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Irland ganz anders

Seit Michael Higgins das erste Mal zum Präsidenten Irlands gewählt wurde, ist sein Land kaum mehr wiederzuerkennen. Dabei ist das gerade mal sieben Jahre her. Damals lebte der keltische Tiger von Finanzhilfen der EU, eine harte Sparpolitik quälte die Bürger, inzwischen gilt das Land als Vorzeigekind für Wege aus der Krise. Und nicht nur wirtschaftlich. Ausgerechnet Irland, wo die katholische Kirche lange mehr zu sagen hatte als das Parlament, hat in den letzten Jahren entscheidende Schritte hin zu einem säkularen, fortschrittlichen Staat gemacht.

Dass Regierungschef Leo Varadkar, der offen schwul lebende Sohn eines Einwanderers ist, ist da nur das augenscheinlichste Beispiel. Die Iren setzten in einem Referendum 2015 die Ehe für alle durch und beschlossen im Mai 2018, das strikte Abtreibungsverbot zu reformieren. Sie emanzipieren sich von der langen und autoritären Herrschaft der Kirche. Beim Besuch des Papstes im August 2018 musste der sich massive Kritik von Regierung und Opfern an der mangelhaften Aufarbeitung von tausenden Missbrauchs- und Misshandlungsfällen durch katholische Geistliche anhören.

Viele junge Leute sind zum ersten Mal stolz auf ihr Land. Doch nicht alles ist rosa auf der Grünen Insel. Der Brexit wird kein anderes europäisches Land härter treffen als die Iren, noch immer kämpfen sie mit den Folgen der Finanzkrise, die Kluft zwischen arm und reich ist massiv gewachsen. Und die Aufarbeitung der kirchlichen Missbrauchsskandale wird noch lange dauern und viel Leid zutage fördern.

Vor der Präsidentschaftswahl am 26. Oktober 2018 schauen Diana Zimmermann und das Team aus dem Studio London auf Irland. Reportage von Diana Zimmermann, Yacin Hehrlein, Andreas Stamm

Quelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Freitag, den 11.01.2019 um 03:00 Uhr auf PHOENIX.