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Nesthocker

ZDF-Mediathek ZDF
Wird am 18.07.2027 um 23:46 Uhr depubliziert

Auf eigenen Füßen stehen. Früher konnten Jugendliche nicht früh genug ausziehen. Heute verstehen sich Eltern und Kinder besser, Mieten sind teuer, warum also zu Hause raus? Corona hat das "Nesthocken" noch verstärkt. 37 Grad begleitet drei junge Erwachsene im "Hotel Mama". Aus der Großstadt zurück ins Elternhaus Ve ist 29 Jahre alt und lebt bei mit ihren Eltern bei Erfurt. Nach der Mittleren Reife hat sie die Schule verlassen und nach der Ausbildung ihr erstes eigenes Geld verdient. Ans Ausziehen hat sie seitdem nur einmal gedacht. Da wollte sie als Kosmetikerin nach Berlin gehen: "Das ist gründlich in die Hose gegangen. Die Stadt ist mir zu groß und zu laut. Und ich habe das Kuh-Geblöke vermisst." Also kam sie wieder zurück nach Hause. Die Eltern betrieben bis vor wenigen Jahren die Dorf-Bäckerei. Seit Vater Jens gesundheitliche Probleme hat, ist der Laden geschlossen. Das Haus ist groß und an manchen Stellen marode. Ve lebt auf einer eigenen Etage unter dem Dach. In ihrem Reich herrscht das "kreative Chaos". Ihre Mutter könnte an die Decke gehen, wenn sie sieht, wie die eigene Tochter haust: Wäsche waschen, Küche aufräumen, das Bad putzen, wegen allem gibt es Diskussionen. "Ich würde auch mal gern wieder in Ruhe als Paar leben, ohne diese ganzen Streitereien", seufzt die Mutter. Die Eltern betteln schon seit Langem um einen finanziellen Beitrag, den Ve leisten soll - zur Erhaltung es Hauses. Vater Jens platzt regelmäßig der Kragen, doch dann ist er wieder weich wie Butter. "Sie wickelt mich um den Finger". Können Ves Eltern die Tochter zum Bezahlen bewegen? Oder sucht sich die junge Frau doch eine eigene Bleibe? Mehr zum Thema Volle Kanne - Das Phänomen der Nesthocker&nbsp; Psychologin Elisabeth Raffauf mit Tipps Videolänge 5 min · Gesellschaft Im alten Kinderzimmer Quelle: ZDF Stefan aus Höchstädt an der Donau ist 35 Jahre alt und wohnt wieder zu Hause. In seinem alten Kinderzimmer, direkt neben dem Schlafzimmer der Eltern. Doch aufräumen darf seine Mutter nicht bei ihm, das macht Stefan selbst. Da hat er seinen Stolz. Stefan hat auch schon mal allein gelebt, hat zwei Kinder und blickt zurück auf eine langjährige Drogengeschichte: "Mama ist die Beste. Sie hat mich zum Glück wieder aufgenommen, ich hätte sonst nicht gewusst wohin." Doch neben aller Fürsorge – das Zusammenleben führt zu gepfefferten Konflikten: "Sie mischt sich halt auch überall ein, fragt nach, geht mir auf den Keks. Das will man in diesem Alter ja eigentlich alles nicht mehr". Aber noch kann Stefan nicht ohne seine Eltern. Er träumt von einer kleinen eigenen Wohnung, doch dafür muss er noch stabiler werden. Der Vater ist auf seinen Spross nicht gut zu sprechen. Er misstraut ihm bis heute, glaubt Stefan nicht, dass die Drogengeschichten hinter ihm liegen und wittert ständig einen Rückfall. Doch Stefan unternimmt erste Schritte in die Selbstständigkeit, bemüht sich trotz vieler gesundheitlicher Rückschläge beim Jobcenter um eine Qualifizierungsmaßnahme – ein erster Baustein für ein eigenständiges Leben? "Nirgends schöner als daheim" Felix wohnt noch zuhause. Dafür muss er auf dem Familienhof mitarbeiten Quelle: ZDF Felix