Sven und Doreen aus Sachsen wünschen sich seit zehn Jahren ein Kind, ihre letzte Hoffnung ist eine ukrainische Leihmutter. Doch als die hochschwanger auf die Geburt wartet, beginnt der Krieg. "37°" begleitet das Paar in die Ukraine zu Kind und Leihmutter. Ungewollt kinderlos Jedes zehnte deutsche Paar zwischen 25 und 59 Jahren ist laut Bundesfamilienministerium ungewollt kinderlos. Für sie bleibt nach deutschem Recht nur eine Adoption oder ein Pflegekind. Aber Sven (38) und Doreen (36) aus dem Erzgebirge wollen das nicht akzeptieren. Trotz sechs künstlicher Befruchtungen in Deutschland konnte Doreen selbst nicht schwanger werden. Die Ukraine sei "ihre letzte Hoffnung auf ein eigenes Kind" gewesen, sagen die beiden. Dort ist Leihmutterschaft im Gegensatz zu Deutschland erlaubt. Rund 45.000 Euro kostet eine Leihmutterschaft in der Ukraine. In den USA kann eine Fruchtbarkeitsklinik sogar bis zu 150.000 Euro fordern. In einer Kiewer Klinik wurden Svens Samen und Doreens Eizelle erfolgreich vereinigt und in den Uterus von Leihmüttern eingesetzt. Doch drei Kinder sterben noch vor der Geburt, eines kurz danach. "Viele haben gefragt, warum gebt ihr nicht auf? Aber wir konnten nicht. Wir haben uns so sehr ein Kind gewünscht!" erzählt Doreen. Endlich schwanger - dann Krieg Im Herbst wird die ukrainische Leihmutter Anna schwanger. Diesmal scheint alles gut zu werden. Das Wunschkind, ein Mädchen, wird geboren und ist gesund. Doch im Februar beginnt der Krieg. "37°" begleitet Sven und Doreen auf ihrer Reise zu Tochter Lena in die Zentralukraine. Der Film beobachtet Ängste, Erwartungen und Vorfreude der Wunscheltern, hinterfragt aber auch das "Geschäftsmodell Leihmutterschaft". Die Reise ist nicht ungefährlich. Doch das deutsche Paar will sein Kind so schnell wie möglich nach Deutschland holen. Während eines Bombenalarms treffen Doreen und Sven ihre Tochter das erste Mal in der Geburtsklinik. "In dem Moment haben wir gewusst, es hat sich alles gelohnt! Wir können der Leihmutter gar nicht sagen, wie dankbar wir ihr sind." Traumatische Erfahrungen Leihmutter Anna erzählt, dass die lange Trennung von ihren eigenen Kindern das Schwerste an der Schwangerschaft gewesen sei. Auch andere Leihmütter berichten in der "37°"-Reportage von ihren Erfahrungen. Für Viktoria war die Geburt während der russischen Raketenangriffe in Kiew traumatisch, vor allem, weil sie mit dem Kind deutscher Wunscheltern noch sieben Tage zusammen sein musste. Vier Wochen habe sie geweint, nachdem die deutschen Wunscheltern den Jungen abgeholt hatten. Leihmutter Olena trägt dagegen schon zum zweiten Mal ein Kind für deutsche Wunscheltern aus. "Mir macht es einfach Freude, Paaren, die kinderlos sind, ein Baby zu schenken. Und ich kann damit meiner eigenen Familie helfen und uns etwas aufbauen." Der Durchschnittsverdienst der Ukrainer liegt bei 350 Euro im Monat. Eine Leihmutter verdient 15.000 Euro. Deshalb will Olena auch ein drittes Mal Leihmutter werden. Selbst wenn dann immer noch Krieg herrschen würde. Viele offene Fragen Doreen und Sven bleiben mit Lena schließlich über vier Wochen in der Ukraine. Damit Lena als ihre Tochter anerkannt wird, müssen sie genetische Tests und andere Unterlagen zusammentragen. In Kiew warten sie wochenlang auf einen Termin bei der deutschen Botschaft, um einen Pass für ihr Baby zu erhalten, obwohl 18 Kilometer entfernt Bomben einschlagen. In der "37°"-Reportage wird klar: Noch immer sind durch den ungeklärten rechtlichen Status der Leihmutterschaft in Deutschland viele Fragen offen. Das bringt Probleme für die deutschen Wunscheltern, die ukrainischen Leihmütter, aber vor allem auch für die Wunschkinder, die im Krieg geboren werden. 