Sound of Heimat – Deutschland singt

2012

Sound of Heimat – Deutschland singt ist ein 2011/2012 produzierter deutscher Dokumentarfilm der Kölner Regisseure Arne Birkenstock (12 Tangos, Chandani und ihr Elefant) und Jan Tengeler. Kameramann war Marcus Winterbauer, der bereits bei den Kino-Dokumentarfilmen Chandani und ihr Elefant, Rhythm Is It! und Full Metal Village die Kamera führte. Für den Schnitt zeichneten Volker Gehrke und Katharina Schmidt verantwortlich. Der Film wurde von den Kölner Produktionsfirmen Fruitmarket Kultur und Medien und Tradewind Pictures in Zusammenarbeit mit dem WDR produziert und von der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, der Mitteldeutschen Medienförderung, der Filmförderungsanstalt, den Deutschen Filmförderfonds und dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. Er startete am 27. September im Verleih der 3Rosen GmbH und lief fast vierzig Wochen in den deutschen Kinos. Im Juni erscheint die DVD mit dem Film bei „good!movies“ im Vertrieb von Indigo. Am 25. November 2014 fand die TV-Erstausstrahlung des Filmes im WDR-Fernsehen statt.

In dem musikalischen Dokumentarfilm begibt sich der neuseeländische Musiker Hayden Chisholm auf die Spuren der deutschen Volksmusik quer durch Deutschland. Als Fremder mit unverstelltem Blick und offenem Ohr für Texte und Melodien moderner und traditioneller Musiker trifft er auf eine Vielfalt regionaler Bräuche und Aktivitäten. Die Regisseure Arne Birkenstock und Jan Tengeler beleuchten auch eine in Deutschland weit verbreitete ambivalente Haltung zu Volksmusik und eigenem Heimatverständnis: Themen, die durch die vergangene Ideologisierung und die „heile Welt“ des Musikantenstadls oft in Vergessenheit geraten sind.

Unbeschwert spielt, singt und tanzt Hayden Chisholm mit dem GewandhausChor in Leipzig, der Kneipentruppe „Singender Holunder“ und den Hip-Hoppern um „BamBam Babylon Bajasch“ in Köln, der Jodel-Lehrerin Loni Kuisle im Allgäu, dem Kellerkommando und anderen Bands um die Bamberger Partyreihe „Antistadl“, den Schwestern um das Volksmusik-Kabarett Wellküren in Bayern oder der Rocksängerin Bobo in Sachsen-Anhalt. Er eröffnet überraschende Einblicke in die Vielfalt zeitgenössischer deutscher Volksmusik. Nebenbei widerlegt er einige Vorurteile über die angebliche Verstaubtheit und Heimattümelei und zeigt, wie viel Freude Deutsche an Musik und Gesang haben können.

Die Jury zum Preis der deutschen Schallplattenkritik zeichnete den Film mit dem Jahrespreis 2014 als besten Musikdokumentarfilm aus und begründete ihre Entscheidung wie folgt: "Vom Allgäu bis zur Flensburger Förde, von Köln bis ins Vogtland reiste der musikalische Weltbürger (und Saxophonist) Hayden Chisholm auf der Spur der deutschen Folklore. Dabei entdeckte er eine vitale Vielfalt von Liedern und Tänzen. Statt abgedroschenem Musikantenstadl-Sound gerät plötzlich kölscher HipHop in den Fokus oder vom Bamberger Antistadl rockig gewürzte Volxmusik, von der Sängerin Bobo perfekt mit Jazz gemischte romantische Kunstlieder, ein Jodelkurs oder erzgebirgische Lieder, die der Bandoneonspieler Rudi Vodel über DDR-Drangsale gerettet hatte. Lukullisch gefilmt, beispielhaft dokumentiert und geprägt von einfühlsamer Herzlichkeit, präsentiert sich „Sound of Heimat“ in zwanzig Stationen als ein Lebenselixier. Die durch den Nationalsozialismus deformierte Tradition wird dabei nicht ausgeklammert – mitten in all seiner rhythmischen Farbigkeit erinnert der Film in einer Schwarzweiß-Sequenz an die Musik im KZ Buchenwald. Dennoch: „Die Gedanken sind frei.“ (Für die Jury: Ludolf Bauche)"

