Gegen Franzosen gibt es so viele Vorurteile wie gegen kein anderes Volk. Und kaum eine Geschichte zwischen zwei Nachbarn ist so spannungsgeladen. Wo liegt der historische Ursprung der vorgefassten und oft widersprüchlichen Vorstellungen voneinander? Stadt der Liebe und der Feinschmecker Frankreich hat die beste Küche der Welt, weil wir auf ein großes Erbe zurückschauen. Kochen ist ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur, wir machen das seit Jahrhunderten. Ist es chauvinistisch, so etwas zu sagen? Die französische Küche ist mein Leben. Da kann ich nicht sagen, dass wir nicht die Besten sind. Wir sind die Besten! Grégory Garimbay, Sternekoch "Auberge Nicolas Flamel" Stimmt es tatsächlich, dass Franzosen im europäischen Vergleich häufiger streiken und länger Urlaub machen? Arbeiten wir Deutschen wirklich mehr? Und worauf gründet der Ruhm der Franzosen, Feinschmecker zu sein? In Versailles spricht Michael Kessler darüber mit Historiker Stanis Perez, um anschließend im ältesten Gasthaus von Paris bei Sternekoch Grégory Garimbay in den Praxistest zu gehen. Ob Frankreich wirklich die Heimat des Parfüms ist, erfährt Kessler in der Osmothèque in Versailles, einem weltweit einzigartigen Duftarchiv, das auch das Parfüm von Napoleon Bonaparte zum Schnüffeln bereithält. Mit Sängerin Barbara Pravi plaudert der Comedian über das Savoir-vivre, klärt auf, warum Paris die Stadt der Liebe ist und warum es für die französische Art der Begrüßung eine "Kusskarte" gibt. Klischees bereichern gegenseitig In der Avenue de Champagne erfährt der Zeitreisende, dass Champagner zwar typisch französisch ist, wir Deutschen aber auch ein kleines bisschen Anteil an der Erfolgsgeschichte haben. Die Frage, ob Franzosen tatsächlich die besten Modemacher der Welt sind und was Sonnenkönig Ludwig XIV. damit zu tun hat, bespricht Michael Kessler mit Lutz Huelle, einem deutschen Modedesigner in Paris. Im Norden der Stadt, in Saint-Denis, einem sogenannten Banlieue, sieht er, wie Sport bei der Integration helfen kann und wie wichtig Vorbilder wie Kylian Mbappé für die Kids dort sind. "Fußball verbindet und bietet Auswege": Michael Kessler (r.) erfährt von Idrissa Diabira (l.), Gründer des Fußballprojekts "Urban Jeunesse Academy" in Saint Denis, wie der Sport jungen Menschen eine Perspektive gibt und in den sogenannten "Banlieues de Paris" (Vororte) Jugendliche von der Straße holt. Hier und in weiteren 500 Vierteln in Frankreich, die als soziale Brennpunkte gelten, werden Programme initiiert, die dem Nachwuchs eine Zukunft weisen sollen. Quelle: ZDF und Oliver Halmburger Mit Witz und Neugier sucht Michael Kessler Orte und Menschen auf und findet auch Indizien, dass manche der Vorurteile über gewisse Eigenschaften zwar stimmen, sie allerdings auch zur gegenseitigen Bereicherung beitragen. Ich habe das Gefühl, dass die Mehrheit der Europäer echte Europa-Fans sind. Trotz Unterschieden und Klischees, die oft gar nicht so ernst gemeint sind, überwiegt doch das Verbindende. Wir wissen: Nur gemeinsam lösen wir die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft. Michael Kessler Interview mit Michael Kessler Die Dreharbeiten für die neuen Folgen der ZDF-Reihe "Ziemlich beste Nachbarn" mussten wegen der Coronapandemie mehrmals verschoben werden – keine gute Zeit für Grenzgänger. Wie haben Sie Ihre Reisen jetzt erlebt? Wir hatten das Glück im Inzidenz-beruhigten Frühsommer zu drehen, in dem man vor allem im überfüllten Paris sehen konnte, wie schnell die Menschen die Masken wieder fallen lassen und mit großem Nachholbedarf alle Coronaregeln sekundenschnell vergessen. Aber wer kann es ihnen verdenken? Hoffen wir mal, dass wir das Virus in Schach halten und nicht