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ZDF-Mediathek ZDF
Wird am 20.12.2026 um 23:42 Uhr depubliziert

Es sind Menschen, die oft bis zur Erschöpfung arbeiten und ihren Job mit großem Engagement ausüben. Aber keiner der drei Protagonisten hat mehr als 1.300 Euro netto im Monat zur Verfügung. Knochenjob oder Traumberuf? Im Supermarkt Der 20-jährige Miguel arbeitet in einem Supermarkt in Leipzig. Ein paar Tausend Artikel zieht er jeden Tag über den Scanner. Die Kunden machen ihm sein Leben als Kassierer nicht immer leicht. Viele hat er schon beim Klauen erwischt, für andere ist er der Blitzableiter, wenn sie schlecht gelaunt sind. Er studiert Beziehungsdramen, die sich an der Kasse abspielen, ärgert sich über Betrunkene, die ihm seinen Job erschweren, und weiß nicht, wie lange er das überhaupt durchhält. In der Bäckerei Sonja ist 46 und seit 30 Jahren Bäckereifachverkäuferin. Mittlerweile ist sie Filialleiterin in Wiesbaden. Der Wecker klingelt jeden Morgen um 3.45 Uhr, und um 6.00 Uhr öffnet sie den Laden. Auch Sonja hat täglich mit ungeduldigen und unfreundlichen Kunden zu tun. Aber es gibt auch die Stammkunden, die sie schätzen und über deren Kommen sie sich freut. Die Arbeit ist mit den Jahren anstrengender geworden. Vor einem Jahr ist sie zum ersten Mal zusammengebrochen. Die Belastung war für die alleinerziehende Mutter einfach zu groß. Im Modehaus Katharina (22) arbeitet in einem Modehaus in Fulda. Sie verkauft Mode nur für Frauen und hat vor einem halben Jahr ihre Ausbildung abgeschlossen. Harte Arbeit und bescheidenes Gehalt. Um finanziell über die Runden zu kommen, lebt sie noch bei ihren Eltern. Sie fühlt sich unterbezahlt für die Menge an Arbeit, die sie leistet. Am schlimmsten sind die Tage, an denen die Tische zerwühlt und die Umkleidekabinen vollgestopft mit anprobierten Kleidungsstücken zurückgelassen werden und niemand Wert auf Katharinas Beratung legt. Trotzdem verkauft sie Mode aus Leidenschaft. Der Servicegedanke hat sie schon immer fasziniert und begeistert, auch wenn das Verhalten manch einer Kundin hin und wieder zu einer echten Herausforderung werden kann. Die Autorin Tina Radke-Gerlach über ihren Film Stress auf beiden Seiten Während der Recherchen zu dieser 37 Grad-Reportage habe ich mich immer wieder gefragt, wie ich mich als Kundin fühle, wenn ich in der Bäckerei, im Supermarkt oder im Modehaus einkaufen gehe. Unangenehm erlebe ich es oft im Supermarkt. Je schneller die Kassierer*innen meine Waren über den Scanner ziehen, desto mehr komme ich in Stress. Da ist das Einpacken nicht schnell genug, und die Kunden hinter mir stehen schon mit ungeduldigen Blicken da. Ich habe den Eindruck die Geschwindigkeit an den Supermarktkassen ist mit den Jahren kontinuierlich gestiegen. Das macht es mir als Kundin nicht unbedingt leichter und den Mitarbeitern schon gar nicht. Wie interessant könnte ein kurzes Gespräch an der Kasse sein, denn dort trifft sich schließlich die gesamte Gesellschaft. Auch die Bäckerei steht in meiner Beliebtheitsskala nicht ganz oben. Der herrliche Geruch der frischen Backwaren führt meistens dazu, dass ich mehr kaufe als ursprünglich geplant. Doch auch hier hat sich leider viel verändert. Spätestens seit Corona sind die Warteschlangen oftmals so lang, dass alles ganz schnell gehen muss, mir die nächste Kundin im Nacken sitzt, und ich das Geld möglichst schon abgezählt bereithalten sollte. Die Verkäufer*innen machen oft einen gestressten Eindruck, weil sie nicht nur fürs Verkaufen zuständig sind. Zwischendurch backen, Kaffeemaschine bedienen, Kunden im dazu gehörenden Café bedienen, putzen usw. - was für ein Knochenjob. Am liebsten gehe ich eigentlich Mode shoppen, wenngleich auch das lange nicht mehr so viel Spaß macht wie vor der Pandemie. Herumschlendern und sich inspirieren lassen ist mit Maske im