Sound of Heimat startete im September 2012 mit 20 Kopien bundesweit in den Kinos. In der Folge einige Kritiken zum Kinostart:

ttt – titel, thesen, temperamente im Ersten: „Volksmusik ohne Deutschtümelei und fernab von Musikantenstadl und Co. SOUND OF HEIMAT ist ein gelungener Dokumentarfilm dank des unverstellten Blicks eines neugierigen Neuseeländers. Unterhaltsam, überraschend und melancholisch – ein Film über die deutsche Seele.“

Spiegel Online beurteilt einen „beeindruckenden Roadtrip“. Der Neuseeländer Hayden Chisholm mache Lust auf Volkslieder.

Das Neue Deutschland schreibt: „Am Ende dieses klug und gefühlvoll inszenierten Dokumentarfilms, der seine Schönheit nicht zuletzt aus Marcus Winterbauers betörenden Landschaftsaufnahmen schöpft, glaubt Hayden Chisholm, den »German Soul« gefunden zu haben. Zauberhafte Melodien, viel Freude und ein sanfter Hang zur Melancholie. Heimat? Ist der Ort, an den man gerne zurückkehrt, mögen die Wurzeln auch gekappt sein. Wie schön, wenn man ihn mit den Ohren erkennen kann.“

Filmecho/Filmwoche berichtete in seiner Ausgabe 37/2012 über den „außergewöhnlichen Dokumentarfilm“ und schloss seine Rezension mit dem Appell an die Kinobetreiber: „Somit sollte ‚Sound of Heimat‘ keineswegs bloß als intellektueller Special-Interest-Titel für die sonntägliche Matinee eingesetzt werden, sondern als toll erzähltes und gefilmtes Kinoerlebnis.“

Im Tagesspiegel heißt es: „Bloß kein Volkslied, sagen die meisten. Das fand der Neuseeländer Hayden Chisholm so skurril, dass er sich mit seinem Saxofon auf den Weg durch die Republik machte und nachfragte, neugierig, naiv, unerschütterlich. Die Stationen: eine Kölner Kneipe, ein Jodelkurs im Allgäu, die Ex-Punker vom Bamberger Antistadl, der Leipziger Gewandhauschor, die Bandoneonisten vom Erzgebirge, eine Avantgarde-Sängerin, die Veteranen von Liederjan. Deutsches Lied, garstig’ Lied: Die politische Seite (Buchenwald, DDR-Propaganda) spart der Film nicht aus. Hält dagegen, macht Laune und steuert neben einer wunderbar hellhörigen Tonspur entspannte Deutschlandbilder bei. Und jetzt alle.“

Die Süddeutsche Zeitung schreibt: „Hayden Chisholm, der als Musiktourist frei von Vorurteilen durchs Land touren kann, hat auf seiner Suche nach dem german soul als Ausdruck der deutschen Seele neben den Neo-Volksmusikern auch Menschen getroffen, die über den ideologischen Missbrauch deutscher Volkslieder in den Konzentrationslagern und in der DDR berichten und über Wurzeln der Entfremdung der Deutschen von ihrer Musiktradition in der Folge.“

Sound of Heimat wurde beworben und unterstützt vom Verband Deutscher Schulmusiker, vom Verband deutscher Musikschulen, von der Bundesvereinigung Deutscher Chorverbände und von der Bundesvereinigung Deutscher Orchesterverbände.

Als einer von 14 Dokumentarfilmen wurde Sound of Heimat von der Deutschen Filmakademie für den Deutschen Filmpreis 2013 vorausgewählt. Beim Internationalen Filmfest Eberswalde („Provinzielle“) erhielt der Film 2013 den Publikumspreis. 2014 zeichnete der Preis der deutschen Schallplattenkritik Sound of Heimat mit dem Jahrespreis 2014 als besten Musik-Dokumentarfilm aus.

