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Atemlos durch jede Schicht

ZDF-Mediathek ZDF
Wird am 30.01.2028 um 23:59 Uhr depubliziert

In Deutschland fehlen mehr als 50.000 Pflegekräfte, 2030 werden es über 60.000 sein. Die Lage auf den Intensivstationen deutscher Krankenhäuser ist deshalb dramatisch schlecht. Durch die Coronapandemie wurde der Mangel an Pflegepersonal besonders deutlich. Die 31-jährige Vanessa will trotzdem in ihrem Traumberuf arbeiten – jedoch die Arbeitsbedingungen verändern. Vanessa hat schon vor einiger Zeit entschieden, ihr Studium abzubrechen und Pflegefachkraft zu werden. Sie hat sich von allen negativen Schlagzeilen über die Arbeitssituation in Krankenhäusern nicht abschrecken lassen und ihre Ausbildung beendet. Nun arbeitet sie im Städtischen Klinikum Braunschweig. "Ich bin total motiviert in die Ausbildung gestartet und in meinen ersten Praxiseinsatz. Und war dann ziemlich schnell enttäuscht, dass mir gefühlt jede Person von dem Beruf abgeraten hat, dass ich auf jeden Fall jetzt die Ausbildung lassen soll, nicht in diesem Beruf anfangen soll." Hohe Belastung durch Pandemie In ihren Schichten auf einer "Intermediate Care"-Station versorgt und überwacht sie Kranke, die von der Intensivstation kommen und besondere medizinische Betreuung benötigen – zu viel, um auf eine normale Station verlegt zu werden. Vanessa hat sich die Station bewusst ausgesucht. Das prompte Reagieren-Müssen, die medizinischen Herausforderungen gefallen ihr gut, doch sie leidet wie ihre Kolleginnen und Kollegen in anderen Häusern unter der Mehrarbeit durch die zahlreichen Coronapatientinnen und -patienten. Um die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern und auf Missstände aufmerksam zu machen, hat Vanessa einen Instagram-Account gestartet, und sie engagiert sich in einem Berufsverband. "Wir wollen anerkannt werden, statt bemitleidet. Wir sind die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen und haben politisch so gut wie keine Stimme. Das müssen wir ändern!" Nachwuchs für den Pflegesektor zu generieren, ist schwierig, denn immer mehr Auszubildende hören vor dem Examen auf; inzwischen sind es fast 30 Prozent. Es geht auch anders Dass es auch anders geht, zeigen der Kinderintensivpfleger und Pflegedozent Michael Wappler und sein Team am Deutschen Herzzentrum Berlin. In der hauseigenen Ausbildung zur Pflegefachkraft liegt die Abbruchquote bei unter vier Prozent. Mit anderen hat der 49-Jährige ein Einarbeitungsmodell konzipiert, das individuell auf die neuen Kolleginnen und Kollegen eingeht. Und wer auf der Kinderintensivstation anfangen möchte, bekommt noch eine erweiterte Einarbeitung. "Wir haben hier schwer kranke Babys und Kleinkinder mit angeborenen Herzfehlern, die nicht mit uns sprechen können. Da müssen wir in jeder Minute hoch konzentriert sein und zusätzlich die permanente Angst der Eltern um das Leben ihres Kindes auffangen." Eine Acht-Stunden-Schicht durchzuarbeiten, oft ohne sich auch nur einmal richtig hinsetzen zu können, das steckt Michael nach 23 Jahren am Deutschen Herzzentrum immer noch gut weg. Er macht Sport, hält sich fit und fühlt sich nach all den Jahren immer noch positiv gefordert. Doch auch auf seiner Station fallen Pflegekräfte krankheitsbedingt aus, müssen Betten gesperrt, Operationen verschoben werden. "Bevor wir nicht viel mehr Personal haben, wird es immer so auf und ab gehen. Davon kann man sich nicht runterziehen lassen. Das darf die Motivation nicht beeinträchtigen. Und es gibt auch Tage, wo wir dann sagen, dieses Kind ist so schwer krank, wir können nicht verschieben und müssen es heute operieren. Dann nehmen wir diese Mehrbelastung in Kauf." Respekt vor der Verantwortung Seine 24-jährige Kollegin Mandy hat gerade ihre letzten Einarbeitungstage. Bald wird sie eigenverantwortlich arbeiten. "Ich habe großen Respekt vor der Verantwortung und kann nach der Schicht überhaupt nicht abschalten. Man arbeitet acht Stunden durchgehend, wie so eine Maschine, und dann kann ich dem Körper nicht sagen, okay, jetzt schalte ich ab und kann schlafen. Mir geht so vieles durch den Kopf. Habe ich an alles gedacht? Auch nichts vergessen?" Der Film begleitet die drei Pflegefachkräfte durch ihren herausfordernden Alltag und zeigt Vanessas Einsatz für bessere Arbeitsbedingungen und einen höheren Stellenwert der Pflege in der Gesellschaft. Die Autorinnen C. Haertel & M. Momirović über ihren Film Themenfindung Bei den Dreharbeiten zu „Die letzten guten Tage“, unserem Film über Palliativärzt*innen, erleben wir zum ersten Mal hautnah, was und wieviel Pflegefachkräfte im Krankenhaus leisten, hören von den Patient*innen, wie wichtig sie für sie sind. Alle Pflegekräfte, mit denen wir sprechen, betonen, dass sie im Vergleich zu anderen Kliniken gute