Gesicht wenig attraktiv. Knochenjob oder Traumjob? Und wie geht es den Verkäufer*innen? In der Bäckerei, im Supermarkt, im Modehaus? Machen sie ihren Beruf aus Leidenschaft und mit Herz? Was sind ihre Herausforderungen im Alltag? Wenn ich in den Medien über sie lese oder höre, dann geht es eigentlich immer um die schlechten Arbeitsbedingungen und den miesen Verdienst in systemrelevanten Berufen. Stimmt das? Knochenjob oder Traumjob? Mein Ausflug in die Welt der Einzelhandelsverkäufer ist in vielerlei Hinsicht überraschend. Ganz bewusst haben wir drei Protagonisten gesucht, die ihren Job zwar als anstrengend empfinden, ihn aber trotzdem gerne machen. Schon die ersten Recherchen stellen uns vor ungeahnte Herausforderungen. Die Kooperationsbereitschaft der großen Dienstleister ist nicht gerade groß. Die Angst, dass hier wieder einer der vielen Filmberichte über Ausbeutung von Mitarbeitern entstehen soll, ist überall zu spüren. So vergehen erst einmal Monate, bis wir langsam Vertrauen aufbauen können und irgendwann drei Verkäufer*innen finden, die bereit sind, über ihren Alltag vor der Kamera zu erzählen. Ein Blick auf Deutschlands Einkaufswelt - unsere drei Protagonisten arbeiten im Niedriglohnsektor, in der Bäckerei, im Supermarkt und im Modehaus. Keiner von Ihnen hat mehr als 1.300 Euro netto im Monat. Studien an der Supermarktkasse Miguel arbeitet als Kassierer in einer Supermarktkette in Leipzig.  Dass es ein so harter Job ist, damit hatte der 20-Jährige nach seiner dreijährigen Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann nicht gerechnet. Es sind nicht nur die langen Arbeitszeiten und die 6-Tage-Woche. 300 Mal am Tag ’Guten Tag‘, 300 Mal ‚Auf Wiedersehen‘, 300 Mal ‚Danke‘, 300 Mal ‚Haben Sie eine Kundenkarte?‘ – nicht gerade ein abwechslungsreiches Arbeitsleben.  Ein paar tausend Artikel zieht er jeden Tag über den Scanner. Und die Kunden machen ihm sein Leben als Kassierer schwer. Um nicht jeden Abend völlig gestresst nach Hause zu kommen, hat sich Miguel angewöhnt, in Gedanken kleine Psychogramme zu erstellen, denn ein Warenkorb verrät viel. Und in kaum einem anderen Beruf lassen sich täglich so viele Menschen beobachten. Von seinem Platz hinter der Kasse hat er einen Blick auf das unverfälschte Leben. Miguel weiß ziemlich genau, wer seiner Kunden Alkoholiker ist, wer mit Essstörungen zu kämpfen hat und wie das Essverhalten generell ist. Auch die kleinen Beziehungsdramen, die sich an der Kasse abspielen, studiert er gerne und merkt genau, wenn aus dem Pärchen- plötzlich ein Singleeinkauf wird. Manchen Kunden steht die Schamröte im Gesicht, wenn sie die Erotikzeitschrift oder die Kondome mit der Rückseite nach oben auf das Kassenband legen. Andere hat der freundliche Kassierer schon beim Klauen erwischt, und das, obwohl fast alle genügend Bargeld dabei hatten. Die meiste Geduld braucht Miguel, wenn es ans Zahlen geht. Bis die Karten gefunden und Pins eingetippt sind, vergeht meist zu viel Zeit, aber er muss nett und freundlich bleiben. Wenn ihn dann die strafenden Blicke der wartenden Kunden in der Schlange mal wieder unter Druck setzen, wird es richtig anstrengend. Am schlimmsten ist für Miguel, wenn er beleidigt und bedroht wird, zum Beispiel von betrunkenen Kunden, die er freundlich aus dem Laden bitten muss. Es gibt Tage, da fühlt er sich minderwertig, wie ein Mensch zweiter Klasse, wenn er während der 10-Stunden-Schicht mal wieder so behandelt wurde. ‚Für viele Kunden bin ich der Blitzableiter‘ sagt der 20-Jährige. Dann plagen ihn nachts auch schon mal Albträume. Doch am nächsten Morgen setzt sich Miguel wieder mit frischem Optimismus an seine Kasse. Sein Arbeitsstil beeindruckt mich sehr. Immer freundlich, immer ein offenes Ohr für die Kunden. Dafür braucht man gute Schuhe Geschichten wie die von Miguel hat auch die die 22-Jährige