Die durch Alkoholkonsum entstandenen Schädigungen ziehen sich durch das ganze Leben der Betroffenen und werden in Fachkreisen FASD (Fetal Alcohol Spectrum Disorder) genannt. 37 Grad begleitet drei Betroffene FASD als Folge von Alkoholkonsum FASD ist schwer zu erkennen - ein Potpourri aus Verhaltens- und Lernstörungen bis hin zu schweren körperlichen und geistigen Behinderungen. Allein in Deutschland werden jedes Jahr mehr als 10.000 Kinder mit FASD geboren, so steht es im Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2019. Die Dunkelziffer ist groß, denn Alkohol in der Schwangerschaft ist ein Tabuthema. 37 Grad - 8 Fakten über FASD (1/8) Anzahl Bilder 8 Bilder · Doku Quelle: ZDF 37 Grad - 8 Fakten über FASD (2/8) Anzahl Bilder 8 Bilder · Doku Quelle: ZDF 37 Grad - 8 Fakten über FASD (3/8) "Hintergrund ist auch, dass es keinen linearen Zusammenhang gibt. Das heißt, es ist nicht so, dass die Menge selbst das Ausmaß der Störung bestimmt," so die Erfahrung des Experten. Anzahl Bilder 8 Bilder · Doku Quelle: ZDF 37 Grad - 8 Fakten über FASD (4/8) Anzahl Bilder 8 Bilder · Doku 37 Grad - 8 Fakten über FASD (5/8) Anzahl Bilder 8 Bilder · Doku Quelle: ZDF 37 Grad - 8 Fakten über FASD (6/8) Anzahl Bilder 8 Bilder · Doku 37 Grad - 8 Fakten über FASD (7/8) Zellmembranen sind unterschiedlich dicht, was den Alkohol angeht, sodass Schwnagere letztlich eigentlich vom Russisch-Roulette spricht: ‚Wird mein Kind geschädigt oder nicht?‘. Anzahl Bilder 8 Bilder · Doku Quelle: ZDF 37 Grad - 8 Fakten über FASD (8/8) Anzahl Bilder 8 Bilder · Doku Quelle: ZDF Leidtragende sind die Kinder In Nathan (4) brodelt ein Vulkan. Er braucht Betreuung rund um die Uhr. Schon im Kindergarten wirft er mit Tischen und Stühlen, macht die Nacht zum Tag. Mit der Diagnose vor einem Jahr läuft ein Hilfesystem an - für Eltern und Kind. Schon im Grundschulalter wird Melissa depressiv, trinkt später Alkohol und kifft. Durch einen Wink des Schicksals bekommt sie die Diagnose. Die heute 21-Jährige wird gerade in einem Berufsbildungswerk zur Fachpraktikerin für Holzverarbeitung ausgebildet und hofft auf eine Anstellung in einer Schreinerei. Leben aus den Fugen Auch Mylenes (29) Leben war geprägt von Depressionen und Schlafstörungen. Sie lebte alkoholabhängig auf der Straße, als ein Mitarbeiter der Wohnungslosenhilfe aufmerksam wurde. Nun wohnt sie im "Sonnenhof" in Berlin, der bundesweit ältesten Beratungsstelle für alkoholgeschädigte Menschen in Deutschland. Hier hat sie zum ersten Mal die Chance auf ein geregeltes Leben. Gemeinsam mit einer Sozialpädagogin werden neue Tagesstrukturen geschaffen. Nur selten verlässt sie das Haus. Unbekannte Wegstrecken und andere Menschen überfordern sie. Trotzdem macht sie es sich zur Aufgabe, vor Schulklassen ihre Geschichte zu erzählen. 37 Grad begleitet Betroffene in unterschiedlichen Lebensphasen: Erwachsene, die spät die Diagnose bekommen haben und endlich die Gründe für ihr Scheitern kennen. Jugendliche, die mit ihrer unsichtbaren Behinderung hadern. Und Kinder, die über eine frühe Diagnose eine echte Chance durch Unterstützung bekommen. Die Autorin Corinna Wirth über ihren Film Heikles Thema Als ich vor etwa drei Jahren anfing, mich intensiv mit FASD zu beschäftigen, war mir nicht klar, wie allein gelassen viele Betroffene mit ihrer Behinderung sind und wie heikel dieses Thema ist. Viele glauben immer noch, dass ein Gläschen Sekt in der Schwangerschaft nicht schaden kann. Die Fetale Alkohol Spektrum Störung, auch FASD genannt, wird dabei sogar eher in eine Schmuddelecke gedrängt, getreu dem Motto – „Ach ja, das sind doch die Kinder von Frauen mit Alkoholproblemen.