Nach einem Unfall liegt Noah B. tagelang im Koma. Als er erwacht, muss der damals 20-Jährige erfahren, dass er sich nie wieder wird bewegen können. Er ist vom Hals abwärts gelähmt. Der Versuch, zu leben "Wenn man mir die Frage gestellt hätte, ob ich den Unfall gerne überlebt hätte oder lieber nicht - ich hätte immer gesagt: Lieber nicht überlebt", sagt Noah noch im Krankenhaus zu seiner Mutter, die ihn bittet, es doch wenigstens zu versuchen, so zu leben. Und Noah versucht es – drei lange Jahre. Er beginnt ein Studium, trifft Freunde, lebt inmitten von Menschen, die ihn lieben und die er liebt. Und dennoch: Es bleibt das Gefühl, dass ihm dieses Leben nicht reicht. Gefangen im eigenen Körper, bewegungslos sein, das sei nicht er, sagt der ehemalige Profisportler. Deshalb wächst in ihm schon sehr früh der Wunsch nach Sterbehilfe. Sterbehilfe: Für die Angehörigen kaum zu ertragen Der 23-Jährige meldet sich - nach zweieinhalb Jahren im Rollstuhl - bei einem Sterbehilfeverein an. Eine Entscheidung, die für seine Angehörigen kaum zu ertragen ist. Er weicht den Fragen nach dem Für und Wider der Sterbehilfe nicht aus, auch der Diskussion mit seinen geliebten Angehörigen nicht. "Noah weiß, dass es für uns unerträglich ist. Aber das ist etwas, was er mir von Anfang an gesagt hat, dass es jetzt mal um ihn geht und dass er jetzt nicht mehr auf uns Rücksicht nehmen kann. Denn er hat erkannt, dass er den Weg, den er bis hierher gegangen ist, für andere gegangen ist, also für uns", sagt seine Mutter. Sie vertraue ihrem Sohn und würde sich nicht anmaßen wollen, zu beurteilen, wie es sei, in Noahs Haut zu stecken. Das Ende selbst bestimmen zu dürfen, gibt Noah ein Gefühl von Kontrolle und Freiheit zurück, sagt er, und die Hoffnung, ein aller letztes Mal auf Hilfe angewiesen zu sein. Der geplante letzte Tag Am 5. Februar 2022 fließt der tödliche Medikamenten-Cocktail durch seine Adern. Er hat seinen Tod in ein Zeitfenster gelegt, in dem der professionell assistierte Suizid erlaubt ist. Denn am 26. Februar 2020 hat das Bundesverfassungsgericht in einem bahnbrechenden Urteil den umstrittenen Strafrecht-Paragrafen 217 für null und nichtig erklärt. Hier gibt es Hilfe: 37 Grad - Verlust und Trauer bereiten dir Sorgen? 1 (1/6) Anzahl Bilder 6 Bilder · Doku Quelle: ZDF 37 Grad - Telefonseelsorge im Akutfall (2/6) Anzahl Bilder 6 Bilder · Doku Quelle: ZDF 37 Grad - Nummer gegen Kummer (3/6) Anzahl Bilder 6 Bilder · Doku Quelle: ZDF 37 Grad - Trauercafés und Trauergruppen (4/6) In vielen größeren Städten gibt es solche Orte. Anzahl Bilder 6 Bilder · Doku Quelle: ZDF 37 Grad - Trauerbegleiter*innen (5/6) Anzahl Bilder 6 Bilder · Doku Quelle: ZDF 37 Grad - Nakos (6/6) Die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbshilfegruppen (Nakos) hilft bei der Suche von Anlaufstellen vor Ort. Anzahl Bilder 6 Bilder · Doku Quelle: ZDF Die rechtliche Seite der Beihilfe zum Suizid Was in Deutschland rechtlich möglich ist Bildquelle: ZDF Der letzte Schritt Bildquelle: ZDF Was Ärzte tun können Bildquelle: ZDF Was Angehörige entscheiden dürfen Bildquelle: ZDF </ul> </section> Volle Kanne - Das Ende selbst bestimmen Autorin Tina Soliman im Gespräch über Sterbehilfe Videolänge 6 min · Gesellschaft „Endlich unendlich in Herzen und Erinnerung“ Die Autorin Tina Soliman über ihren Film Er hat es versucht. Drei Jahre lang. Doch er sah sich so nicht. Das war