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Die Ich-Vermesser

ZDF-Mediathek ZDF
Wird am 25.04.2027 um 23:56 Uhr depubliziert

Der Trend zur Optimierung des "Ich" ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen, Trendforscher bezeichnen das 21. Jahrhundert als "Zeitalter der Selbstoptimierung". Schon 2016 fühlte sich ein Drittel der Deutschen als Selbstoptimierer. Alles, was mich besser macht Heute geht das Optimierungsbestreben weiter – achtsamer, glücklicher, besser erholt soll man sein. Aber ist alles, was "mich" besser macht, auch gut? 37 Grad begleitet Menschen, die sich und ihr Leben optimieren. Was treibt sie an? Wo liegen die Gefahren der Selbstoptimierung? Dass die Optimierung des Berufs- und Privatlebens nicht immer positiv, sondern auch ein Kampf mit drastischen Folgen sein kann, weiß Sophia Thiel (26). Sie ist Fitness-Influencerin, gefeierter Star ihrer Branche. Auf Instagram, YouTube und Facebook folgen ihr jeweils rund eine Million Menschen. 2012 begann Sophia mit Diäten, sie nahm 30 Kilogramm ab, entdeckte das Bodybuilding für sich und ließ die Öffentlichkeit über die sozialen Medien an ihren Erfahrungen teilhaben. Sie schrieb Bücher, wurde Kraftsport-Star, entwickelte ein erfolgreiches Fitnessprogramm. Erst der Aufstieg, dann der Absturz Doch 2019 verschwand sie plötzlich von der Bildfläche. Kein Post, bis zu ihrem Comeback 2021. Sophia war zusammengebrochen, auf ihr lastete zu viel Druck, außerdem verschwieg sie der Öffentlichkeit, dass sie unter Essanfällen litt. Erst durch eine Therapie konnte sie ihre Essstörung aufarbeiten. "Es gibt immer Tage, wo man sich schlecht fühlt. Früher hätte ich gesagt, durchziehen und gut. Heute muss ich mich dann auch nicht zum Post zwingen." Erfolgsrezept "Biohacking" Morgenritual von Biohacker Andreas: Rotlicht-Baden Auch der 48-jährige Andreas Breitfeld ist ein Ich-Vermesser, ein sogenannter Biohacker. Biohacker versuchen, ihren Körper zu "hacken", also wie Computer-Hacker in ein System einzudringen, um es zu verändern. Andreas nutzt dafür technische Hilfsmittel, und er macht vieles anders als andere: Jeden Morgen steht er um 6.30 Uhr mit einer Lampe auf, die die natürliche Morgenröte imitiert, steigt danach ins Eisbad. Das wichtigste Ritual: Andreas trägt einen Ring mit viel Elektronik; der misst seine Vitalwerte und seinen Schlaf. Mittlerweile hat Andreas die Optimierung von Körper und Geist zum Beruf gemacht und ein Biohacking-Lab in München gegründet. Für ihn steht fest: Diese Art der Selbstoptimierung rettete ihm nach einem Burnout 2016 das Leben. Selbstoptimierung als Befreiungsakt Karina beim Brennesselnbaden. Höher, schneller, weiter: Für Karina Löckener (31) und Philip Wrozyna (32) aus Braunschweig haben diese drei Worte keine große Bedeutung, doch auch sie sind Selbstoptimierer. Sie wollen zu sich selbst finden, sich von materiellen Dingen trennen, demnächst in einen Bulli umziehen. Dafür verändern sie Schritt für Schritt ihr Leben. Beide sind Rohveganer, gekochte oder gebratene Nahrung halten sie für schädlich, sie essen alles roh und verzichten auf tierische Produkte. "Selbstoptimierung sehen wir als Weg, zu sich zurückzufinden", davon ist Philip überzeugt. Karina war, bevor sie Philip kennenlernte, verheiratet, wohnt noch immer in der Eigentumswohnung von damals und möchte sie nun