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Wir retten unsere Ehe

ZDF-Mediathek ZDF
Wird am 03.05.2027 um 00:08 Uhr depubliziert

Unterschiedliche Charaktere, Affären oder neue Lebensphasen sind Herausforderungen, an denen die Liebe zerbrechen kann. 37 Grad begleitet Paare, die den Weg zueinander wiederfinden wollen. Kämpfen um den gemeinsamen Weg Vier Affären hatte Björn, drei vor der Hochzeit mit Regina, eine danach. Das Paar aus Gummersbach hat sich in einer Dorfdisco kennengelernt. "Ich habe unheimlich viel getrunken und war auf jeder Party zu Hause", erzählt Björn. Regina dagegen hat zu dieser Zeit schon zwei kleine Kinder aus erster Ehe und führt ein Leben voller Verpflichtungen. Trotz aller Gegensätze werden die beiden ein Paar. Doch Björn lässt das unstete Leben nicht los, er geht fremd. Trotz der ersten drei Affären hält Regina an ihm fest, macht ihm einen Heiratsantrag. Die beiden bauen ein Haus, bekommen zwei weitere Kinder. Dann die böse Überraschung: Regina findet ein zweites Handy mit Nachrichten, die auf eine weitere Affäre hinweisen. "In dieser Zeit ist mir mit Sicherheit der Respekt und sämtliche Wertschätzung, die ich meinem Mann gegenüber entgegenbringen möchte, total abhanden gekommen", so Regina. Und doch bleiben die beiden zusammen, kämpfen darum, gemeinsam eine neue Grundlage für ihre Liebe zu schaffen. Streitpunkt Rollenverteilung Julia und Holger aus Karben bei Frankfurt sind seit 13 Jahren zusammen und seit neun Jahren verheiratet. Drei junge Kinder lassen kaum Raum für die Privatsphäre des Paares, hinzu kommen unterschiedliche Vorstellungen vom Leben: Sie würde gern in der Stadt wohnen, ihm gefällt es auf dem Dorf. Auch die Rollenverteilung sorgt immer wieder für Streit: Sie wünscht sich, dass beide Teilzeit arbeiten und sich in gleichem Maß um die Kinder kümmern. "Manchmal denke ich, eine Trennung wäre vielleicht die Lösung, und ich wohne dann mit den drei Kindern alleine in der Stadt", erzählt Julia. Doch die beiden suchen Hilfe bei Therapeut Eckhard Roediger und arbeiten an ihrer Beziehung. "Der Haupteffekt, den wir in Paartherapien haben, ist gar nicht, dass wir die Menschen verändern", so Roediger. "Sondern wir verändern die viel zu hoch geladenen Erwartungen aneinander." "Den Hintern hoch kriegen" Die drei Kinder von Tanja und Dirk aus Lünen bei Dortmund sind erwachsen und ausgewandert. Das große Haus ist plötzlich leer und still, zurück bleibt die Frage: Was verbindet uns jetzt noch? Während Dirk den Auszug der Kinder eher pragmatisch betrachtet, leidet Tanja stark unter der Distanz zu ihnen und den beiden Enkeln, die in Australien leben. "Ich habe oft den Eindruck, er versteht mich nicht richtig, und dann bin ich ihm gegenüber vielleicht manchmal auch nicht ganz ehrlich", gesteht sie. "Es besteht schon die Gefahr, zu sagen: Man kennt den anderen, und das reicht. Sich dann noch mal tiefer in den Partner hinein zu versetzen, hat auch etwas damit zu tun, den Hintern hoch zu kriegen", sagt Dirk. Die beiden suchen die Nähe zueinander neu, fangen an, sich über ihre Gefühle und Bedürfnisse auszutauschen und sogar eine gemeinsame berufliche Perspektive zu entwickeln. 37 Grad begleitet drei Paare durch ihre persönlichen Krisen – eine Zeit, die sich in Streit und Versöhnung, Gegeneinander und Miteinander, Verzweiflung und Hoffnung zeigt, aber von dem Glauben an die Verbindung Ehe getragen wird. Sie wollen herausfinden, was sie als Paar ausmacht, was von den guten Zeiten übrig ist und wohin es gemeinsam noch gehen kann. Es wird deutlich, dass die Ehe kein Spaziergang ist, sondern ein Weg, der herausfordernd und steinig sein kann, den diese Paare aber gemeinsam gehen wollen. Autorin Doro Plutte über ihren Film Das große Tabu Eheprobleme sind allgegenwärtig, da wird es ein Leichtes sein, passende Protagonisten zu finden. Davon ging ich aus, als die Arbeit an diesem Film begann. Das erste Paar war tatsächlich recht schnell gefunden: Julia und Holger Bauer mit ihren drei Kindern, ein liebenswürdiges Ehepaar mit vielen alltäglichen Dissonanzen und Konflikten. Danach liefen alle Recherchen ins Leere. Immer wieder hörte ich Aussagen wie: Ja, natürlich, bei uns kriselt es gewaltig. Aber das erzählen wir nicht mal unseren besten Freunden oder Eltern. Damit ins Fernsehen? Auf keinen Fall! Endlich, nach fast zwei Jahren, kam der entscheidende Kontakt zustande und ich hatte meine drei Paare zusammen. Ich bin diesen wunderbaren Menschen so dankbar dafür, dass sie Einblicke in ihre Herzen und Herausforderungen geben; dass sie das große Tabu gebrochen haben und offen davon erzählen, durch welche Schwierigkeiten sie gehen, aber auch, welche Lösungen sie schon gefunden haben. Selbstverständlich ist das nicht. Aber unheimlich hilfreich. Die Therapie Den