Ein steigender Meeresspiegel und häufiger auftretende Starkregenereignisse könnten das Entwässerungssystem der Insel überlasten. Was in Nordfriesland passiert, ist ein Beispiel für die Herausforderungen des Klimawandels weltweit. Seit acht Generationen dort Die 22-jährige Sophie möchte den Biobauernhof ihrer Eltern übernehmen. Seit acht Generationen lebt die Familie auf der Edenswarf in Ostersiel. Immer mehr Extremwetterlagen mit Starkregen, trockenen Sommern und Sturmfluten kosten die Familie schon jetzt eine Menge Geld. Sophie, ihre drei Geschwister und die Eltern Jörg und Silke haben 2019 die Bundesregierung vor dem Berliner Verfassungsgericht verklagt, weil sie die Klimaziele nicht einhält. Die Klage wurde abgelehnt. Verfassungsbeschwerde eingereicht Sophie und andere junge Umweltaktivisten reichten im April 2021 eine Verfassungsbeschwerde ein. Dieses Mal erfolgreich. Die Karlsruher Richter entschieden: Im Klimaschutzgesetz fehlten ausreichende Vorgaben, wie genau die Treibhausgasemissionen ab dem Jahr 2031 gemindert werden sollen. 37 Grad begleitet die Studentin bei ihren Arbeiten auf dem Hof des Vaters. "Man spürt den Klimawandel zu jeder Jahreszeit", sagt Ernst August, der als Biobauer und Deichgraf auf Pellworm die Veränderungen in der Natur täglich vor Augen hat. "Der Meeresspiegel steigt an, und gleichzeitig steigt der Niedrigwasserspiegel." Große Sorgen bereitet ihm deshalb das Entwässerungssystem der Insel. Wenn der Meeresspiegel ansteigt, verkürzen sich die Niederwasserzeiten. Dann staut sich das Wasser, das Sammelbecken läuft über, und die Straßen und Felder werden überschwemmt. Hier muss dringend eine Lösung her. Land unter Der Krabbenfischer, Kapitän und Fischereiwirtschaftsmeister Holger und seine Frau Nele leben mit ihren beiden Kindern auf der Hallig Süderoog. Zu ihren Aufgaben gehören der Küstenschutz, die Gebäudeinstandhaltung und der Naturschutz. Ihr Haus steht zum Schutz vor den Fluten auf einer Warft. Wenn eine hohe Sturmflut bevorsteht, schließen sie die Fensterläden, schichten Sandsäcke vor dem Haus auf und packen Lebensmittel. 10 bis 40 Mal im Jahr heißt es für sie: "Land unter". Dann wird ihre kleine Marschinsel bei einer starken Flut überschwemmt. Und das ist so gewollt. Durch die Fluten werden Sedimente auf der kleinen Insel abgelegt, sie wächst. Die Frage ist nur, wächst sie schneller als das Wasser steigt? Um die Halligen zu retten, gibt es viele Vorschläge: Deiche, die Häuser auf hydraulische "Tische" zu stellen, Sandaufspülungen oder sie einfach mehr überschwemmen zu lassen, damit sie natürlich in die Höhe wachsen können. Aber all diese Maßnahmen reichen nicht, um dem Anstieg des Meeresspiegels entgegenzutreten. Die Autorin Anja Michaeli über ihren Film Themenfindung Die Studentin Sophie hat 2021 mit acht anderen jungen Leuten eine Verfassungsbeschwerde gegen die Klimapolitik der Regierung eingereicht. Was hat die 25-Jährige zur Klage bewegt? Die Hintergründe haben uns auf die besondere Situation ihrer Heimat, der Insel Pellworm, aufmerksam gemacht. Von außen drohen Sturmfluten, die Böden vertrocknen nach langen Dürreperioden und bei anhaltendem Starkregen kann die Insel volllaufen wie eine Badewanne. Wie leben die Menschen mit dieser Bedrohung? Recherche Die Insel Pellworm liegt im Wattenmeer vor der schleswig-holsteinischen Küste – durchschnittlich einen Meter unter dem Meeresspiegel. Rundherum die Nordsee. Ohne den Deich, der rund um die Insel herumführt, würde Pellworm zweimal täglich überflutet werden. Der Meeresspiegel steigt immer schneller. Eine schwere Sturmflut könnte zur Katastrophe führen. Wie lange halten die Deiche? Haben die folgenden Generationen eine Zukunft auf Pellworm? Aber auch extreme Wetterereignisse wie Dürre oder Starkregen treffen die Menschen, die hier leben. Auf Pellworm sind die Auswirkungen des Klimawandels besonders spürbar. Bei unserer Recherchereise sagte uns ein Pellwormer: "Die Insel ist quasi eine Blaupause für Deutschland. Wir erleben es als erste." Wir, die Filmcrew, leben nicht allzu weit von der Nordsee