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Wie vom Blitz getroffen

ZDF-Mediathek ZDF
Wird am 06.03.2028 um 23:55 Uhr depubliziert

Wie geht man damit um, wenn plötzlich alle Wünsche und Vorstellungen, wie das zukünftige Leben aussehen soll, unklar und unsicher werden? 37 Grad begleitet zwei Frauen, für die sich das Leben mit einem Schlag veränderte. Blitzschlag beim Wäscheaufhängen Als Lena 2018 ihr Abitur in Bonn macht, hat sie große Pläne. Sie ist politisch aktiv, sie hat einen Studienplatz für Biomedizin, alles scheint in Ordnung. Vor ihrem Studium möchte sie einen Freiwilligendienst machen. Sie geht nach einem sechsmonatigen Freiwilligen Sozialen Jahr an einer Förderschule in Bonn im April 2019 für einen Freiwilligendienst nach Bolivien. Doch nach gerade einmal drei Wochen, am 22. April 2019, ändert sich ihr Leben für immer. Beim Wäscheaufhängen wird sie von einem "verirrten" Trockenblitz getroffen. Andere Freiwillige müssen sie reanimieren, sie wird ins künstliche Koma versetzt und acht Tage später vom Roten Kreuz nach Deutschland ausgeflogen. Es steht schlecht um sie, die deutschen Ärzte sagen ihren Eltern, sie sollen sich von ihr verabschieden. Plötzlich ist alles anders Lena überlebt, doch nach dem Unfall ist alles anders. Sie hat Mobilitätseinschränkungen und Hörschäden, kämpft neben ihren Traumata auch mit Depression und Magersucht. Plötzlich merkt sie, wie Menschen mit Behinderung benachteiligt werden, wie viel Kraft sie immer wieder aufbringen muss, um für sich zu kämpfen. Schwierig ist es zum Beispiel, ein Gutachten zur Fahrtüchtigkeit erstellen zu lassen. Sie will selbst wieder ohne Sorge Auto fahren können, damit ihre Eltern sie nicht ständig zu ihren zahlreichen Arztterminen bringen müssen. Kraft schöpfen kann Lena aus ihrem Aktivismus. Sie schreibt an einem Buch zum Thema Ableismus (Diskriminierung von Menschen mit Behinderung), sie ist bei der Bonner Grünen Jugend aktiv, setzt sich für behindertenpolitische, queere und feministische Themen ein. Mit zwei Freunden aus der Grünen Jugend fährt sie im Sommer, zum ersten Mal seit ihrem Unfall, weg. Früher ist sie sehr gern gereist, nun macht sie es endlich wieder. Und noch etwas aus ihrem "alten Leben" hat sie wieder für sich gefunden: das Schwimmen. Lenas Ziel: Mit einem paralympischen Schwimmteam zu trainieren und an Wettkämpfen teilzunehmen. Wiedererwachen im Krankenhaus Der erste Anfall kam kurz nach ihrem 50. Geburtstag. Ingrid ist gerade mit dem Fahrrad auf dem Rückweg von einer Tagung, als sie merkt, dass sie nicht mehr gut sieht. Kurze Zeit später wacht sie im Krankenhaus auf. Sie kann sich nicht erinnern, wie sie dort gelandet ist. Ihr Mann sitzt neben ihr, als der Arzt kommt und ihr die Diagnose unterbreitet: Epilepsie. Zunächst bedeutet diese Diagnose keinen großen Einschnitt für Ingrid. Dann kommt anderthalb Jahre später der zweite Anfall. Nun ist es sicher, dass sie Epilepsie hat. Bei Ingrid kommen die epileptischen Anfälle selten, dafür dann aber immer so heftig, dass sie sich an nichts erinnern kann. Als sie im November 2019 ihren vorerst letzten Anfall bekommt, gerät ihre Welt ins Wanken. Das Jugendamt entzieht ihr die Erlaubnis, weiter in ihrem Beruf als Tagesmutter zu arbeiten. Es war ihr Traumberuf, den sie eigentlich bis zur Rente ausüben wollte. So beginnt mit Mitte 50 plötzlich das Suchen nach einer neuen Perspektive. Neuanfang Lena und Ingrid sind sehr unterschiedlich, haben jedoch eines gemeinsam: Für beide kam ihr lebensveränderndes Ereignis völlig unerwartet und ohne jegliche Vorwarnung. Sie müssen ihr Leben neu ausrichten, sich beruflich neu orientieren. Akzeptieren, dass nun einige Dinge nicht mehr so gehen wie früher, und dafür Neues finden, das ihnen Spaß und Freude bereitet. 