er nicht. Punkt. Mein Kameramann Torsten Lapp und ich lernen Noah Berge erst wenige Wochen vor seinem Tod kennen. Er hat ihn genau geplant, sogar für seine Lieben einen Song komponiert und eingesungen, seine Rede für die Trauerfeier aufgenommen, sein Sterbedatum festgelegt. Noah Berge ist erst 23 Jahre alt und wird den assistierten Suizid in Anspruch nehmen. Der Todestag soll der 5. Februar 2022 sein. Fünf war seine Glückszahl, die Zahl auf seinem Trikot. Noah Berge war Profibasketballer. Doch ein Tag im Oktober 2018 beendete dieses Leben. Ein Verkehrsunfall. Seitdem kann er sich vom Hals abwärts nicht mehr bewegen. Was schon im ersten Gespräch auffällt: Noah Berge ist ein kluger junger Mann, der ganz genau weiß, was er will. Er hadert nicht. Dass das Bundesverfassungsgericht im Februar 2020 den Sterbehilfeparagraphen für null und nichtig erklärt hat, findet er richtig. Zurzeit ist die Sterbehilfe ungeregelt. Drei Gesetzesvorschläge werden im Bundestag diskutiert. Noah findet: Das Leben gehört dem, der er es lebt. Und zum Leben gehört auch der Tod. Noah jammert nicht, auch gibt er niemanden die Schuld. Er hat eine Familie, die ihn und die er über alles liebt, außerdem Freundinnen, seine Kumpels und Kameraden in der Mannschaft. Er fühlt sich getragen und geborgen. Niemand macht ihm einen Vorwurf. Seine Familie Seine Mutter Claudia trauert schon, bevor Noah gehen wird, um den unfassbaren Verlust, und doch versteht sie ihren Sohn. Beide stehen sich sehr nahe. Niemand kenne ihn so gut wie seine Mutter, sagt Noah. Er weiß, dass sie leidet, aber er weiß auch, dass es ihr wichtiger ist, dass er nicht leidet. Und er leidet bisher. Es quält ihn, dass er niemanden berühren kann, nicht spürt, wenn ihn jemand streichelt. Er will tanzen, spielen, frei sein. Bewegung war sein Leben. Der Unfall hat ihm das genommen. Seiner Mutter und seinem kleinen Bruder zu liebe hat er versucht, ohne diese für ihn doch so lebensnotwendigen Möglichkeiten zu leben. Aber es macht ihn unglücklich. Seine Mutter spürt das. Und deshalb lässt sie ihn gehen. Übermenschlich erscheint uns das und von einer beeindruckenden seelischen Größe. Selbst sein kleiner Bruder Janne, der Noah, sein großes Vorbild, so gerne ein Leben lang an seiner Seite behalten hätte, weiß zu schätzen, dass Noah sich nicht brutal und heimlich umbringen will, etwa in den See oder auf die Bahnschienen fahren, sondern ihm und den anderen erklärt hat, warum er gehen muss, warum er den assistierten Suizid in Anspruch nehmen will. Auch uns hat Noah das erklärt: klug, klar und konsequent. Tief beeindruckt Wir sind beeindruckt, dürfen sogar an seinem letzten Abend mit ihm drehen, und doch sind wir, die so viele Filme über Krankheit und Tod gemacht haben, besonders berührt von diesem jungen Mann, der so gradlinig seinen Weg geht und uns daran teilhaben lässt. Auch seine Mutter, Claudia Berge, weicht den Fragen nicht aus, stellt sich, auch wenn es unfassbar traurig ist, kaum der Worte bedarf, wenn der Sohn nicht mehr da sein wird. Doch: Der Tod gehört zum Leben. Angst davor habe er nicht, sagt er, sondern einfach nur Respekt. Und er wünsche sich auch Respekt vor der Entscheidung eines erwachsenen Menschen für den assistierten Suizid. Die Selbstbestimmung am Lebensende ist ihm wichtig. Er hat sich entschieden und zuvor lange darüber nachgedacht, jedes Argument ernsthaft abgewogen. Kein