entfernt. Wind, Wetter und Gezeiten gehören zu unserem Leben. Ohne Deiche geht es auch im Nordwesten nicht. Überrascht hat uns aber die Höhe des Deiches auf Pellworm. Acht Meter, rund um die Insel. Das hat uns beeindruckt. Davor die tieferliegenden Häuser, dahinter die Nordsee. Wenn Sturm, Hochwasser, Voll- und Neumond aufeinandertreffen, klettern die Wellen den Deich hoch. Sturmfluten wurden laut dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) 2021/2022 dreimal mehr als im durchschnittlichen Mittel beobachtet. Ein guter Grund für die Menschen auf Pellworm, sich Sorgen über den Anstieg des Meeresspiegels zu machen. Dreharbeiten Von September bis Dezember 2022 haben wir die Studentin Sophie begleitet. Ihre Familie hat bereits zweimal gegen die Klimapolitik geklagt. Schlussendlich haben Sophie und ihre Mitstreiter die Verfassungsbeschwerde vor dem höchsten deutschen Gericht gewonnen. Ein historisches Urteil. Deichgraf Ernst August setzt sich dafür ein, dass auch die nächsten Generationen auf Pellworm eine Zukunft haben. Er wünscht sich einen Klimadeich und mehr Eigenverantwortung aller Menschen. Das Ehepaar Holger und Nele lebt mit den beiden Töchtern Fenja und Ilvy auf der Hallig Süderoog, die zur Gemeinde Pellworm gehört. Die Hallig wächst durch Sedimentablagerungen bei Überflutungen. Aber was wächst schneller? Die Hallig oder der Meeresspiegel? Wie sehr Pellwormer und Halligbewohner von den Gezeiten und vom Wetter abhängig sind, haben wir während der Dreharbeiten erlebt. Davon abgesehen, dass die Fährzeiten natürlich die Anreise bestimmen, sind es Wetter und Nordsee, die unsere Arbeiten beeinflusst haben. Wer auf Pellworm lebt, muss flexibel und vorausschauend sein. Besondere Bedingungen gelten für Dreharbeiten auf den Halligen. Ohne Ausnahmegenehmigung geht es gar nicht. Der Naturschutz steht hier an erster Stelle. Zweimal konnten wir die Pläne, nach Süderoog und Norderoog zu fahren, nicht verwirklichen. Das Boot organisiert, die Genehmigungen eingeholt, das Team angereist und dann die Absage. Die Nordsee war zu wild oder es gab zu wenig Wasser durch anhaltenden Ostwind. Aber Sicherheit geht vor und Pellworm hat uns mit zahlreichen Motiven entschädigt. Dann ging es im Dezember endlich auf die Halligen. Das Wetter passte. Die Nordsee war ruhig. Rund eineinhalb bis zwei Stunden mussten wir für jede Hin- und Rückfahrt einplanen. Die Abfahrtzeiten bestimmte der Tidenkalender. Für die Aufnahmen auf den Halligen standen uns jeweils nur rund zwei Stunden zur Verfügung. Was uns von der Recherche bis zum Abschluss der Dreharbeiten begeistert hat, sind die Freundlichkeit und die große Hilfsbereitschaft der Menschen auf Pellworm. Ohne ihre Unterstützung hätten wir den Film nicht realisieren können. Dafür danken wir! Resümee Die Auswirkungen der Klimakrise, dem menschengemachten Klimawandel, sind in Deutschland deutlich zu spüren. Ob im Ahrtal, auf Pellworm und bald überall: Extreme Wetterereignisse werden uns mehr und mehr zu schaffen machen. Städte und Gemeinde werden sich darauf vorbereiten müssen. Wälder, Gletscher, Böden, Flüsse und Meere sind in Gefahr. Drei Menschen von Pellworm haben uns gezeigt, um was es geht. Wir müssen handeln. Es ist höchste Zeit. </ul> </section> Mehr von Inselbewohnerin Sophie Das kleine Fernsehspiel - Solastalgia – Hybrider Dokumentarfilm Für ein Praktikum verschlägt es die fiktive Ökologiestudentin Edda auf die Nordseeinsel Pellworm. Hier trifft sie auf die reale Inselbewohnerin Sophie, die eines Tages den Hof ihres Vaters übernehmen möchte. Videolänge 68 min · Filme Zeit zum Umdenken 37 Grad Leben - Kein Zurück – Leben mit der Flut Untertitel "Was letztes Jahr passiert ist, ist keine Ausnahme. Das wird wieder passieren. Und das regelmäßiger", sagt Mara aus Bad Neuenahr-Ahrweiler über die Flutkatastrophe in ihrer Heimat. 22.07.2022 Videolänge 27 min · Doku UT Jetzt abspielen 37 Grad Leben - Generation Gönn dir? Untertitel Grenzenlose Freiheit, übermäßiger Konsum oder doch eher nachhaltig leben fürs Klima? 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