Zwei Frauen brechen auf in eine von Kriegen gebeutelte Region im Sudan. In einem Krankenhaus ohne fließend Wasser versorgen sie die lokale Bevölkerung – von der Blinddarm-OP über Schusswunden bis zur Steißgeburt. Einsatz im Sudan Anke (30) hat Medizin studiert und die letzten vier Jahre als Ärztin im Kinderklinikum Kaiserslautern gearbeitet, davon zwei Jahre auf der Kinderintensivstation. Sie empfindet den Lebensstil in Deutschland als privilegiert und will helfen, wo ihre Fähigkeiten am nötigsten gebraucht werden. Ein paar Rucksackreisen hat sie gemacht, aber in Afrika ist sie nie gewesen. Dazu kommt: Die politische Lage im Sudan spitzt sich zu. Doch die Sorgen darüber verdrängt sie lieber. Mirja (50) arbeitet als Krankenschwester auf der Intensivstation im Klinikum Herford. Im Ausland zu arbeiten ist ein alter Traum, den sie sich jetzt erfüllen möchte - trotz der Bedenken ihres Partners und ihrer Tochter, die zu Hause bleiben. Im Krankenhaus im Sudan wird von ihr weit mehr erwartet als die Pflege der Patienten: Sie soll auch Diagnosen stellen und Medikamente verschreiben – was in Deutschland nur Ärzte tun dürfen. Sie assistiert einheimischen Operateuren, die keine medizinische Ausbildung besitzen – und das alles ohne fließend Wasser und mit begrenztem Strom. Mirja kommt an ihre Grenzen. Perspektivwechsel Zwei Frauen verschiedenen Alters in unterschiedlichen Lebenssituationen, aber mit einer Gemeinsamkeit: Sie wollen helfen, wo die Not am größten ist. Im Krankenhaus der deutschen Hilfsorganisation Cap Anamur in den abgelegenen Nuba-Bergen im Sudan helfen sie täglich Menschen, die ohne medizinische Versorgung sterben würden. Die Gegend ist seit 2011 immer wieder Schauplatz bewaffneter Auseinandersetzungen und Bombardements gewesen. Der Film begleitet die Protagonistinnen vor ihrem Aufbruch in Deutschland, auf der langen Reise in den Sudan und zurück in die Heimat. Strapazen, Entbehrung und andauernde Gefahr - aber auch viele Menschenleben, die gerettet werden. 37 Grad zeigt, wie sich durch diese Erfahrung der Blick der beiden Frauen auf Deutschland und die Welt verändert. Der Autor Daniel Andreas Sager über seinen Film Persönlicher Ansatz Als Dokumentarfilmer, der viel im Ausland arbeitet, bin ich oft in Länder des globalen Südens oder in Krisenregionen. Für mich ist die Heimkehr in das reiche Industrieland Deutschland immer wieder der Moment, in dem ich merke, dass sich mein Blick auf unsere Art zu leben, den Wohlstand und die Privilegien, verschoben hat. Der Ansatz für diesen Film, über medizinische Helfer in Krisengebieten, war also ein persönlicher: ich wollte herausfinden, wie andere Menschen in ähnlichen Situationen damit umgehen. Wie erleben sie sich selbst in der unbekannten Umgebung? Wie verändert eine solche Erfahrung ihren Blick auf das eigene Leben und den hiesigen Wohlstand? Protagonisten finden Für den Film musste ich eine NGO finden, die es mir ermöglicht, zwei ihrer Mitarbeiter*innen, die in eine Krisenregion entsandt werden, filmisch zu begleiten. Bei der Recherche zum Film habe ich gelernt, dass viele deutsche NGOs versuchen, nicht mehr mit Deutschen im Ausland zu arbeiten, sondern mit lokalem Personal. Dadurch wird vor Ort eine eigenständige, nachhaltige Infrastruktur aufgebaut. Von den NGOs, die noch Hilfskräfte ins Ausland entsenden, kamen nur wenige in