Was bedeutet es, wenn man weiß, nur ein Spenderorgan kann das eigene Leben retten? 37 Grad hat drei Menschen begleitet, deren einzige Chance auf ein Weiterleben verknüpft ist mit dem erlösenden Anruf: "Wir haben ein Organ für Sie." Hoffnung auf ein neues Herz 2016 wurde dem ehemaligen Flugbegleiter Dirk ein Kunstherz implantiert. Eine verschleppte Grippe und eine Lungenentzündung hatten sein Herz stark angegriffen. "Irgendwann konnte ich keine 200 Meter mehr laufen", so der dreifache Familienvater. Statistisch gesehen kann man mit einem Kunstherz acht bis zehn Jahre problemlos leben. "Man sagt, dass in fünf Prozent der Fälle sich das Herz sogar ganz erholt, darauf habe ich natürlich gehofft, jetzt ist es ganz anders gekommen." Der 48-Jährige kam mit starken Bandscheibenbeschwerden in die Klinik, und eine Blutuntersuchung ergab, dass sein Körper eine hohe Bakterienbelastung aufweist. Sofort wurde er in das Herzzentrum in Berlin überstellt und "HU" gelistet ("High Urgency"). Nur ein Spenderherz wird seine Situation verbessern können. Das nächste passende könnte für ihn sein. Doch bis zu einem Jahr kann die Wartezeit auf ein Herz in Deutschland betragen. Eine zermürbende Zeit für ihn und seine Familie beginnt, bis es schneller als gedacht heißt: "Wir haben ein passendes Spenderherz für Sie." 8 bis 10 Jahre Wartezeit Wie die große Mehrheit auf der Warteliste hofft auch Anita auf eine neue Niere. 2019 wurde bei der 24-Jährigen eine seltene Erberkrankung festgestellt. Die Nachricht war ein Schock für sie und ihre Familie. Die Erkrankung, von der auch der Vater betroffen war, hatte der Familie viel abverlangt. Er wurde inzwischen zwar erfolgreich transplantiert, die Familie ist aber auseinandergebrochen. Anita versucht jetzt, vieles anders zu machen. So hat sie sich für die tägliche Bauchfelldialyse entschieden. Die ermöglicht es ihr zum Beispiel, arbeiten zu gehen. Der Nachteil: Diese Methode ist auf ein paar Jahre befristet. Anitas ganzes Leben ist von der Krankheit beeinträchtigt, ein Leben wie es andere in ihrem Alter führen, ist für sie unmöglich. Tagtäglich wird sie von ihrer Erkrankung in die Schranken gewiesen. Seit 2021 steht Anita auf der Transplantationswarteliste, die durchschnittliche Wartezeit für eine Niere beträgt acht bis zehn Jahre. Eine Alternative könnte eine Lebendspende von Familienmitgliedern sein. Ein sensibles Thema zwischen Anita und ihrer Familie. Der erlösende Anruf Für Robert kam 2021 der lebensverändernde Anruf: "Es gibt ein Organ für Sie." Der 33-Jährige brauchte nach einer jahrelangen chronischen Erkrankung eine neue Leber. Er litt unter einer Gelbsucht und musste immer wieder stationär ins Krankenhaus. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich zunehmend, und er wurde gelistet. Dann kam der Anruf. Auch wenn die Operation erfolgreich verlief, ist es noch ein langer Weg bis zur Genesung. Aber jetzt hat Robert die besten Chancen, seine kleinen Kinder aufwachsen zu sehen. In einer Vitrine bewahrt er zwei Steine auf, die ihm während der Zeit Kraft gegeben haben. Die will er zusammen mit einem Dankesbrief der Familie des Spenders zukommen lassen. In Deutschland ist die Organspendenbereitschaft sehr gering. Was müsste sich ändern, dass mehr Leben gerettet werden können? 37 Grad begleitet drei Einzelschicksale, die für Tausende Menschen stehen, deren Leben von einem Spenderorgan abhängen. Die Autorin Nathalie Suthor über ihren Film Zwei unter vielen 8500 Menschen warten aktuell in Deutschland auf ein Organ. Dirk und Anita sind zwei von ihnen. Dirk hat trotz Erkältung weitergearbeitet. "Irgendwann konnte ich keine 500 Meter mehr gehen", so Dirk. Die Ärzte diagnostizierten eine Lungenentzündung und dann riss die Aortenklappe. 