Quelle: Wikipedia(deutsch)
Rezension zu Sound of Heimat – Deutschland singt
Thomas Schneider
Thomas Schneider
Online-Redakteur im Haus des Dokumentarfilms

Warum nur tun sich viele Menschen - vor allem in Deutschland - so schwer mit dem Singen? Es ist die vielleicht direkteste Art, um Nähe, Liebe, Freude oder auch Wut auszudrücken. Im Kindergarten, in der Schule oder in den Familien wird gesungen - aber Volksmusik ist heute eher auf die Zielgruppe 60+ ausgerichtet. In dem Dokumentarfilm »Sound of Heimat - Deutschland singt« suchen Jan Dengele und Arne Birkenstock nach Antworten.

Hayden Chisholm ist Musiker, er stammt aus Neuseeland, doch in Köln hat er seit langem seine neue Heimat gefunden. Deutschland ist ihm dennoch in vielerlei Hinsicht bis heute fremd geblieben. Vor allem musikalisch ist ihm Nähe und Distanz der Deutschen zu ihrer Volksmusik ein Rätsel. Als Protagonist des Dokumentarfilms »Sound of Heimat« macht Hayden sich auf die Suche nach den Wurzeln und den vielen Blüten der deutschen Musik.

Zunächst zieht es ihn quasi wie durch einen starken Magneten tief hinab in den Süden. Ins Allgäu, nach Bayern. Fast ein Drittel des sehens- und hörenswerten Films verbringt er dort: Lernt jodeln und lässt sich in Franken von Volksmusik berauschen - jener neuen, wilden Musik, die ihre Antihaltung zu allem, was nach Musikantenstadl klingt, im x postuliert. Kraftvolles Gebläse, Partystimmung und Gaudimusik mit Punk und Polka-Anleihen findet er dort. Ja, die lustigen Bayern. Aber sie sind nicht alleine. Im Osten der Republik findet Hayden erzgebirgische Beschaulichkeit und chorale Gesangeskunst - aber auch durchaus tiefgängige Gedanken. Ganz zum Schluss im Norden ist dann endlich zum Möwengesang Seemannsgebrüll zu hören. Da fühlt sich Hayden ein wenig wie zu Hause.

Dieser Film ist - da hat die Pressemappe wohl recht - ein »Roadmovie zur deutschen Volksmusik«. Doch wie jedes wirklich gelungene Roadmovie geht es dabei weniger um die Stationen, die man bei der Reise erreicht, als um die Wege dazwischen. Und da haben die Produzenten und Autoren dieses Filmes wirklich ein gutes Händchen gehabt. Hayden Chisholm lässt sich von dieser fremden musikalischen Welt zunehmend anstecken. Als Doku-Protagonist lässt er sich im guten Michael-Moore-Stil in die Sache hineinziehen. Auch Smudo von den Fantastischen Vier war für diese Rolle angedacht. Doch vor allem die belastungsfreie Sicht eines nicht bei uns Geborenen ist ein enormer Gewinn für die Glaugwürdigkeit dieser musikalischen Mutmacher-Tour.

Und genau in diesem Momenten wird klar, weshalb Musik so wundervoll sein kann: Sie steckt an, sie bezieht ein, sie umgeht Hindernisse, sie schmeichelt und sie macht sogar Konzentrationslager überlebbar. An einer Stelle fragt sich Hayden, wie es den sein konnte, dass eine deutsche Sängerin sich nicht traute, Volkslieder ihrer Heimat im Ausland zu singen. Genau da hat er den wunden Punkt erreicht. Seine Antwort ist lapidar, aber ermutigend: Musik ist einfach nur Musik - jeder darf sich trauen.

Am Ende steht er in Lederhosen und Tracht auf einer satten Wiese und spielt Dudelsack. Der Neuseeländer lernt uns Deutsch: Volksmusik ist des Volkes Musik. Jeder, wie  er kann. Jeder, wie er will.

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Kinostart:27.09.2012 in Deutschland
weitere Titel:
Sound of Heimat – Deutschland singt
Genre:Dokumentarfilm
Herstellungsland:Deutschland
Originalsprache:Deutsch
Farbe:Farbe
IMDB: 45
Offizielle Webseite:www.soundofheimat.de
Regie:Arne Birkenstock
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Rezensionen:

Datenstand: 19.02.2020 07:59:45Uhr