das Virus uns. Auf unserer Reise habe ich gemerkt, wie sehr mir unsere Nachbarn gefehlt haben. Bei "Ziemlich beste Nachbarn" geht es um Klischees, Stereotypen und Vorurteile. Welche Klischees haften uns Deutschen an? Wenn ich das unsere europäischen Nachbarn frage, reagieren die immer mit einer Mischung aus Bewunderung und Irritation für unsere strukturierte Ordnung. Wir gelten als fleißig und als kompetente Konfliktlöser. Klingt doch gar nicht so schlecht, oder? Sie haben Frankreich, die Niederlande und die Schweiz bereist. Welche drängendsten Fragen hatten Sie im Gepäck? Sind die Schweizer wirklich so langsam, essen die Niederländer nur Gouda und machen die Franzosen wirklich zwei Stunden Mittagspause? Holzschuhe, Tulpen, Käse – welche Bilder hatten Sie persönlich im Kopf vor Ihrer Reise nach Holland? Achtung, Sie haben das Wichtigste vergessen: die Fritteuse! Schließlich frittiert der Niederländer alles – was ihm kulinarisch auf dieser Reise allerdings nur den dritten Platz eingebracht hat. Und wie haben Sie unsere niederländischen Nachbarn erlebt? Bei der Tomaten- und Tulpenproduktion hatte ich das Gefühl, dass uns die Holländer in Perfektion und Geschäftssinn noch übertrumpfen. Ansonsten schätze ich die Lockerheit und den Humor der Niederländer – davon können wir uns eine Scheibe abschneiden! Wie war Ihr Bild von den Schweizerinnen und Schweizern vor der Abreise? Da ich mal in Zürich auf der Bühne stand, sind mir die ordentlichen und pünktlichen Schweizer absolut geläufig. Sie ticken wirklich wie ein Uhrwerk. Viele Klischees stimmen, aber wir können von den Schweizern vor allem lernen, wie direkte Demokratie per Volksentscheid geht. Das ist absolut beeindruckend! Und wie haben Sie Frankreich erlebt? Modisch, lecker, geschmackvoll und wohlriechend! Was halten die Europäer voneinander? Welchen Eindruck hatten Sie da auf Ihren Reisen? Ich habe das Gefühl, dass die Mehrheit der Europäer echte Fans von Europa sind. Der große Grenzverkehr, die große innereuropäische Reiselust zeigt ja, dass wir uns irgendwie mögen und wie gerne wir uns gegenseitig besuchen. Europa sollten wir immer als Chance verstehen. Was meinen Sie: Bemühen wir uns hierzulande genug, unsere europäischen Nachbarn kennenzulernen? Wenn wir emsig reisen und statt Selfies zu knipsen, uns wirklich mit Land und Leuten beschäftigen, dann ja. Es macht keinen Sinn, in Frankreich eine Currywurst essen zu wollen oder in Amsterdam sich über die vielen Fahrradfahrer aufzuregen. Andere Länder, andere Sitten. Neugierig alles ausprobieren, was der Nachbar hat – das ist die Devise! Nun fordern die großen Probleme der Zeit – Klima, Krisen, Konflikte, Krieg – Europa heraus wie schon lange nicht mehr: Was merkt man davon als Grenzgänger? Die Sorgen und Ängste sind doch am Ende bei allen Menschen und Nationen dieselben. Deshalb ist und bleibt Europa eine tolle Idee, denn die Probleme der Gegenwart und Zukunft lassen sich nur gemeinsam lösen. Da kann nicht jeder sein eigenes Süppchen kochen. Was hat Sie auf Ihren Reisen besonders überrascht? Wie schwer ein Schweizer Käsefondue im Magen liegt, wie Napoleons Parfüm gerochen hat und dass der niederländische König sich von mir interviewen ließ! Das Interview führte Barbara Gauer. Bildquelle: ZDF/KAWOM/Oliver Halmburger </ul> </section> Weitere "Ziemlich beste Nachbarn" mit Michael Kessler ZDFzeit - Wir und die Schweizer Untertitel Alphorn, Jodeln, Rütlischwur: Schauspieler und Comedian Michael Kessler schaut im Land der Berge und Eidgenossen nach, was dran ist an den Klischees über die Schweizer Nachbarn. 15.09.2022 Videolänge 43 min · Doku UT Jetzt abspielen ZDFzeit - König Charles III. 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