Katharina schon erlebt. Sie verkauft Mode nur für Frauen in einem Modehaus in Fulda und hat vor einem halben Jahr ihre Ausbildung abgeschlossen. Um finanziell über die Runden zu kommen, lebt Katharina noch in ihrem Elternhaus in Gelnhausen. Das bedeutet täglich zweimal 45 Minuten Zugfahrt zusätzlich zur 40-Stunden-Woche. Die Belastungen am Arbeitsplatz nehmen zu. Am schlimmsten sind die Tage, an denen es Sonderangebote gibt. Dann sind die Tische zerwühlt, die Kleidung liegt auf dem Boden und die Garderoben sind vermüllt. Wenn Kunden ihre Größen nicht sofort finden, werden sie schnell aggressiv, und in den Umkleiden lassen sie die probierte Ware einfach auf dem Boden liegen. Trotzdem ist Katharina Verkäuferin aus Leidenschaft und liebt es, mit Kundschaft zu arbeiten. Der Servicegedanke hat sie schon immer fasziniert, doch dass der Kunde immer König ist, wird auch mal unerträglich. Dazu kommt der Verkaufsdruck. Eine zusätzliche Prämie zum mageren Gehalt bekommt sie nur, wenn sie ein bestimmtes Umsatzziel erreicht. Das führt nicht immer zu entspannter Stimmung unter den Kolleg*innen. Dass sie sich in acht Stunden zwischendurch nicht hinsetzen darf, daran hat sie sich endlich auch gewöhnt. Trotzdem ist Katharina abends todmüde, wenn sie den ganzen Tag auf den Beinen war. Ein Job, den man nur in guten Schuhen durchhält. Hartes Brot Dass Kunden sich tatsächlich als Könige fühlen, darüber kann auch die 46-Jährige Bäckereifachverkäuferin Sonja viele Geschichten erzählen. Seit dreißig Jahren verkauft sie Backwaren in Wiesbaden. Mittlerweile ist sie Filialleiterin – ein ‚hartes Brot‘. Seit ihre Bäckerei ein angeschlossenes Café betreibt ist es noch anstrengender geworden, weil Sonja auch oft Wochenenddienst hat. Eigentlich ist ihr Job abwechslungsreich, denn Sonja macht alles, vom Putzen, Rohlinge backen, Bedienen der Öfen, Organisieren, Hygienemaßnahmen überprüfen, Aufräumen und natürlich Verkauf. Doch der Stress nimmt zu und geht nicht spurlos an ihr vorbei. Das frühe Aufstehen, die langen Arbeitszeiten, die Unfreundlichkeit der Kunden, und dafür kaum mehr als Mindestlohn. Als sie vor vielen Jahren anfing war Sonja noch reine Fachverkäuferin, doch heute ist ein ‚Bäckerei-Allround-Beruf‘ aus ihrem Job geworden. Zum Glück kommt sie morgens um vier gut aus dem Bett, denn für Morgenmuffel ist der Beruf noch härter. Immer freundlich zu den Kunden sein ist oberstes Gebot. Doch diese werden leider immer unfreundlicher. Wenig Lob und viel Kritik - das ist für Sonja die größte Herausforderung. Manche rasten aus, weil es eine bestimmte Brötchen- oder Brotsorte nicht gibt. Einfachste Höflichkeitsformeln wie ‚Hallo‘, ‚Tschüss‘, ‚Bitte‘ und ‚Danke‘ werden immer seltener. Kürzlich wurde Sonja von einer Kundin als unfreundlich und inkompetent beschimpft und mit einer Brezel beworfen. ‚Jetzt habe ich so lange Berufserfahrung‘ sagt Sonja, ‚aber in solchen Situationen bin ich unsicher, ob ich das noch lange schaffe.‘ Vor einem Jahr ist sie zum ersten Mal zusammengebrochen. Die Belastung war einfach zu groß für die alleinerziehende Mutter. Am Ende der Dreharbeiten bin ich tief beeindruckt von Sonja, Miguel und Katharina, die oft am Limit arbeiten, und ihren Job trotzdem mit so viel Hingabe ausüben. Vor allem die Gelassenheit, mit der sie mit all den gängigen Vorurteilen umgehen, und die Freundlichkeit trotz vieler ungeduldiger und unfreundlicher Kunden verdienen größten Respekt! </ul> </section> Mehr Filme über Menschen, die für uns arbeiten 37 Grad - Die Sauberfrauen&nbsp; Untertitel Deutsche Gebärdensprache Audiodeskription Sie schrubben Böden, wienern Fenster, putzen Toiletten, machen den Dreck weg. 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Herkunft: ZDF-Mediathek
Sender: ZDF
Depublizierung: 20.12.2026 23:42 Uhr
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