aus Hirschaid lebt mit Schwestern, Eltern und Großmutter auf einem ehemaligen Bauernhof in Franken. Er findet: Nirgends ist es schöner als daheim. "Ich wäre ja blöd, wenn ich ausziehen würde. Da hätte ich ja gar keinen Platz. Und teuer wäre es auch noch und das bisschen Gezeter von der Mutter, das halte ich locker aus." Auch wenn das daheim sein Pflichten mit sich bringt. Zum Hof gehört ein großes Stück Forst. Am Wochenende gibt es regelmäßig Arbeitseinsätze mit der ganzen Familie. Diskussionen ums frühe Aufstehen am Wochenende sind vorprogrammiert. Felix Eltern hatten auch schon Pläne für die Zimmer der drei Kinder: "Die wollten wir gern zu Ferienwohnungen für Wanderer ausbauen. Doch daraus wird bislang nichts." Denn noch kann Felix dem Leben in den eigenen vier Wänden nichts abgewinnen. Die Autorin Anne Kauth über ihren Film Wie es zu dem Thema kam „Wir wollen mal ein leichteres Thema“ – hieß es von der Redaktion. In den letzten Jahren hatte ich mich mit Obdachlosen, schwer Verschuldeten oder abgestürzten Prominenten beschäftigt. Doch jetzt war schon das zweite Jahr Corona, und alle waren der Meinung: Alltags-Geschichten mit ihren ganz individuellen Problematiken wären interessant. Und: Es darf vielleicht auch geschmunzelt werden. Gerade war eine neue Statistik rausgekommen: immer mehr erwachsene Kinder bleiben im Elternhaus wohnen. Die Gründe sind vielfältig: hohe Mieten, Corona mit der Möglichkeit des Home-Studiums, aber auch einfach Heimatverbundenheit oder Angst vor dem Leben da draußen – stehen dahinter. Da war es also, mein neues Filmthema. Meine eigenen Erfahrungen? Wie war das eigentlich bei mir? Diese Frage kam sofort, als ich damit beauftragt wurde, mich mit der Thematik des „Nesthockens“ zu beschäftigten. Was ist noch normal? Ab wann sollte man dann doch endlich mal endgültig den Absprung vom Elternhaus geschafft haben? Die Situationen sind so unterschiedlich. Ich selbst gehörte eher zu derjenigen Fraktion, die ausgezogen sind: zum Studium, ins Auslandssemester, zum Praktikum nach Berlin oder Hamburg – und wenn dann eine Station wieder vorbei war, dann war mir völlig klar: Ich schlüpfe wieder zuhause unter. Meine Eltern habe ich dabei gar nicht gefragt. Und wenn es dann so weit war, dann dauerte es keine zwei Stunden, und ich hatte ich mit meiner Mutter wieder in dieselben Diskussionen verhakt, wie wir das schon hatten, als ich 16 war. Und ich wusste: Das hier kann nur eine Zwischenstation sein, du musst schnellstmöglich weiterziehen. Keine leichte Recherchen Jeder hat seine eigene Geschichte mit der Abnabelung vom Elternhaus, mit dem Ausziehen, dem ersten Alleinwohnen. Doch als ich für diesen Film nach Leuten gesucht habe, die mir davon berichten, warum sie noch mit über zwanzig zuhause leben, stellte sich heraus: ES ist verdammt schwer, jemanden zu finden, der zugibt, dass er freiwillig noch daheim wohnt. Bei meinen sonstigen Arbeiten für die Sendung 37 Grad konnte ich über Organisationen, Vereine oder Selbsthilfegruppen gehen, die mir bei der Vermittlung von Fällen und Betroffenen geholfen haben. Die so genannten „Nesthocker“ sind nicht organisiert und damit schwer zu finden. Doch nach Monaten des Anzeigenschaltens kamen dann doch die ersten Rückmeldungen und die ersten Gespräche gingen los. Jedes Mal