Rabiat: Scheißjob Bulle?

Film von Manuel Möglich
45min
Quelle: ARD-Pressebild
Quelle: ARD-Pressebild

Freund und Helfer - oder wütige Ordnungskraft? Das Bild von Polizisten in Deutschland ist gespalten. Es muss und soll sich etwas ändern, sind sich die Verantwortlichen einig. Aber wie?

Und vor allem: mit welchem Personal? Wie steht es um den Job im Dienst der Gesellschaft vorm Fußballstadion und beim Weltkongress, aber auch beim täglichen Einsatz? Reporter Manuel Möglich ist auf Spurensuche in einer Großorganisation im Wandel.

Wachwechsel bei der Polizei: Nach 20 Jahren Sparkurs, nach Revierschließungen, übervollen Arbeitszeitkonten und Beförderungsstau investieren Bund und Länder wieder. Vielmehr, sie müssen investieren: Die Babyboomer gehen in Pension, die Lage im Land verändert sich, besonders an den Rändern. Der Respekt zerbröselt, Clan-Kriminalität, Wirtschaftsverbrechen, Terror, Radikalismus und Cybercrime sind an der Tagesordnung. Innere Sicherheit ist das wichtigste Thema.

Erneuern und verstärken, das sind die Chancen. Innerhalb des Jahres 2017 kam es zu einem Personalanstieg von rund 6100 Beschäftigten. Das ist der größte Zuwachs seit über 20 Jahren. Mehr Frauen, mehr Beamte mit Migrationshintergrund, mehr bunte Republik.

Gleichzeitig ist die Polizei unter Druck. Das Gebot der Zukunft: Transparenz und Verhältnismäßigkeit auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Leichter gesagt als getan. G20, Hambacher Forst, NSU 2.0 werfen lange Schatten. Immerhin: Laut Forsa-Umfrage 2019 haben 78 Prozent der Deutschen Vertrauen in die Polizei.

In Bremen begleitet die Reportage "Scheißjob Bulle?" eine Hundertschaft zu einem Bundesligaspiel. Tags drauf trainiert Manuel Möglich mit einem anderen Zug, lernt den MES - im Volksmund "Gummiknüppel" genannt - und Abwehrtechniken am eigenen Leib kennen. Trainingspartner Jesper macht keinen Hehl daraus, dass manche Einsätze der Bereitschaftspolizei einiges von ihm und seinen Kollegen abverlangen: "Man wünscht sich manchmal, dass das Gegenüber auch den Menschen unter der Uniform sieht, der Familie hat und nach dem Dienst einfach nach Hause gehen will. Und das am besten gesund. Wenn man bespuckt wird oder von Clownsarmen mit Urin bespritzt wird, da fragt man sich schon: Ist das der richtige Job?"

Verdecktes Interview, irgendwo in Deutschland: Der Protagonist arbeitet als Polizeitrainer und geht seine Behörde in der "Rabiat"-Reportage deutlich an: "Entgegen der landläufigen Meinung sind Polizisten kein Querschnitt der Gesellschaft. Schon auf der Suche wird sehr deutlich nach einem bestimmten Persönlichkeitsprofil gefiltert. Deswegen findet man bei der Polizei tendenziell eher konservative Menschen mit einer 'Law & Order'-Mentalität und eben deutlich mehr Mitte-rechts-lastig politisch Eingestellte als Mitte-links."

Die, die noch ganz am Anfang ihrer Polizeilaufbahn stehen, besucht Möglich auf seiner Reise zur Polizeiakademie Nienburg/Weser: Jasmina, Jonas und Jan sind Anfang 20, seit wenigen Monaten erst in der Ausbildung und noch Beamte auf Widerruf. Sie schießen an diesem Tag zum ersten Mal im Training mit der Maschinenpistole MP5. Einige Wochen später werden sie mit 1600 anderen Anwärtern in Hannover bei der bis dato größten Vereidigung Niedersachsens von Boris Pistorius, Minister für Inneres und Sport, vereidigt.

Wie sollte die Polizei in der Zukunft aussehen? Sind die Reformen der Polizeigesetze der richtige Weg? Welche Chancen liegen in der nächsten Generation, welche Risiken birgt der Umbruch? Und was tun, wenn die Polizei versagt? Braucht es vielleicht eine unabhängige Behörde, die fehlerhafte Polizeiarbeit aufklärt? Die Reportage "Scheißjob Bulle?" geht diesen und anderen Fragen auf den Grund.

Quelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Freitag, den 14.02.2020 um 20:15 Uhr auf 3sat.

14.02.2020
20:15
Livestream
Art:Dokumentation
Kategorie:Gesellschaft
Themenbereich:Arbeits- und Berufsleben
Erstsendung:27.05.2019 ARD/RB
Alternative Ausstrahlungstermine:
14.02.2020 20:15 Uhr 3sat