Suizid im Affekt! Er lässt uns daran teilhaben, versteckt sich nicht. Seit bald drei Jahrzehnten begleiten mein Kameramann Torsten Lapp und ich immer wieder Kranke und Sterbende, oft über viele Jahre, und zeigen, wie sie sich nach einem erschütternden Ereignis neu sortieren und erfinden müssen. Noah hat genau das drei Jahre lang versucht. Einige hätten sich gewünscht, dass er es noch länger versucht, auch wir. Doch es ist seine Entscheidung. Wir stecken nicht in seiner Haut. Wir verstehen ihn. Niemanden in unseren 37-Grad-Filmen haben wir vergessen - und doch: In unseren Gedanken - und im Gedenken - ist uns Noah besonders nahegekommen, obwohl wir noch nie so wenig Zeit für einen Protagonisten hatten. Noah hat Spuren hinterlassen. Und wird nicht vergessen. Das war ihm wichtig. In seinem Song für seine Lieben rappt Noah: Endlich unendlich in Herzen und Erinnerung“. </ul> </section> Der Tod gehört zum Leben 37 Grad - Sterbehilfe: Ich sterbe wie ich will 37 Grad trifft Menschen, die nicht mehr lange zu leben haben. Wie sie sterben möchten, darüber hat jeder seine eigene Vorstellung. Selbstbestimmt und in Würde, das ist für alle wichtig. 24.01.2017 Doku Jetzt ansehen 37 Grad - Suizid: Was bin ich ohne dich? Untertitel Audiodeskription Alle 53 Minuten nimmt sich in Deutschland jemand das Leben. Von jedem Suizid sind durchschnittlich sechs Angehörige betroffen, die fassungslos zurückbleiben. Wie sollen sie weiterleben? 12.06.2018 Videolänge 28 min · Doku UT AD Jetzt abspielen 37 Grad - Hospiz: Der Geschmack von Leben Untertitel Audiodeskription Jeder zweite Deutsche stirbt im Krankenhaus, jeder dritte im Pflegeheim. In Hospizen gibt es oft lange Wartelisten, und palliativmedizinische Betreuung ist nicht flächendeckend. 05.07.2021 Videolänge 28 min · Doku UT AD Jetzt abspielen 37 Grad - Unheilbar krank: Antonias letzter Wunsch Antonia ist unheilbar krank. “Ich bin soweit, dass ich entspannt sterben kann”, sagt sie selbst. Doch sie möchte nicht gehen, ohne auf der Welt etwas bewirkt zu haben. 21.12.2021 Videolänge 16 min · Doku Jetzt abspielen 37 Grad Leben - Warum glaubst du? Der Tod Untertitel Am Ende ist dann alles einfach vorbei? Das kann es doch nicht gewesen sein. Saadet fragt, warum junge Leute an ein Leben nach dem Tod glauben, an den Himmel oder die Wiedergeburt. 16.12.2022 Videolänge 27 min · Doku UT Jetzt abspielen 37 Grad - Diagnose Krebs: Keine Zeit für Tränen Untertitel Audiodeskription Die Diagnose Krebs beim eigenen Kind stellt das Leben auf den Kopf. Die Behandlung dauert oft jahrelang, der Ausgang ist trotz immer besserer Behandlungsmethoden oft ungewiss. 13.08.2019 Videolänge 28 min · Doku UT AD Jetzt abspielen Weitere laden </article> Auch interessant Weitere laden </main> Footer mit Inhaltsangabe nach oben Mehr ZDF ZDFapps Smart TV ZDFtext Livestreams Sendungen A-Z TV-Programm ZDF woanders ZDF YouTube ZDF Facebook ZDF Twitter ZDF Instagram Service Tickets Zuschauerservice Kontakt zum ZDF Sitemap Hilfe Das ZDF ZDF Unternehmen Karriere Presseportal Werbefernsehen Mainzelmännchen Partner Nutzungsbedingungen Datenschutz Datenschutzeinstellungen Impressum Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert. </BR>Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF. Mein ZDF - Login Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder Weiter als ... 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