Arbeiten gegen den Biorhythmus Sie arbeiten dort, wo Arbeitskräfte dringend benötigt werden, im Bereich der Medizin, der Schwerindustrie oder der Lebensmittelbranche. Menschen, die regelmäßig gegen ihren Biorhythmus arbeiten, weniger Zeit für ihre Familien und Freunde haben. Außerdem sind sie einem erhöhten Gesundheitsrisiko ausgesetzt: Schlafmangel, Bluthochdruck, Depressionen gehören dazu. Wissenschaftler vermuten immer wieder einen Zusammenhang zwischen Schichtarbeit und Krebserkrankungen. Auf dem Fischgroßmarkt Im Hamburger Hafen auf dem Fischgroßmarkt begleitet 37 Grad Julian und sein achtköpfiges Team durch die Nacht. Julian ist seit zwei Jahren Geschäftsführer eines Familienunternehmens. Dort werden Nacht für Nacht mehrere Tonnen Fisch aus Skandinavien geordert, filetiert und an die Kunden im Großraum Hamburg verkauft. Sechs Tage die Woche arbeitet Julian jede Nacht zwölf Stunden. Kein Problem für den 24-Jährigen, fünf Stunden Schlaf würden ihm reichen. Viel Zeit bleibt da nicht für private Kontakte. Daher ist Julian froh, dass er seine Freundin Lisa schon mit 15 kennengelernt hat, als die Nächte noch echte Nächte waren. Übernommen hat Julian den Betrieb von seiner Mutter Heidi. Sie lenkte 35 Jahre lang die Geschicke. Doch irgendwann wurden die Nachtschichten für sie körperlich so belastend, dass sie die Reißleine ziehen musste. Wechselschicht im Stahlwerk Carolin setzt bei ihren Nachtschichten im Stahlwerk in Eisenhüttenstadt auf die perfekte Organisation. Sie ist Mutter von zwei Söhnen und teilt sich mit ihrem Mann Normen das Familienmanagement. Während Carolin in Wechselschichten arbeitet, also Früh-, Spät- und Nachtschicht, ging Normen vor ein paar Jahren in den regulären Tagdienst. Die ständigen Nachtschichten hatten ihn mürbegemacht. Die 33-jährige Carolin arbeitet weiter im Kaltwalzwerk als Schichtmeisterin und ist verantwortlich für rund 28 Kolleginnen und Kollegen. Berufs -und Privatleben lassen sich nur vereinbaren, wenn ein strikter Zeitplan eingehalten wird: gemeinsames Abendessen mit der Familie, Gutenachtgeschichte, 21.30 Uhr Schichtbeginn. Gegen 3.00 Uhr ist laut Carolin die "Stunde der toten Augen". Da heißt es, durchhalten. Um 5.30 Uhr ist endlich Ablöse und ihr Schichtende, dann holt sie Brötchen bei der Tanke. Jungs wecken, Abschiedskuss von ihrem Mann und ab ins Bett. Hellwach beim Rettungseinsatz Der 40-jährige Martin ist als Notfallsanitäter am Luftrettungsstützpunkt Senftenberg im Einsatz. Auch zu seinem Dienstplan gehören regelmäßig Nachtschichten. Wenn der Hubschrauber abhebt, geht es oft um Leben und Tod: Verkehrsunfälle, Herzinfarkte, Notverlegungen. Da schießt das Adrenalin in die Adern, und das vierköpfige Rettungsteam ist hellwach. Martin assistiert dem Rettungsarzt in der fliegenden Intensivstation und unterstützt die Piloten, die nachts zu zweit unterwegs sind und mit speziellen Nachtsichtgeräten fliegen. Nach dem Einsatz beginnt der Kampf gegen die Müdigkeit. Mit eindrücklichen Aufnahmen aus den jeweiligen Lebenswelten begibt sich der Film auf die Spuren der Nachtarbeiterinnen und Nachtarbeiter und will wissen, wie sie die besonderen Herausforderungen bewältigen, ihren Alltag organisieren und ihre Sozialkontakte aufrechterhalten. Autor Volker Schmidt-Sondermann über die Dreharbeiten Arbeiten nachts: Wie hält man das durch? Wohl jeder weiß, wie sich eine Partynacht am nächsten Morgen anfühlt. Wer kennt sie nicht, die Folgen einer nächtlichen Autofahrt? Völlig gerädert schleppt man sich durch den kommenden Tag. Doch wie schaffen es Menschen, in der Nacht nicht nur wach zu bleiben, sondern auch noch hoch konzentriert zu arbeiten? Wie stemmen sie sich gegen den natürlichen Wunsch zu schlafen? Wie bleiben sie gesund? Wie organisiere sie ihren Alltag und ihr soziales Netzwerk? Wir mussten uns als Fernsehteam erstmal überlegen, wie wir selber fit und konzentriert durch die Nacht kommen. Ein Plan musste her Am Tag vor der Nachtschicht sind wir möglichst früh aufgestanden. Gegen Mittag folgte dann ein langer Spaziergang, um wieder müde zu werden. Danach ein langer Mittagsschlaf, am besten drei Stunden und mehr. Das klappte natürlich nicht immer. Doch mit dieser Art Vorbereitung hielten wir unsere Dreharbeiten gut durch - bis zwei Uhr nachts, bis zur „Stunde der toten Augen“. Dann aber half nur noch Weiterarbeiten, beschäftigt bleiben, nur nicht rumsitzen, Motivationsgespräche führen, egal mit wem. Und möglichst nichts essen, denn Essen macht müde. Und tatsächlich sind wir mit dieser disziplinierten Methode ganz gut durch die Nächte gekommen: auf dem Fischmarkt in Hamburg, im Stahlwerk Eisenhüttenstadt und auf der Luftrettungsstation in Senftenberg. „Ganz, ganz prima gemacht!“, würden uns die Schlafforscher wahrscheinlich bescheinigen. So hält man das durch: Nachtschicht. Wenn der neue Tag anbricht Doch das Leben besteht ja nicht nur aus Nachtschicht. Der Alltag muss auch noch bewältigt werden. Unsere drei Protagonist*innen - Fischhändler Julian, Stahlarbeiterin Carolin und Notfallsanitäter Martin - haben Familien mit kleinen Kindern, die ihre Aufmerksamkeit fordern. Einkaufen, Wäsche waschen, Essen kochen. Sie wollen sich mit ihren Freunden treffen, ihren Hobbys nachgehen, Häuser bauen und bei all dem natürlich gesund bleiben. Und so nach und nach wurde mir immer klarer, dass Nachtschicht sehr viel mehr bedeutet, als nur eine gute Schlafplanung. Nachtschicht erfordert die perfekte Organisation, viel Verständnis und Nachsicht in den Familien und einen ehrlichen Blick auf die Bedürfnisse des eigenen Körpers. </ul> </section> Andere Arbeitswelten 37 Grad - Altes Handwerk, junge Meister Untertitel Deutsche Gebärdensprache Audiodeskription Dem Handwerk fehlt Nachwuchs. Ist es deshalb out? 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