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Schlag ins Herz

ZDF-Mediathek ZDF
Wird am 07.12.2026 um 00:18 Uhr depubliziert

Laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums wird etwa jede vierte Frau mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt durch ihren aktuellen oder früheren Partner. Betroffen sind Frauen aller sozialen Schichten. An jedem dritten Tag wird eine Frau in Deutschland von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Auch Männer sind betroffen, auch sie können Opfer werden. 37 Grad hat Betroffene von häuslicher Gewalt begleitet, einen Täter befragt und ein Frauenhaus besucht. "Es kann jede treffen." Die allein erziehende Jenny war auf der Suche nach Liebe und Glück, als sie eines Tages ihren vermeintlichen Traummann kennenlernte. "Ich war wie in einer Schockstarre, ich habe noch nie in so hasserfüllte Augen geschaut", sagt Jenny heute, wenn sie daran denkt, wie ihr Ex-Partner das erstmal zuschlug. Am nächsten Morgen flieht sie mit ihrer Tochter zu einer Freundin, doch nach unzähligen Reueschwüren verzeiht sie ihm und kehrt zurück. Ein Fehler, denn Demütigungen und Gewalt werden zum Alltag, bis sie fürchten muss, zu sterben. Jenny sagt: "Es kann jede treffen." Letzte Zuflucht: Frauenhaus Wenn die Gewalt eskaliert, können Frauen in ein Frauenhaus flüchten. Daniela Albring leitet ein autonomes Frauenhaus in Nordrhein-Westfalen. Sie weiß: "Es ist nicht immer nur das typische blaue Auge, was wir so denken, oh, das ist Gewalt, sondern es fängt viel, viel eher an. Und schraubt sich wie eine Spirale immer weiter über Jahre." Eine Betroffene, die in dieses Frauenhaus floh, berichtet von ihren Gewalterfahrungen. Jahrelang wurde sie von ihrem Mann eingesperrt und schwer misshandelt. Ihr gelang mit ihren Kindern die Flucht ins Frauenhaus, doch seitdem muss sie um ihr Leben fürchten, denn ihr Ex-Partner droht ihr, sie umzubringen. "Man muss sich schon bewusst machen, dass die Frauen, die hierhin kommen, dass es wirklich oft lebensbedrohlich ist und der letzte Schritt ist", betont die Frauenhausleiterin Daniela Albring. Auch Männer werden Opfer von Gewalt Auch wenn 81 Prozent aller Menschen, die häusliche Gewalt erleben, weiblich sind, gibt es auch Männer, die Gewalt in der Partnerschaft erleben. "Wer glaubt schon einem Mann, der sagt: Ich werde von meiner Partnerin misshandelt", dachte sich der heute 39-jährige Tami Weissenberg (Name geändert). Jahrelang hat er eine Beziehung ausgehalten, die von psychischer und physischer Gewalt gegen ihn geprägt war. "Die letzten Jahre war nur noch der Wunsch, o. k., wenn du das und das jetzt machst, dann hast Du vielleicht für ein paar Stunden, für ein paar Tage, vielleicht eine Woche, Deine Ruhe vor dem nächsten Übergriff. Es gab diese Momente, wo ich mir dessen bewusst war, was mir passiert und ich mir auch dessen bewusst war, das kannst du auch gar nicht mehr länger ertragen." Wie so viele, sah auch er jahrelang keine Möglichkeit, sich von seiner Partnerin zu lösen, auch weil es keine Hilfsangebote für Männer gab. Dass sich das ändert, dafür setzt er sich heute ein. Lernen, Verantwortung zu übernehmen Der 37-jährige Martin (Name geändert) konnte nie verstehen, wie Männer ihren Frauen gegenüber gewalttätig werden können, bis auch er zuschlug. Hilfe hat er beim Projekt ORANGE in Thüringen gesucht und gefunden. ORANGE ist ein Unterstützungs- und Beratungsangebot zur Verhaltensänderung für Männer, die in Partnerschaften gewalttätig geworden sind. Primäres Ziel eines sozialen Trainingsprogramms ist die Vermeidung erneuter Gewalt. Christoph Kuchinke ist für ORANGE als Sozialarbeiter tätig. "Es geht hier nicht um Schuld, das entscheidet das Gericht, hier geht es um Verantwortung. Also wir sagen: Alles, was du tust, ist deine Verantwortung." 