3satDokumentarfilmzeit

Die Wache

Dokumentarfilm von Eva Wolf, Deutschland 2020
89min
Quelle: ARD-Pressebild
Quelle: ARD-Pressebild

Polizeiarbeit scheint aus Krimiserien allgemein bekannt. Aber wie sieht der Alltag einer Polizeiwache tatsächlich aus? Was fordert die Beamt*innen heraus, und wann stoßen sie an Grenzen?

Dokumentarfilmerin Eva Wolf hat über Monate Beamt*innen bei ihrer Arbeit begleitet und Einblicke in Routineabläufe und fordernde Einsätze bekommen. Sie wissen nie, was sie erwartet, wenn sie zum Einsatz fahren. Aber immer müssen sie angemessen reagieren.

Die Polizei – einerseits brauchen wir sie und verlassen uns auf ihren Schutz, andererseits gibt es immer wieder Skandale, wenn bei einem Polizeieinsatz oder durch einzelne Beamte Grenzen des Rechtsstaats überschritten werden. Keine andere staatliche Behörde ist in Deutschland gleichzeitig so dringend gebraucht wie umstritten.

Es dauerte Jahre, bis Eva Wolf ("Intensivstation") hinter die Kulissen der Polizei blicken durfte. Schließlich konnte sie im Bundesland Nordrhein-Westfalen Pressesprecher, Polizeipräsidenten und den Innenminister von ihrem Dokumentarfilm-Vorhaben überzeugen. Das Filmteam durfte die Polizisten der Wache Friesenring in Münster begleiten und ihre unterschiedlichen Einsätze aus der Innenansicht erfahrbar machen.

Entstanden ist ein einfühlsames Porträt von Menschen, die keine Routine kennen, nur Erfahrung. Gezeigt wird ihr Blick auf unsere Gesellschaft. Deutlich wird der schmale Grat zwischen Befugnissen und Grenzen in der Polizeiarbeit, welche Situationen den Menschen hinter den Uniformen nahe gehen und welchen Umgang sie damit finden.

Der Film zeigt die Arbeit der Polizist*innen einer Wache in Münster, wo die Zahl der Kriminaldelikte nicht hoch ist, und dennoch ist jeder Einsatz eine Herausforderung. Die Zuschauer*innen erleben Beamt*innen auf Streife, die zu einem Notfall gerufen werden oder zur Festnahme eines Diebs ebenso wie Polizist*innen auf der Wache, die sich mit einer Ärztin über die Ingewahrsamnahme eines Randalierers abstimmen, der eine Gefahr für seine Umgebung darstellen könnte. Sie sind dabei, wenn zwei Beamte bei einem lautstarken häuslichen Streit mit dem gewaltbereiten Ehemann diskutieren – ein Einsatz, der sie noch im Nachhinein beschäftigt, stoßen sie doch hier an die Schwelle der Privatsphäre. Sollen sie den Mann mitnehmen oder nicht?

Wo sie hinkommen, ist immer etwas vorgefallen. Jemand braucht ihre Hilfe, oder sie müssen sich jemandem entgegenstellen, vielleicht Gewalt anwenden, möglicherweise sogar ihre Dienstwaffe zum Einsatz bringen. Was macht das mit ihnen? Und warum haben sie sich für die Polizei und speziell den Streifendienst entschieden, in dem sie permanent in Kontakt mit "dem Bürger" kommen?

Der Film zeigt eine Innenperspektive der Polizei und gewährt Einblicke in die alltägliche Arbeit, die einem normalerweise nicht eröffnet sind. Das Bestreben von Eva Wolf mit ihrem beobachtenden Ansatz war es, die Situation so wenig wie möglich zu beeinflussen und nur zu drehen, was sie mit den Polizist*innen erlebte. Sie verzichtet auf Kommentare oder Bilder, die über das Geschehen vor der Kamera hinausgehen. Dadurch gewinnt der Film an Authentizität, bildet aber eben erst einmal nur konkrete Ausschnitte aus der Polizeiarbeit ab.

Viele Themen, die im Zusammenhang mit "der Polizei" diskutiert werden, bleiben unberücksichtigt. Erst aus den Zwischentönen und der genauen Beobachtung werden Strukturen und Handlungsweisen sichtbar, über die sich die Zuschauer*innen ein eigenes Urteil bilden können.

Die Polizist*innen vor der Kamera geben ein positives Bild ab, und die Polizei insgesamt ist bemüht, ihr Bild in der Öffentlichkeit weitgehend zu kontrollieren. Dem konnte sich auch das Filmteam nicht entziehen. Die Autorin legt zu Beginn des Film offen, wie ihre Aufnahmen entstanden sind. Trotzdem ist "Die Wache" kein Imagefilm für die Polizei geworden. Denn nichts ist gestellt oder für die Kamera inszeniert. Die Polizist*innen sind nicht gecastet. Dementsprechend wird sofort deutlich: Es gibt nicht DIE Polizei. Die Polizist*innen sind hinter ihrer Uniform sehr unterschiedlich, kommen aus ganz unterschiedlichen Backgrounds und sind alles andere als eine homogene Gruppe. In "Die Wache" lernt man einige von ihnen mit ihren Geschichten kennen.

Quelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 18.10.2021 um 22:28 Uhr auf 3sat.

18.10.2021
22:28
Art:Dokumentarfilm
Kategorie:Spielfilm
Themenbereich:Gesellschaft allgemein
Erstsendung: 3sat
Alternative Ausstrahlungstermine:
18.10.2021 22:28 Uhr 3sat