronze.
Der Sommerpalast an den Westbergen bei Peking ist der einzige erhaltene kaiserliche Garten. In ihm ist der vollkommene Traum der chinesischen Gartenarchitektur verwirklicht. Dass dieser Garten mit seinen Palästen und Tempeln, Pavillons und Pagoden, mit insgesamt 3.000 Räumen auf 290 Hektar Grund heute noch ein Gefühl davon vermitteln kann, wie die chinesischen Kaiser und ihr Hofstaat gelebt haben, ist Cixi zu verdanken.
Sie war Mitte des 19. Jahrhunderts kaiserliche Konkubine und Mutter des Thronerben, der als Kind zum Kaiser wurde. Sie erlebte die Überfälle der europäischen Truppen, die mit der Zerstörung aller kaiserlichen Gärten das Reich der Mitte gefügig machen wollten, um China unter sich aufzuteilen. Cixi wollte die Schmach dieser Demütigung durch den Wiederaufbau des Sommerpalastes schnell vergessen. Gegen alle Vernunft, denn die chinesische Bevölkerung war verarmt, das Land von Aufständen gegen die unfähige letzte Kaiserdynastie geschüttelt, setzte Cixi alle Mittel ein, um die Pracht und den Glanz des alten China noch einmal erstehen zu lassen.
Vom Sommerpalast aus regierte Cixi als Regentin für unmündige oder als geistesgestört erklärte Thronerben fast ein halbes Jahrhundert lang. Sie konnte den Verfall des chinesischen Kaisertums nicht aufhalten. Heute sieht man sie nicht mehr so kritisch, wie zu ihren Lebzeiten, denn ihrem Starrsinn, ihrer Prunksucht und ihrer Liebe zur Natur ist es zu verdanken, dass es den Sommerpalast noch heute gibt - auch als große Einnahmequelle durch den Tourismus.
06.02.2005 SWR/SRDie wertvollsten Natur- und Kulturdenkmäler der Welt schützt die UNESCO seit 1972 als "Erbe der Menschheit". Die Fernsehreihe "Schätze der Welt" erzählt von diesen Orten in eindrucksvollen Bildern.
Autor: Gisela Mahlmann
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 29.10.2017 um 06:00 Uhr auf SR.