Ansatz von Julia und Holger, ihre Probleme zu lösen, könnte man wohl als den klassischen bezeichnen: eine Ehetherapie. Meine persönliche Erwartung daran war, eine auf Ebene der Bildsprache eher langweilige Gesprächssituation vorzufinden. Therapie, das ist unangenehm, vielleicht sogar peinlich, oder? Das Treffen mit Eckhard Roediger hat mich dann in jeder Hinsicht überrascht. Da war Bewegung drin: aufstehen, auf neue Stühle setzen, umdrehen, andere Perspektiven einnehmen, Umarmungen, Küsse, Tränen. Bis heute denke ich häufig an einen Satz des Therapeuten: Wir verändern nicht die Menschen, sondern die Erwartungen, die sie aneinander haben. Für Julia und Holger hat es funktioniert. Immer wieder bezogen sie sich bei späteren Dreharbeiten auf das in der Therapie Erlebte und Gelernte. Mein Bild von Eheberatung ist seitdem ein deutlich dynamischeres und positiveres. Vielleicht senken diese Einblicke für manche Zuschauer die Hemmschwelle, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das würde mich freuen. Leben nach dem Fremdgehen Ungläubiges Kopfschütteln war meine Reaktion, als ich die Geschichte von Regina und Björn Perder zum ersten Mal hörte. Vier Affären, drei davon vor der Hochzeit, und die sind immer noch zusammen? Warum? Wie geht das, ohne den Respekt und die Liebe zu verlieren? Von der Offenheit und den Sichtweisen der beiden war ich schwer beeindruckt. Mit welcher Leichtigkeit sie über das Schwere sprechen, mit welcher Klarheit sie auf das Chaotische ihrer Beziehung schauen. Wenn die beiden sowas geschafft haben, dann werde ich wohl auch die vergleichsweise kleinen Krisen in meiner Ehe in den Griff kriegen. Dieser Gedanke kam nicht nur mir, sondern im Laufe der Jahre schon vielen Menschen, mit denen Regina und Björn über ihre Geschichte gesprochen haben. Björn erzählte mir davon, wie er bei einem vom Verein "Begegnung in der Ehe" organisierten Treffen über seine Affären sprach - und danach von verschiedenen Männern bis auf die Toilette verfolgt wurde, weil sie so dringend nach einer Gelegenheit suchten, mit ihm alleine über ihre eigenen Themen zu sprechen. Der Bedarf nach Gesprächspartnern und nach Hilfe ist offensichtlich riesig. Viele würden ihr eigenes Versagen gerne offen eingestehen - wenn sie mehr Vorbilder wie Björn und Regina hätten. Die Überraschung zum Schluss Die Kinder aus dem Haus und ausgewandert und die Frage: Was bleibt noch von uns? Sie leidet unter der Einsamkeit, er kann die Gefühlsduselei nicht so recht nachvollziehen. Mit dieser Ausgangssituation bin ich in die Dreharbeiten mit Tanja und Dirk Sorgalla gegangen. Vielleicht finden sie ein neues Hobby oder hilfreiche gemeinsame Routinen, dachte ich anfangs. Was dann passierte, überraschte mich in mehrfacher Hinsicht. Dirk, der Tanjas Gefühlsäußerungen so kritisch betrachtet hatte und sich in emotionalen Situationen am liebsten zurückzog, fing plötzlich an, über seine eigenen Gefühle und Bedürfnisse nachzudenken, seine Kindheit zu reflektieren. Und dann, am letzten Drehtag, teilt er mir mit: Ich habe meinen Job gekündigt. Kein Handwerker will er mehr sein, sondern professionell in die Eheberatung einsteigen. Mit Tanja zusammen. Und sie, früher so frustriert, strahlt und lebt auf. Diesen Wandel, zu erleben, wie die beiden nicht stehen bleiben, ihr Leben im großen Stil neu anpacken, habe ich als belebend und motivierend empfunden. Wer sagt denn, dass eine Ehe irgendwann irgendwie ist und sich nicht mehr verändern kann? Dass man nicht mehr aus seiner Haut kann, nur weil man die 50 überschritten hat? Tanja und Dirk beweisen das Gegenteil und machen damit eine große Portion Mut. Ende gut alles gut? Meine drei Paare sind weiterhin verheiratet. Und glücklich. Zumindest manchmal. Ist das jetzt das Ende? Natürlich nicht. Meinen Protagonisten ist sehr bewusst, dass Beziehung immer ein Weg ist. Mir ging es nicht darum, plakative Lösungen zu zeigen, einmal angewandt, dauerhaft wirksam. Ehe ist Arbeit, das haben alle sechs immer wieder betont. Und nicht immer geht es darum, unter allen Umständen weiter zu kämpfen und unbedingt zusammen zu bleiben. Besonders Regina war es wichtig, deutlich zu machen: Niemand muss nach einer Affäre an seinem Partner festhalten und nicht für jeden ist das der beste Weg. </ul> </section> Weitere Reportage 37 Grad Leben - Solo-Mütter&nbsp; Eine Solo-Mutter entscheidet sich bewusst, allein mithilfe einer Samenspende eine Familie zu gründen. Ohne den emotionalen oder finanziellen Beistand eines Partners oder einer Partnerin. 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Bildquelle: ZDF Presseportal
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Herkunft: ZDF-Mediathek
Sender: ZDF
Depublizierung: 03.05.2027 00:08 Uhr
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