37 Grad-Autorin Bettina Wobst über den Film Leihmütter und der Krieg Das Thema „Leihmutterschaft“ war mir nicht neu. Schon vor zwei Jahren habe ich eine lange Doku zu diesem Thema in der Ukraine gedreht. Aber diesmal war alles anders. In dem Land, das ich vor zwei Jahren besuchen durfte, herrscht jetzt Krieg. Millionen Menschen sind geflohen, die, die geblieben sind, leben mit Sirenenalarm, der Angst vor Bomben, Vergewaltigung und Tod. Der Ansatz der 37 Grad Reportage war dadurch ein ganz anderer. Was bedeutet der russische Überfall für die deutschen Wunscheltern, aber vor allem auch für die Leihmütter? Wie gehen diese nun mit der Schwangerschaft um? Die Reise in den Krieg Als ich den Kontakt zu Doreen und Sven bekam und von ihrer Geschichte erfuhr, war für mich klar, dass ich ihre Reise dokumentieren möchte. Sie wollten ihr Kind holen und auch Leihmutter Anna persönlich treffen. Und sie waren bereit, sich dabei filmen zu lassen. Näher kann man dem Thema „Leihmutterschaft im Krieg“ nicht kommen. Die Geburtsklinik des Wunschkindes Lena liegt in der relativ sicheren Zentralukraine. Dort fallen selten Bomben. Das Risiko erschien mir überschaubar. Außerdem ist es mein Selbstverständnis als Journalistin, authentische Geschichten zu erzählen. Das bedeutet für mich, nicht an der polnisch-ukrainischen Grenze stehen zu bleiben und dem Paar eine Kamera in die Hand zu drücken, sondern gemeinsam mit meinen Protagonisten in das Land zu gehen und ihnen und den Leihmüttern dadurch auch wirklich nahe zu kommen. Kritische Stimmen Ich persönlich habe Gott sei Dank meine Tochter auf „ganz normalem Weg“ bekommen und sie ist das größte Geschenk in meinem Leben. Ein Leben ohne Kind könnte ich mir nicht vorstellen. Ob ich bereit wäre, eine Leihmutter zu Hilfe zu holen, wenn mein Kind nie gekommen wäre, kann ich bis jetzt nicht sagen. Aber Fakt ist, dass viele verzweifelte deutsche Paare in die Ukraine fahren, auch wenn das in Deutschland verboten ist. Meiner Meinung nach hilft „Wegschauen“ nicht – es sollte ein klarer rechtlicher Rahmen geschaffen werden, der alle Beteiligten schützen kann: Wunscheltern, Leihmütter aber vor allem auch die Kinder. Vielleicht hilft dieser Film zu verstehen, dass es beim Thema „Leihmutterschaft“ kein schwarz oder weiß gibt. Die Leihmütter, die ich getroffen habe, waren keine „Opfer“. Sie haben sich für diesen Weg entschieden. Aber der Krieg hat ihre Schwangerschaft natürlich deutlich schwerer gemacht, als sie es ohnehin schon ist. Ich verstehe den Schmerz der Paare, die kein Kind bekommen können, und ich danke Sven und Doreen sehr für ihre Offenheit und ihr Vertrauen bei den Dreharbeiten. Ich wünsche mir, dass Kritiker auch ihren Argumenten zuhören. Besonders dankbar bin ich aber auch den Leihmüttern, die mit mir offen über ihre Gefühle und Beweggründe gesprochen haben. Das ist auch in der Ukraine noch keine Selbstverständlichkeit. Und ich danke meinem Kamerateam Ralf und Fred, die mit mir dieses Drehabenteuer gewagt haben! </ul> </section> Weitere Reportagen 37 Grad - Samenspende: Der blinde Fleck Jedes siebte Paar ist ungewollt kinderlos. 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