37 Grad hat die beiden ein Jahr lang bei diesem Prozess begleitet. Die Autorin Lotta Pommerien über ihren Film Ausgangspunkt der Recherche Ein Schicksalsschlag hat immer ein festes Datum – diese Erkenntnis stand für mich am Anfang unserer langen Reise. Der Punkt, an dem sich das Leben eines Menschen ändert, wird für immer klar im Gedächtnis eingebrannt bleiben. Ich kann nicht beschreiben warum, aber dieser Fakt blieb bei mir hängen. Natürlich schließt sich die Frage an: Wie bewegt man sich ab diesem Punkt weiter? Wie findet man den Weg, wenn alles, was einmal geplant und gedacht war, nicht mehr so geht? Wenn alle Wünsche plötzlich hinfällig sind? Protagonistinnen Ich begab mich auf die Suche nach solchen Fällen. Das Thema Verbrennungen kam auf, der Gedanke, dass unsere Haut unser größtes Organ ist und eine Zerstörung dieses Organs weitreichende Folgen hat. Und so stieß ich auf Lena. Über eine Bekannte hörte ich dann von Ingrid und ihrer Geschichte. Davon, dass niemand in ihrer Familie je Epilepsie hatte und sie bis zum ersten Anfall auch nie ein Anzeichen dafür hatte. Strukturelle Diskriminierung „Niemand kommt zu Dir und sagt: Hallo, Sie haben Epilepsie, das sind die Punkte, die sie jetzt beachten müssen", sagte Ingrid im Vorgespräch zu mir. Ein gemeinsames Thema der beiden Frauen: sich allein gelassen fühlen von Behörden, Kämpfen um die eigenen Rechte, zahllose Anträge, die mit einer Vielzahl von Papieren und Formularen verbunden sind. Ein Kampf, der viele Nerven kostet und den die beiden teilweise auch aufgegeben haben. Ein Beispiel: Ingrid und Lena haben im Laufe ihres Prozesses beide einen Schwerbehindertenausweis beantragt. Und beide mussten dabei erfahren, welche Hürden ihnen plötzlich in den Weg gelegt werden. Vor allem Lena hat während unserer Dreharbeiten oft davon berichtet. So muss sie jedes Semester neu einen Nachteilsausgleich für die Universität stellen, jedes Mal braucht sie dafür ein neues Attest, muss also alle sechs Monate nur dafür einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Aber auch mit ihrer Versicherung gab es immer wieder Probleme. Hilfsmittel wie ihr Dreirad wurden nicht bewilligt oder es wurden keine Zuschüsse gewährt. Es geht um Teilhabe, um die persönliche Mobilität, um das aktive Teilnehmen am öffentlichen Leben, das Menschen mit Behinderung oft erschwert oder gar verwehrt wird. Dazu kommen verschiedene Formen des Ableismus (Diskriminierung von Menschen mit Behinderung), wogegen Lena kämpft und wofür sie sensibilisieren möchte. Sensibilität Ich hoffe, dass dieser Film dazu anregt, sensibel mit Menschen umzugehen – vor allem mit Menschen mit Erkrankungen und Behinderungen. Sensibilität hat für mich viele Gesichter: Auf der einfachen Ebene geht es um einen freundlichen und verständnisoffenen Umgang miteinander. Dazu gehört auch, Anmerkungen zum eigenen, möglicherweise problematischen Verhalten anzunehmen und das Herangehen an Menschen und Themen immer wieder zu reflektieren. Schwieriger wird es, wenn es um das Thema Sprache geht. Ich selbst war anfangs unsicher das Wort „Behinderung“ zu nutzen. Doch ist dies das Wort, das Lena selbst nutzt, um ihren Gesundheitszustand zu umschreiben. Denn sie wird behindert: Von einer Gesellschaft, von politischen