verkaufen. "Ich hab&apos; früher gedacht, dass das, was man beigebracht bekommt, so ist. Ich hab&apos; irgendwann gemerkt: Das bist du nicht. Dein Leben ist da draußen, die Natur. Dafür bin ich bereit, vieles hinter mir zu lassen." Reportage über Männer und Beauty 37 Grad Leben - Porenrein – Männer und Schönheit&nbsp; Als Mann zu Kosmetik und Schminke zu greifen, wird immer üblicher – besonders unter jüngeren Männern. "37°Leben" begleitet zwei Männer, die berichten, warum sie sich schminken. Videolänge 27 min · Doku Die Autorinnen über ihren Film Wir kennen das alle, oder? Wir üben, bis wir perfekt sind. So haben wir laufen und schreiben gelernt, die Lehre oder das Studium durchgezogen. Wir gehen joggen, ernähren uns gesund oder machen Karriere. Wir träumen davon schöner, gesünder, reicher zu werden. Wir wollen einfach besser werden. Wir haben viel über das Thema diskutiert: Was steckt hinter dem Willen zur Selbstoptimierung? Wozu verleitet uns der Druck, der Wettbewerb unserer Leistungsgesellschaft? Ist Selbstoptimierung immer gut für uns? Und: sind wir jemals „fertig“ optimiert? Aber uns hat auch umgetrieben: Wie setzen wir das Thema um? Welcher Gesichter hat die Selbstoptimierung und wessen Geschichte möchten wir erzählen? "Entweder alles oder nichts" Höher, schneller, weiter: Die Geschichte von Sophia Thiel haben wir in den Medien verfolgt: Ihre Karriere, ihr Absturz. Eine junge Frau mit Anfang 20, die eigentlich nur ihre Abnehmerfolge publik machen und anderen Tipps geben möchte, wie sie selbst im Rückblick sagt, wird zur Ikone der deutschen Fitnessinfluencerinnen und stürzt mit nicht einmal Mitte 20 ab, scheitert an der eigenen Optimierung, durchlebt den Tiefpunkt ihres Lebens. Der Wille zum perfekten Körper, die Vorbildfunktion, eine verheimlichte Essstörung: dem Druck war sie nicht gewachsen, konnte sie nicht gewachsen sein, denn ihr Weg wird permanent beobachtet und kommentiert von einer Million Followern, der Öffentlichkeit, den Medien. Heute ist sie 27 Jahre alt und feierte im letzten Jahr ihr Comeback. Von sich selbst sagt sie rückblickend: „Ich bin sehr früh in ein Schwarz-Weiß-Denken reingerutscht. Entweder alles oder nichts, entweder habe ich etwas zu 100 Prozent gemacht oder gar nicht. Dieser Perfektionismus hat mich in diese extreme Kontrolle hineinrutschen lassen.“ Wir wollten herausfinden, wie es ihr heute geht, was sie anders macht und ob sie bei sich angekommen ist. Chef über den eigenen Körper Gesünder, produktiver, widerstandfähiger: Um eine andere Art der Selbstoptimierung geht es bei unserem Biohacker Andreas. Wir haben uns einen Menschen vorgestellt, der sich, sein Leben, seinen Körper mit technischen Hilfsmitteln vermisst, jemand, dem Rituale und Routinen wichtig sind und der sich nach dem Takt seiner Geräte orientiert. Wir haben gesucht und fanden Andreas, der selbst sagt: „Hier haben wir verschiedene technische Möglichkeiten Wohlbefinden, Geisteszustand positiv zu beeinflussen. Ich kann CEO meiner eigenen Gesundheit sein, das ist genial.