wieder bin ich überrascht und begeistert, wie schnell Menschen sehr intim über ihre ganz persönliche Situation und Lage erzählen. Hintergründige Geschichten Und wie so oft beim Filmemachen, habe ich die Chance, wunderbare Regionen Deutschlands kennen zu lernen. Ich reise nach Thüringen, wo ich Ve und ihre Eltern treffen darf, zu Stefan nach Bayern und Felix nach Franken. Zu Beginn ist meine Sorge: Wie erzähle ich Stillstand? Wie erzähle ich, dass meine Protagonisten entschieden haben, nichts zu ändern an ihrer Lage? Aber einmal vor Ort bei den Menschen werde ich Teil des Geschehens, höre die Untertöne, die Spannungen, die Reibereien, die in der Familienkonstellation begründet liegen, und die man nicht hätte, würde man einfach in seiner eigenen Wohnung leben. Ich wundere mich und bin hoch erfreut, dass die Familien ihre Diskussionen vor unserer Kamera austragen. Und gleich weiß ich: Genau das ist es! Die leisen, aber deutlichen Klänge von Familiendissonanzen, die aber für die Glaubwürdigkeit und die Authentizität eines Filmes zu diesem Thema „Nesthocker“ so immens wichtig sind. Dranbleiben Und dann hieß es: dranbleiben! Was können wir wann wie drehen? Da keiner der Protagonisten ernsthafte Auszugspläne hegte, galt es, genau das zu erzählen und den Fokus auf die Eltern zu legen: Wie kommen die damit klar? Fürsorge auf der einen und Genervtheit auf der anderen Seite klangen mit. Man würde sein Kind ja nicht rauswerfen! Allen Amüsements über die so typischen innerfamiliären Konflikte zum Trotz – ich bin beeindruckt und gerührt von so viel Wärme und Zusammenhalt bei allen Schwierigkeiten. Und ich denke mir: Das ist dann wohl das, was Familie ausmacht! </ul> </section> 37 Grad Leben - Jung verschuldet&nbsp; Über eine Million Menschen unter 30 Jahren waren 2020 in den Miesen. Warum verschulden sich junge Erwachsene? Claus und Hasiba erzählen ihre Schuldengeschichte. Videolänge 27 min · Doku follow me.reports - “Hotel Mama”? – Deshalb zieht Merle nicht aus&nbsp; Wohnen bei Mama und/oder Papa – ganz normal. Aber irgendwann ist es Zeit, auszuziehen. Auf eigenen Beinen stehen, eine eigene Wohnung suchen. Die einen machen das früher, die anderen später. Doch wann ist “zu spät”? Reporter Robin trifft Merle. Sie ist... Videolänge 17 min · funk Familienbande - weitere Filme 37 Grad Leben - Jung verschuldet&nbsp; Über eine Million Menschen unter 30 Jahren waren 2020 in den Miesen. Warum verschulden sich junge Erwachsene? Claus und Hasiba erzählen ihre Schuldengeschichte. 15.07.2022 Videolänge 27 min · Doku Jetzt abspielen 37 Grad - Was haben wir nur falsch gemacht?&nbsp; Untertitel Deutsche Gebärdensprache Audiodeskription Reisen, Sport, Musikstunden - ihr Kind soll alles haben. Aber nicht jedes Kind möchte das. Es gibt welche, die ausbrechen und am Ende auf der Straße landen. Für Eltern ein Albtraum. 25.01.2022 Videolänge 28 min · Doku UT DGS AD Jetzt abspielen 37 Grad - So wie du bist - Kinder von Eltern mit …&nbsp; Etwa 12.000 Kinder behinderter Eltern leben in Deutschland. 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Bildquelle: ZDF Presseportal
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Herkunft: ZDF-Mediathek
Sender: ZDF
Depublizierung: 18.07.2027 23:46 Uhr
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