Arbeitsbedingungen haben, aber dass der Personalmangel auch bei ihnen zum Problem geworden ist. Schnell sind unsere Redakteurin Brigitte Klos und wir uns einig, dass wir den nächsten Film über die Arbeit der Pflegefachkräfte machen werden. Recherche Die Recherche gestaltet sich schwierig. Aufgrund des coronabedingten Besuchsstopps in den Krankenhäusern können wir nicht einschätzen, ob uns die Drehgenehmigungen tatsächlich wegen Corona verweigert werden oder weil das eine oder andere Krankenhaus die schlechten Arbeitsbedingungen und die Überlastung seiner Pflegefachkräfte nicht im Fernsehen zeigen will. Umso mehr danken wir dem Deutschen Herzzentrum Berlin und dem Städtischen Klinikum Braunschweig dafür, dass wir - ganze Schichten lang - drehen durften. Und den Pflegefachkräften Vanessa, Mandy und Michael für ihre Offenheit und ihr Vertrauen. In den Vorgesprächen betonen alle drei, dass es ihnen wichtig ist, auch die schönen Seiten ihres Berufes zu zeigen, den sie trotz der schweren Arbeitsbedingungen gerne machen. „Wir wollen Anerkennung, kein Mitleid“, bringt es Vanessa auf den Punkt. Dreharbeiten Nach den Vorgesprächen haben wir eine Ahnung, wieviel die Pflegefachkräfte arbeiten, aber was sie wirklich leisten, was die Arbeit wirklich bedeutet, verstehe ich erst während des ersten Drehtages mit Michael. Wir begleiten Michael durch seine Frühschicht auf der Kinderintensivstation. Er versorgt schwerkranke Babys und Kinder und muss dabei alles im Blick haben: Beatmung, Medikamente, Herzfrequenz, Blutdruck, Temperatur und Sauerstoffsättigung. Auch im größten Stress nimmt er sich die Zeit, liebevoll mit den kleinen Patientinnen und Patienten zu sprechen und die Eltern zu informieren, zu beruhigen und zu trösten. Bei der ersten Visite können wir nicht unterscheiden, wer Ärzt*innen, wer Pfleger*innen sind, da alle die gleiche Kleidung tragen. Wir sind beeindruckt, als der Oberarzt Michael nach seiner Meinung fragt. Die Einschätzung des Pflegers, die fünf Monate alte Amara in der nächsten Woche von ihrem Herzkatheter nicht zu extubieren, überzeugt den Mediziner. Die Zeit fliegt. Nach den ersten vier Stunden wird uns klar, dass Michael noch keine Pause machen konnte, nur einmal kurz einen Kaffee im Stehen getrunken hat. Dennoch nimmt er sich viel Zeit für die 24jährige Intensivpflegerin Mandy, die einen ihrer letzten Einarbeitungstage auf der Station hat. Mandy ist sich der großen Verantwortung bewusst und geht offen damit um, dass sie in einigen Momenten noch unsicher ist. Auch nachts kann sie nicht entspannen und schläft schlecht, weil sie die Schicksale der Kinder so mitnehmen und sie immer Angst hat, etwas vergessen zu haben. Es ist schön und berührend zu sehen, wie sie in den sechs Monaten, in denen wir mit ihr drehen, immer sicherer und ruhiger wird und mit den Kindern und Eltern mitfühlt, tröstet und so jung schon die richtigen Worte findet. Im Klinikum Braunschweig begleiten wir Vanessa auf der Intermediate Care Station für Erwachsene - eine Abteilung zwischen Intensiv und Normalstation. Vanessa hat eine unglaubliche Power. Sie kümmert sich zusammen mit ihrem Mann um ihre Tochter Hanni, studiert Pflegewissenschaften und engagiert sich neben der Arbeit in einem Berufsverband und auf Instagram. Zusammen mit ihrer Freundin und Kollegin Josie klärt sie auf, spricht auch schwierige Themen wie Diskriminierung und sexuelle Belästigung an und beschäftigt sich viel mit der Ambivalenz zwischen einem so relevanten und wertvollen Beruf und den oft schlechten bis unerträglichen Arbeitsbedingungen. Vanessa ist fest entschlossen, für eine bessere Pflege einzutreten. Ein Thema, das uns alle angeht Und uns wird immer klarer, dass wir als mögliche Patientinnen und Patienten uns auch engagieren müssen, denn am Ende wird unsere Versorgung, unser Überleben davon abhängen, wieviel Zeit eine Pflegefachkraft für unsere Pflege hat. </ul> </section> Das alles leisten PflegerInnen 37 Grad - Helfen im Krisengebiet&nbsp; Untertitel Deutsche Gebärdensprache Audiodeskription Es ist ein Sprung ins kalte Wasser: Ärzte und Pflegekräfte, die aus der friedlichen Heimat in ein Krisengebiet reisen, um dort zu helfen, wo es am nötigsten ist. 08.11.2022 Videolänge 29 min · Doku UT DGS AD Jetzt abspielen 37 Grad - Palliativmedizin: Die letzten guten Tage&nbsp; Untertitel Deutsche Gebärdensprache Audiodeskription Sie sind immer erreichbar, lindern Schmerzen, Angst, Atemnot: Die Palliativärzt*innen stehen ihren sterbenskranken Patient*innen zur Seite - bis zum Schluss. 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Bildquelle: ZDF Presseportal
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Herkunft: ZDF-Mediathek
Sender: ZDF
Depublizierung: 30.01.2028 23:59 Uhr
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