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Rezension zu Day Is Done
Der Schweizer Filmemacher Thomas Imbach hat seinen 2011 vorgestellten Dokumentarfilm »Day is Done« (am Montagabend bei Arte) selbst eine »fiktive Autobiografie« genannt. Mit einer 35-Millimeter-Kamera und den Blick aus dem Fenster seines Ateliers beginnend eine Sammlung von ganz alltäglichen Momenten, Ereignissen und Zuständen, die der Film in Kontrast zu gesammelten Mitschnitten von Nachrichten eines Anrufbeantworters setzt. Weitere Dokutipps für den Montagabend: u.a. eine zweiteilige BBC-Doku über »Die Tricks der Tiere« (bei 3sat) und im Ersten eine Geschichtsdoku über Olympia 1936 »Als Olympia die Unschuld verlor«.
Ein rauchender Schlot reckt sich gen Himmel. Unten fahren ratternd Züge vorbei. In den Häusern rundherum geht in der Dunkelheit das Licht an und zu später Stunde wieder aus. Plötzlich bewegt sich das Bild, der Kamin wird stärker ins Zentrum gerückt. Ein Mann hinter der Kamera sucht ein Bild – bei Tag und bei Nacht, bei Regen und bei Schnee filmt er aus dem Fenster seines Ateliers. Die Wolken und die Züge, die Kräne und die Vögel ziehen vorbei. Ab und zu sind menschliche Stimmen auf seinem Anrufbeantworter zu hören. Sie reden von alltäglichen Dingen, erzählen vom schönen Wetter in den Ferien, und hin und wieder gratulieren sie dem Mann zum Geburtstag. Der Vater stirbt, ein Kind wird geboren, eine junge Familie bricht auseinander. Langsam wird die Stadtlandschaft zur inneren Landschaft des Mannes hinter der Kamera. Am Ende dominiert ein neu errichteter Wolkenkratzer aus Beton und Glas die Szenerie und drängt den inzwischen vertraut gewordenen alten Kamin aus dem Blickfeld.
Die mit einer 35-mm-Kamera aufgenommenen Landschaftsbilder entstanden zwischen 1995 und 2010; die authentischen Anrufbeantworter-Nachrichten stammen aus der Zeit zwischen 1988 und 2003. Zusammen ergeben Ton und Bild das Porträt eines unsichtbaren Mannes hinter der Kamera. Seine Persönlichkeit spiegelt sich in den Stimmen und Botschaften der Anrufer. Einige übermitteln Lob und gratulieren zu einem Erfolg, andere klagen an. Einige weibliche Stimmen flirten, und eine davon kündet die Beziehung auf. Nie hebt der Mann den Hörer ab. Er steht hinter der Kamera, ist unerreichbar und wird so zum Objekt des Begehrens und der Feindseligkeit. Seine eigenen Gedanken und Gefühle vermitteln sich durch den Soundtrack: Wie die Bilder und die Nachrichten auf dem Anrufbeantworter wechseln auch die zwölf Lieder zwischen Glücksgefühl und Trauer, Zorn und Lachen. Ein Film als Kaleidoskop eines Lebens.
Imbachs »fiktive Autobiografie« lief unter anderem beim Planete Doc-Festival in Warschau und in der Official Selection Baltici. Seine offizielle Premiere hatte der Film 2011 bei der Berlinale.