“ Andreas nahm uns mit in seine ganz eigene Biohacker-Welt, er und hat uns gezeigt, wie sich sein Leben durch das Biohacking um 180 Grad gewendet hat. Kein Salz, kein Öl, keine Gewürze Achtsamer, minimalistischer, naturnaher: Die dritte Geschichte fanden wir zunächst kurios. Vegetarier, Veganer – kennen wir aus dem Bekanntenkreis, aber Rohköstler? Kein Salz, kein Öl, keine Gewürze und alles kalt. Es war eine Erfahrung sich auf diese Ernährungsform einzulassen, sie selbst zu probieren und doch festzustellen: Vegetarier sein ist für uns Selbstoptimierung genug. Doch war es uns wichtig Protagonisten zu finden, die offen über ihre Form der Selbstoptimierung sprechen. Und das war nicht einfach. Wir bekamen oft die Antwort: Ich optimiere mich doch gar nicht – ich will gesünder, achtsamer, minimalistischer leben, aber Optimierung ist das nicht. Karina und Philip sehen die Rohkost und ihren Weg zum Minimalismus als Optimierung, sie wollen ihr Ich verbessern und perfektionieren. Dafür ist Karina bereit ihre Eigentumswohnung zu verkaufen, beide trennen sich von Hab und Gut und wollen sogar in einen Bus umziehen. Karina sagt über sich selbst: „Ich hatte vorher immer das Gefühl, ich werde geführt, doch irgendwann habe ich gemerkt das bist du nicht, dein Leben ist da draußen, dass ist die Natur und das ist fernab von dem, was sich die Gesellschaft vorstellt.“ Das Fazit der Filme-Macherinnen Und so sehr sich die Wege unserer Protagonisten unterscheiden, haben sie doch einiges gemeinsam: Diese Menschen suchen ihr Glück in der Optimierung. Eigentlich würden wir den Weg unserer Protagonisten nun gerne weiter verfolgen: Schafft Sophia es auch in Zukunft auf sich und ihre mentale Gesundheit Acht zu geben? Bringt Andreas das Biohacking groß raus und wachen wir vielleicht alle irgendwann mit seiner Rotlichtroutine auf? Und: Wo geht die Reise von Karina und Philip mit ihrem Bus hin? </ul> </section> Weitere Reportage: 37 Grad Leben - Raus aus dem Profisport&nbsp; Der nächste Wettbewerb, der optimale Trainingsplan – seit Kindheitstagen liegt der Fokus auf Leistung und Erfolg – was aber ist, wenn Sportler ihre Karriere beenden? Videolänge 26 min · Doku von Uta Meyer-Boblan und Heike Dickebohm Auf der Suche nach dem Glück 37 Grad - Zwei Bayern und 40.000 Bienen&nbsp; Untertitel Audiodeskription Isa und Vin, zwei junge Leute, haben jahrelang für ihren Traum vom Paradies gespart: ein Leben in einem idealen Ökosystem, das sie sich selbst erschaffen. Gefunden haben sie es in Portugal. 07.01.2020 Videolänge 28 min · Doku UT AD Jetzt abspielen 37 Grad - Glücklich erst als Junge&nbsp; Als trans* bezeichnen sich Menschen, die sich mit ihrem angeborenen Geschlecht nicht identifizieren können. Wie René, der mit 15 seinen Eltern anvertraut, dass er nun ein Junge ist. 07.05.2019 Doku Jetzt ansehen 37 Grad - Rente unter Palmen&nbsp; Sonne und Wärme das ganze Jahr: Immer mehr deutsche Rentner träumen vom Umzug nach Thailand. "37 Grad" begleitet Menschen, die diesen Schritt gewagt haben oder gerade ihre Koffer packen. 09.04.2019 Doku Jetzt ansehen 37 Grad - Wisch und weg&nbsp; Untertitel Deutsche Gebärdensprache Audiodeskription Einmal über die Oberfläche des Smartphones gewischt, und die andere Person auf der Datingplattform ist weg. 13.04.2021 Videolänge 29 min · Doku UT DGS AD Jetzt abspielen 37 Grad - Gefangen im Glücksrausch&nbsp; Untertitel Audiodeskription Crystal Meth gilt derzeit als die gefährlichste Droge der Welt. 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Herkunft: ZDF-Mediathek
Sender: ZDF
Depublizierung: 25.04.2027 23:56 Uhr
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