Strukturen, die Menschen wie sie ausbremsen. Von den Protagonistinnen lernen Ingrid und Lena zeigen für mich, dass es egal ist, wie alt man ist: Plötzliche Lebensereignisse können immer auftreten und es ist immer schwierig sich neu zu orientieren. Beide Frauen haben in meinen Augen eine unglaubliche Kraft und Stärke. So vieles hat in unserem Dreh-Jahr nicht geklappt: Lena wollte das Gutachten für ihren Führerschein erstellen lassen und an eine Präsenzuni wechseln (sie studiert momentan an der Fernuni Hagen). Beides hat nicht funktioniert. Ingrid hatte Hoffnung auf eine Neuanstellung im Bereich ihres ursprünglich erlernten Berufs als Landschaftsarchitektin. Leider kam es dann doch nicht dazu. Nach unseren Dreharbeiten hat sie nun eine Anstellung im Bereich der Jugendhilfe gefunden. Bei allem Schwierigen haben diese Frauen immer wieder das Positive gesucht: Ingrid war mit ihrem Mann in Wales wandern, hat an Wochenenden mit Freundinnen und Freunden Kurzausflüge in die Berge gemacht. Auch Lena ist auf Reisen gewesen, war mit René sogar nochmals über Silvester in Nordeuropa. Sie geht nun fünfmal die Woche schwimmen und hat bereits bei ersten Wettkämpfen gewonnen. Beide Frauen suchen weiterhin das Schöne im Leben. </ul> </section> Reportage über Lena und ihre Reise 37 Grad - Den Blitzschlag überlebt&nbsp; 2019 wird Lena vom Blitz getroffen und überlebt nur knapp. Seitdem hat sie sichtbare Narben. Heute kämpft sie aktiv gegen die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung. Videolänge 14 min · Doku Wenn das Schicksal zuschlägt 37 Grad - Plötzlich blind: Vickys Traum vom Sehen&nbsp; Untertitel Audiodeskription Vicky war 14, als sie ihr Augenlicht nach einem Unfall verlor. Seit mehr als vier Jahren begleitet "37 Grad" die junge Frau durch ihr Leben - zwischen vielen Tiefschlägen und neuer Hoffnung. 14.05.2019 Videolänge 28 min · Doku UT AD Jetzt abspielen 37 Grad - Sepsis: Nina kämpft sich zurück ins Leben&nbsp; Untertitel Deutsche Gebärdensprache Audiodeskription Nina ist 33, als sich nach einem Krankenhausaufenthalt ihr Leben für immer verändert. Die zweifache Mutter erleidet eine lebensbedrohliche Sepsis mit bleibenden Schäden. 31.01.2022 Videolänge 28 min · Doku UT DGS AD Jetzt abspielen 37 Grad - Millionengewinn: Plötzlich reich&nbsp; Untertitel Deutsche Gebärdensprache Audiodeskription Jährlich gewinnen ein paar Tausend Deutsche bei Lotterien und Quizsendungen richtig viel Geld. Aber was wollen und sollen sie damit machen? 16.03.2022 Videolänge 28 min · Doku UT DGS AD Jetzt abspielen 37 Grad - Diagnose ALS&nbsp; “Mama ist eine Kämpferin!” - Wiebke ist unheilbar an ALS erkrankt. Sie sitzt im Rollstuhl und kann kaum noch sprechen, doch sie kämpft weiter, für sich und für ihre Familie 29.09.2022 Videolänge 16 min · Doku Jetzt abspielen 37 Grad - Demenz: Sein Leben mit dem Vergessen&nbsp; Untertitel Deutsche Gebärdensprache Audiodeskription Bernhard (55) gehört zu den 1,6 Millionen Menschen in Deutschland, die an Demenz erkrankt sind. Familie und Freunde wollen ihm möglichst lange das gewohnte Umfeld bieten. 16.05.2022 Videolänge 28 min · Doku UT DGS AD Jetzt abspielen 37 Grad - Im Traum kann ich wieder laufen&nbsp; Untertitel Deutsche Gebärdensprache Audiodeskription Niemals aufgeben: Nikolas ist 17, als er sich im Sport-Leistungskurs die Halswirbelsäule bricht. 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Herkunft: ZDF-Mediathek
Sender: ZDF
Depublizierung: 06.03.2028 23:55 Uhr
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