80,5 Prozent der Opfer sind Frauen 2020 wurden laut BKA insgesamt 148.031 Menschen Opfer von Partnerschaftsgewalt. 119.164 Betroffene waren weiblich, das sind 80,5 Prozent. Immer häufiger müssen Frauen, die sich in einer Notsituation an ein Frauenhaus in ihrer Nähe wenden, abgewiesen werden, weil alle Plätze belegt sind. Experten gehen davon aus, dass sich durch die Corona-Pandemie die Situation in den Haushalten deutlich verschärft hat. Aktuelle Zahlen gibt es noch nicht, aber die Sorgen- und Hilfstelefone melden einen Anstieg von Anrufen. 37 Grad begleitet Menschen, die sich selbst fragen, wie sie in eine solche Beziehung geraten konnten. Was haben sie hinter zumeist verschlossenen Türen erlebt? Wie gehen sie damit um? Wie reagiert das Umfeld? Und wie kann effektive Hilfe aussehen? 37 Grad - Gewalt gegen Frauen&nbsp; Gewalt, das sind nicht nur Schläge - auch psychische Gewalt: Demütigungen, Drohungen, soziale Isolation oder wirtschaftlicher Druck gehören dazu. Doku Hilfe bei Gewalt in der Familie Stärker als Gewalt Betroffene von Gewalt in der Familie sind oft wie im Tunnel. Sie sehen keinen Ausweg. Auch wenn das Thema sehr schambesetzt ist, holen Sie sich Hilfe. Vertrauen Sie sich einer Person außerhalb der Familie an. Sie können sich auch an folgende Stellen wenden:  Was kann ich tun? Wenn Sie sich in ihrer Beziehung immer wieder unwohl, angespannt oder ängstlich fühlen, dann stimmt was nicht. Dann holen Sie sich Hilfe. Hier. Hilfe für betroffene Frauen Die Nummer 08000 116 016 ist das bundesweite Hilfetelefon für Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind. Hilfe für betroffene Männer Unter der Nummer 0800 123 9900 können von Gewalt betroffene Männer sich Hilfe holen und das Schweigen brechen. Nummer gegen Kummer Darüber reden hilft. Die Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 116111. Eltern bekommen Hilfe unter 0800 1110550. </ul> </section> Die Autorin Nathalie Suthor über ihren Film Schockierende Zahlen Als ich die Zahlen und Fakten das erste Mal bewusst las, war ich geschockt und sprachlos zugleich: Jede Stunde werden in Deutschland durchschnittlich 13 Frauen Opfer von Gewalt in der Partnerschaft. Das geht aus der jüngsten Statistik des Bundeskriminalamts hervor. Laut des Bundesfamilienministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist jede dritte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen. Etwa jede vierte Frau wird mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt durch ihren aktuellen oder früheren Partner. Betroffen sind Frauen aller sozialen Schichten. Warum werden Frauen nicht besser geschützt? Die Frauenhaus Leiterin Daniela Albring erzählte mir, wie ihre Kolleginnen einmal resigniert zu ihr meinten, sie könnten in den Keller des Frauenhauses gehen, die Berichte der vergangenen Jahrzehnte hervorholen und belegen, dass sich nichts in diesem Problemfeld tut. Ist Gewalt gegen Frauen ein gesellschaftlich akzeptiertes Phänomen? Ich gestehe, ich hatte Berührungsängste als ich den Betroffenen gegenüberstand. Für mich ist es unbegreiflich, wie man auf der einen Seite körperliche Gewalt ausüben kann und auf der anderen Seite körperliche Gewalt oft Jahre lang aushält. Dann erfuhr ich ihre Geschichten, wie sie da reingeraten sind und warum sie nicht früher gegangen sind. Mir wurde klar, dass häusliche Gewalt jeden treffen kann und dass es fatal ist wegen einer Berührungsangst, nicht auf die Menschen zuzugehen, wenn man sieht, da stimmt etwas nicht oder da geht etwas vor sich. Jenny Schmetzer erzählte mir, wie sie auf offener Straße von ihrem Ex-Partner zusammengebrüllt und –getreten wurde und keiner half. Nicht nur Frauen... Das Bundeskriminalamt registrierte im letzten Jahr 146.655 Fälle von Partnerschaftsgewalt. 