“ Nein, leider nicht. Schon geringe Mengen Alkohol in der Schwangerschaft können schlimme Folgen für das Kind haben. Mitten in der Gesellschaft FASD ist in der Mitte unserer Gesellschaft, wir schauen nur nicht richtig hin. Experten gehen davon aus, dass in Deutschland jedes Jahr mindestens 10.000 Kinder mit FASD geboren werden, vermutlich sind es sehr viel mehr. Bekannt sind meist nur die Fälle in Pflege- und Adoptivfamilien, Kinder in ihren Herkunftsfamilien werden selten diagnostiziert. Sicher spielt auch Scham und Angst eine große Rolle, wer möchte für das Leid des eigenen Kindes verantwortlich sein. Dabei sollte niemand von Schuld der Mutter sprechen. Keine Mutter schädigt ihr Kind willentlich. FASD war und ist noch immer zu unbekannt und oft wissen Frauen anfangs nicht, dass sie schwanger sind. Reaktionen aus dem Umfeld der Autorin Wenn ich meinem Umfeld von diesem Thema berichtet habe, waren die Reaktionen fast immer die Gleichen. Die Mütter waren irritiert und fragten sich, ob sie wohl auch mal Alkohol in der Schwangerschaft getrunken haben. Auch ich habe mich das gefragt und habe keine eindeutige Antwort. Vielleicht habe ich einfach nur großes Glück gehabt. Nun ist das über 20 Jahre her. Heute sollte jede junge Frau über FASD aufgeklärt sein. Die Menschen mit FASD, die ich getroffen habe, sind hoch sensible und empfindsam und brauchen einfach nur Hilfe und das Wissen um ihre Behinderung. Intensive, schwierige Recherchen Im Zuge der Recherche habe ich mit über 30 Betroffenen und deren Eltern bzw. Pflegeeltern gesprochen. Es waren lange und intensive Gespräche. Oft bin ich tief traurig und ratlos aus dieses Gesprächen gegangen, weil diese Menschen – egal ob jung oder alt - selbst völlig unverschuldet in schwierigen Lebenssituationen sind. Die wenigsten werden jemals selbständig ihren Alltag leben können. Je nach Grad der Behinderung scheitern viele auch am inneren Konflikt, so, wie alle anderen funktionieren zu wollen, es gleichzeitig nicht zu können. Besonders schwierig war es, eine leibliche Mutter eines von FASD betroffenen Kindes zu finden. Groß war auch die Sorge einen Shitstorm auszulösen oder schlimmer noch, einen inneren Konflikt zu befeuern, der die Mutter belastet. Bei der Auswahl unserer Protagonisten war es mir besonders wichtig, auch zu zeigen, dass es Hilfe und Wege gibt, mit dieser Behinderung zu leben. Alle drei, Mylene, Melissa und Nathan leben eingebettet in Hilfesysteme, sind umgeben von großartigen Menschen, die es ihnen ermöglichen, sich angenommen zu fühlen und einen Platz in unserer Gesellschaft zu finden. </ul> </section> FASD: Hier gibt es Hilfe für Betroffene 37 Grad - Hilfe suchen, Hilfe finden 1 (1/5) Anzahl Bilder 5 Bilder · Doku Quelle: ZDF 37 Grad - Hilfe suchen, Hilfe finden (2/5) Anzahl Bilder 5 Bilder · Doku Quelle: ZDF 37 Grad - Hilfe suchen, Hilfe finden (3/5) Anzahl Bilder 5 Bilder · Doku Quelle: ZDF 37 Grad - Hilfe suchen, Hilfe finden (4/5) Anzahl Bilder 5 Bilder · Doku 37 Grad - Hilfe suchen, Hilfe finden (5/5) Anzahl Bilder 5 Bilder · Doku Weitere Reportagen 37 Grad - Wir wollten nur raus Untertitel Deutsche Gebärdensprache Audiodeskription Das Zuchthaus Cottbus war eines der größten politischen Gefängnisse der DDR. Heute ist dort ein Menschenrechtszentrum. 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