Frage, weil deren kurzfristige Logistik oft nicht mit der eher langsamen Vorproduktion eines Films vereinbar ist. Die NGO Cap Anamur plant das Personal für Projekte aber langfristig und hat mir das Vertrauen entgegengebracht, zwei ihrer Mitarbeiter*innen begleiten zu dürfen. Der Drehort In den Nuba-Bergen im Sudan leben die Menschen ohne fließend Wasser und Strom, es gibt auch keine Kanalisation oder befestigte Straßen. Dieser Region wurde durch vergangene Kriege die Möglichkeit genommen, sich eine Infrastruktur aufzubauen. Die Nuba-Berge sind sehr abgeschieden und nur schwer zu erreichen. Mich hat sehr beeindruckt, wie das trotz dieser Umstände möglich ist und wie die lokale Bevölkerung mit dem Personal aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammenarbeitet. Für alle, die in diesem Projekt arbeiten, ist es ein täglicher Kampf, mit dem Mangel an Möglichkeiten medizinisch zu helfen. Trotz allem ist dieses Krankenhaus für die Menschen in der Region ein wichtiger Anker. Vor allem für Frauen, die dort mit der Begleitung von Hebammen Kinder gebären können. Logistische Herausforderungen Als Filmcrew hatten wir am meisten mit logistischen Herausforderungen zu kämpfen. Die Reise in die Nuba-Berge, die zum Sudan gehören, führt über das Nachbarland Südsudan. Die örtlichen Behörden lassen Filmteams mit Equipment aus politischen Gründen nur selten ins Land, die Pressefreiheit ist dort stark eingeschränkt. Mit Hilfe der katholischen Kirche, die relativ viel Einfluss im Land hat, ist uns ist die Einreise gelungen. An die Grenze zum Sudan kommt man nur mit Flugzeugen für UN-Personal. Dort einen Platz zu bekommen, klappt nicht immer, und es sind nur 25 kg Gepäck pro Person erlaubt. Das Filmequipment hat schon fast soviel gewogen, daher konnten wir nur das Allernötigste mitnehmen. Um Kosten zu sparen, haben wir das Team auf zwei Personen verkleinert, sodass wir ohne Tontechniker gedreht haben. Der Ton wurde über die Kamera gepegelt. Was bleibt Mir hat die Reise mal wieder gezeigt, wie wichtig es ist, über den Tellerrand der eigenen Landesgrenzen zu schauen und dass es dort Menschen gibt, die sich engagieren und ihre besonderen Fähigkeiten einbringen. Natürlich lässt sich über die Nachhaltigkeit von bestimmten Projekten diskutieren oder die vermeintlichen Abhängigkeiten, die geschaffen werden. Aber neben der medizinischen Versorgung, bringen solche Projekte auch Wissen und Bildung an Orte, wo Menschen damit ganz konkret geholfen werden kann. </ul> </section> Auch interessant 37 Grad - Wir wollten nur raus Untertitel Deutsche Gebärdensprache Audiodeskription Das Zuchthaus Cottbus war eines der größten politischen Gefängnisse der DDR. Heute ist dort ein Menschenrechtszentrum. Die früheren Insassen haben das Gefängnis gekauft. 29.11.2022 Videolänge 28 min · Doku UT DGS AD Jetzt abspielen 37 Grad - Sepsis: Nina kämpft sich zurück ins Leben Untertitel Deutsche Gebärdensprache Audiodeskription Nina ist 33, als sich nach einem Krankenhausaufenthalt ihr Leben für immer verändert. Die zweifache Mutter erleidet eine lebensbedrohliche Sepsis mit bleibenden Schäden. 31.01.2022 Videolänge 28 min · Doku UT DGS AD Jetzt abspielen 37 Grad - Bunte Polizei Untertitel Deutsche Gebärdensprache Audiodeskription Die Gesellschaft ist vielfältig geworden. 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