139 Frauen und 30 Männer wurden durch ihren aktuellen oder ehemaligen Partner getötet. Ja, auch Frauen misshandeln ihre Partner. Tami Weissenberg ist einer der wenigen Männer, die ihre Geschichte öffentlich machen, auch, um das Tabu zu brechen, denn Scham hilft keinem beim Thema häuslicher Gewalt. Doch was tun? Deutschland hat die sogenannte Istanbul Konvention unterschrieben. Die Unterzeichnerstaaten verpflichten sich offensiv gegen Gewalt gegen Frauen vorzugehen. Einen besonderen Fokus legt die Konvention auf häusliche Gewalt. In Deutschland stehen im Moment knapp 7.000 Frauenhaus-Plätze zur Verfügung, hinzu kommen Plätze in Schutzwohnungen und auch Plätze für Männer. Laut der Istanbul-Konvention sollten es allerdings mehr als dreimal so viele Plätze sein, also mindestens 21.000. Der Mangel an Plätzen ist für Betroffene lebensgefährlich. Im Schnitt versucht jeden Tag ein Mann, seine Partnerin oder ehemalige Partnerin zu töten, meistens dann, wenn die Frau sich trennen will. Jeden zweiten bis dritten Tag gelingt es ihm. Was bleibt? Ich bleibe schockiert, aber hoffe, dass der Film dazu beiträgt, das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen. Ich danke allen Beteiligten des Films, für ihren Mut und ihre Offenheit. Ich werde ab jetzt ganz genau hinschauen. </ul> </section> Weitere Reportagen 37 Grad - K.o. getropft&nbsp; Untertitel Audiodeskription "Ein Junge hat einen Drink ausgegeben. Wir haben getanzt, und dann wird es dunkel mit meinen Erinnerungen. Wie eine Art Filmriss." Am Morgen wacht Nina nur halb bekleidet im Park auf. Was ist … 15.05.2018 Videolänge 28 min · Doku UT AD Jetzt abspielen 37 Grad - Das dunkle Geheimnis&nbsp; Untertitel Audiodeskription In Deutschland erfährt jedes siebte Kind sexuelle Gewalt. Besonders häufig stammt der Täter aus der eigenen Familie oder dem familiären Umfeld. Der Hort des Vertrauens wird zur Gefahr. 27.02.2018 Videolänge 29 min · Doku UT AD Jetzt abspielen 37 Grad - Verratene Liebe&nbsp; Untertitel Deutsche Gebärdensprache Audiodeskription Loverboys geht es nicht um Liebe, wie es der Begriff vermuten lassen könnte. Liebe wird von den Tätern nur vorgetäuscht, um ihre Beute zu manipulieren. Loverboys sind Zuhälter. 24.08.2020 Videolänge 28 min · Doku UT DGS AD Jetzt abspielen 37 Grad - Verliebt, verheiratet, verrechnet&nbsp; Untertitel Deutsche Gebärdensprache Audiodeskription Tanja, Claudia und Andrea – drei Frauen und Mütter, ein Schicksal: Als ihre Kinder geboren wurden, haben sie sich finanziell voll und ganz auf ihre Ehemänner verlassen. 04.12.2020 Videolänge 28 min · Doku UT DGS AD Jetzt abspielen 37 Grad - Sexuelle Belästigung: Vier Jahre #MeToo&nbsp; #MeToo, das heißt ich habe es - nämlich sexuellen Missbrauch - auch erlebt. Der Begriff ist heute Inbegriff für den Kampf gegen sexuelle Übergriffe auf der ganzen Welt. 01.11.2021 Doku Jetzt ansehen 37 Grad - Frauen im Knast&nbsp; Untertitel Audiodeskription Mehr "Zickenkrieg" und weniger harte Gewalt - das gehört zum Alltag im Frauenknast. Knapp sechs Prozent aller Inhaftierten in Deutschland sind Frauen. 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Bildquelle: ZDF Presseportal
ZDF
Herkunft: ZDF-Mediathek
Sender: ZDF
Depublizierung: 07.12.2026 00:18 Uhr
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