2016 wurde ihm ein Kunstherz implantiert. Zehn Jahre kann man damit gut leben. Auch Dirk hatte sich mit der Situation arrangiert. Doch nach einem Urlaub plagten ihn vermeintliche Bandscheibenprobleme, die Diagnose der Ärzte war eine ganz andere und lebensbedrohlich: Auf der Herzklappe und auf dem Katheter hatten sich Bakterien angesiedelt. Dirk wurde sofort „h.u.“ sprich „high urgency“ gelistet und nur ein Spenderherz wird sein Leben retten können. Auch Anita ging irgendwann beim Treppensteigen die Puste aus. Sie merkte, irgendetwas stimmt nicht. Die Diagnose vom Arzt war ein Schock, denn die Krankheit kannte sie nur zu gut von ihrem Vater: ADTKD Muc1, eine genetisch bedingte chronische Niereninsuffizienz. Sie wusste genau, was auf sie zukommen wird, nämlich jahrelange Dialyse mit der Hoffnung irgendwann eine neue Niere transplantiert zu bekommen. Anita wird acht bis zehn Jahre darauf warten müssen. Organspende als Geschenk Wie ist das zu wissen, dass man nur eine Chance auf Weiterleben hat, wenn ein anderer Mensch stirbt und bereit ist, seine Organe zu spenden? Alle Betroffenen mit denen ich gesprochen haben waren sich der Tragweite dieses "Geschenks" bewusst. Alle wünschten sich, dass es eine andere Möglichkeit der Genesung geben würde, nur ist die Medizin in vielen Fällen nicht soweit und die Organtransplantation bleibt alternativlos. Robert hat bereits ein Spendenorgan, ein Splitorgan, d.h. einen Teil einer Leber. Er sagt für mich einen der Schlüsselsätze des Films: "Und was halt irgendwie surreal ist, dass ich die Person, die mir wahrscheinlich in meinem Leben, wahrscheinlich neben meinen Kindern, das größte Geschenk gemacht hat, dass ich die Person nie kennenlernen werde." Geringe Spendenzahlen Die Organspendenzahlen in Deutschland sind im europaweiten Vergleich schlecht. Die Ärzte, mit denen ich gesprochen habe, sind ratlos und verzweifelt, denn ihnen sterben die Patientinnen und Patienten unter den Händen weg. Ich bin seit den Dreharbeiten überzeugte Besitzerin eines Organspendeausweises und was das Wichtigste ist: Ich habe mit meinen Angehörigen über das Thema gesprochen, dass in dem Fall der Fälle die Entscheidung von allen getragen wird und ich finde den Gedanken, einem Menschen dabei geholfen zu haben, weiterzuleben, richtig und schön. </ul> </section> Mehr zur Organspende Heureka - Organspende und das deutschen System Alle acht Stunden stirbt ein Mensch, der durch eine Organspende hätte gerettet werden können. Doch dafür braucht es freiwillige Organspender, die ihre Organe zur Verfügung stellen. 26.01.2023 Videolänge 12 min · Gesellschaft Jetzt abspielen 37 Grad - Transplantation: Mein fremdes Herz Seit 12 Jahren hat Sarah (31) ein Spenderherz. Zehn Jahre geht alles gut – dann bekommt sie eine Krebsdiagnose und ihr Spenderherz hört auf zu schlagen! Sie kämpft ums Überleben. 13.05.2021 Videolänge 15 min · Doku Jetzt abspielen 37 Grad - Warten aufs Spenderherz: Kleine Herzen Untertitel Deutsche Gebärdensprache Audiodeskription Ein Jahr lang begleitet 37 Grad zwei herzkranke Kinder und ihre Familien. Nur eine Transplantation kann die Kleinen retten. 28.04.2020 Videolänge 29 min · Doku UT DGS AD Jetzt abspielen 37 Grad - Ich gebe dir meine Niere Untertitel Audiodeskription 80.000 Menschen in Deutschland müssen zur Dialyse, ohne die sie nicht überleben könnten. "37 Grad" zeigt drei Nierenspender, die einem anderen Menschen zu einem normalen Leben verhelfen wollen. 15.12.2020 Videolänge 28 min · Doku UT AD Jetzt abspielen </article> Auch interessant Weitere laden </main> Footer mit Inhaltsangabe nach oben Mehr ZDF ZDFapps Smart TV ZDFtext Livestreams Sendungen A-Z TV-Programm ZDF woanders ZDF YouTube ZDF Facebook ZDF Twitter ZDF Instagram Service Tickets Zuschauerservice Kontakt zum ZDF Sitemap Hilfe Das ZDF ZDF Unternehmen Karriere Presseportal Werbefernsehen Mainzelmännchen Partner Nutzungsbedingungen Datenschutz Datenschutzeinstellungen Impressum