Mollath – „und plötzlich bist du verrückt“

2015

Mollath „und plötzlich bist du verrückt“ ist ein deutscher Dokumentarfilm von Annika Blendl und Leonie Stade.

Der Film hatte im Juni 2015 seine Weltpremiere auf dem Filmfest München.[1] Er startete am 9. Juli 2015 deutschlandweit in den Kinos.[2] Der Film wurde von der Man on Mars Filmproduktion in Koproduktion mit der Hochschule für Fernsehen und Film München und dem Bayerischen Rundfunk produziert.

Quelle: Wikipedia(deutsch)
Rezension zu Mollath – „und plötzlich bist du verrückt“
Thomas Schneider
Thomas Schneider
Online-Redakteur im Haus des Dokumentarfilms

Es sind rund 7000 Filme bei Youtube über Gustl Mollath abrufbar - ein paar Hundert mehr oder weniger fallen da gar nicht ins Gewicht. Darunter gleich an führender Position die durchaus umfassende SWR-Reportage »Der Fall Mollath« von Monika Anthes und Eric Beres. Google wirft erwartungsgemäß ein paar Fundstellen mehr aus - etwa 237.000. Dort führend ist die eigene Homepage des »Opfers eines Irrtums der deutschen Justiz«, wie Fundstelle zwei - die Wikipedia - konstatiert. Es ist zu diesem Fall vermutlich längst noch nicht alles gesagt, dennoch muss die Frage gestellt werden: macht ein Kinofilm wie »Mollath - Und plötzlich bist du verrückt« tatsächlich noch Sinn? Gibt es noch mehr aufzuklären um diesen komplizierten Fall, der (je nach Sichtweise) zwischen Justizirrtum und Posse einzustufen ist?

Die Antwort ist schnell gegeben, ob es eines Filmes wie »Mollath - Und plötzlich bist Du verrückt« bedarf. Es braucht ihn schon alleine deshalb, weil sich die beiden Regisseurinnen Annika Blendl und Leonie Stade für ihre 93 Minuten langen Strecke viel Zeit nehmen konnten. Viel mehr, als dies für eine Reportage möglich sein könnte. Befreit vom schnellebigen Geschäft der aktuellen Berichterstattung können die beiden Filmemacherinnen, die an der HFF in München studieren und bereits bei dem Film »Nowhereman« zusammen gearbeitet haben, folgen sie Mollath in der Zeit nach seiner Freilassung aus der Verwahrung in einer geschlossenen Psychiatrie bis zu seinem Wiederaufnahmeprozess Mitte 2014.

Das ist viel Zeit, um sich von diesem Mann, den ein Richter ein paar Jahre zuvor als gemeingefährlich genug einstufte, um ihn für lange Zeit wegschließen zu lassen, mehr als nur ein flüchtiges Bild machen zu können. Den verworrenen Fall arbeitet der Film gleich am Anfang mit einem Off-Kommentar ab. Danach können sie mit ihrer (von Eugen Gritschneider geführten) Kamera vor allem eines tun, was die Stärke eines jeden Dokumentarfilms sein sollte: beobachten.

Vor der Kamera äußern sich Rechtsanwälte und Journalisten (meist professionell), Unterstützer des Gustl Mollath (meist emotional) und auch die Person des öffentlichen Interesses selbst. Da gelingt den beiden jungen Filmemacherinnen durchaus eine differenzierte Sichtweise, die zumindest andeutet, dass Mollaths Verhalten auch selbst Grund für Zweifel geben könnte. Eine objektive Darstellung des Falles gelingt nicht - kann es vielleicht nie geben, so lange sich zum Beispiel Mollaths ehemalige Ehefrau nicht äußern kann und will.

Bleibt also nicht die Frage nach dem Sinn des Filmes, sondern nach dem Sinn, diesen ins Kino zu bringen. Gibt es wirklich genug Mollath-Unterstützer, um dem Film eine ökonomische Basis zu bieten? Sind alle anderen nicht durch die bisherige Berichterstattung - siehe Youtube - bereits ausreichend informiert? Da sich der Bayerische Rundfunk an der Finanzierung beteiligte, wird sich diese Frage über kurz oder lang erübrigen. Irgendwann kommt »Mollath« dann auch im Fernsehen. Gut so.

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Kinostart:09.07.2015 in Deutschland
weitere Titel:
Mollath – „und plötzlich bist du verrückt“
Genre:Dokumentarfilm
Herstellungsland:Deutschland
Originalsprache:Deutsch
Farbe:Farbe
IMDB: 18
Offizielle Webseite:man-on-mars.de
Regie:Leonie Stade
Annika Brendl
Drehbuch:Oliver Kahl
Leonie Stade
Annika Brendl
Kamera:Eugen Gritschneder
Musik:Jochen Schmidt-Hambrock
Produzent:Annika Blendl
Darsteller:Annika Blendl
Beate Lakotta
Gustl Mollath
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Rezensionen:

Datenstand: 20.02.2019 08:04:25Uhr