37°

Zimmer für immer

Dauergäste im Hotel

Film von Walter Krieg
30min, Deutschland 2006
Quelle: ZDF-Pressebild

"37°" trifft Menschen, die ihr Heim aufgeben und dauerhaft im Hotel leben. Was sind das für Menschen? Querulanten? Aussteiger? Ist das Hotel für sie wirklich zum idealen Ort geworden?

"37°" will verstehen, warum diese Menschen ihr altes Heim aufgegeben und sich in einer Fluchtburg der Moderne verschanzt haben. Das Rentner-Ehepaar Hannelore und Herbert S. fühlte sich vom Heimpersonal bevormundet und drangsaliert, kündigte und zog ins Hotel.

Dort stehen Hannelore und Herbert S. auf, wann sie wollen, lassen sich das Essen ans Bett bringen, wann sie wollen, laufen bis nachmittags und manchmal sogar rund um die Uhr im Schlafanzug herum. Er, ehemaliger Kleinunternehmer, sie, ehemalige Haushälterin, leben fernab jeglicher Vormundschaft, anonym in den Tag hinein in ihrem Doppelzimmer. Mitgebracht haben sie fast nichts Privates, und so leben sie seit neun Jahren aus ihrem Koffer.

Weil sie jedem Vermieter mit ihren fünf Hunden, vier Katzen und dem Wellensittich die Wohnungen verwüstete und ständig vor dem Rauswurf stand, zog Hannelore H. aus München weg und mietete sich in einem "niederen" Hotel in einer bayerischen Kleinstadt ein. Dort lebt sie beengt in ein paar Quadratmetern mit Blick auf eine Hauswand und dem ständigen Geruch, der aus der gegenüberliegenden Backstube über den Hof zu ihr ins Zimmer steigt. Alle paar Stunden verlässt sie mit den Tieren das Hotelzimmer für ein paar Minuten, geht auf die Straße, um dann schnell wieder in ihren Hotelzimmerschlauch zurückzukehren. Ihr Schuldenberg steigt ständig. Sie gönnt sich nichts, weil sie ihre Tiere behalten will, weiß aber nicht, wie lange sie in der Absteige noch bleiben darf. Vier Jahre, immerhin, hat sie es schon geschafft.

Weitab seines Heimatortes in Schleswig-Holstein erscheint der steinreiche Unternehmer Gerd R. mit einem Koffer an der Rezeption eines Nobelhotels und mietet ein Zimmer auf unbestimmte Zeit. Daraus sind bis zum Zeitpunkt des Drehs sechs Jahre geworden. Von Nachbarn beäugt, von Freunden gemieden, von Geschäftspartnern misstrauisch beobachtet, war es R. leid, sein Privatleben dauernd zu verbergen. Seine ständig wechselnden Frauenbekanntschaften, die in seiner noblen Villa ein und aus gingen, nahmen seine Nachbarn missbilligend zur Kenntnis, obwohl sie ihnen willkommenen Stoff für mehr oder weniger boshaften Tratsch boten. R. verkaufte, mit glänzendem Gewinn, seine Firma und die Villa an der Nordsee - und hat mit 48 aufgehört zu arbeiten. Sein Zuhause ist seitdem ein Hotelzimmer in der Nähe von Hannover, wo er auch seine zahlreichen Freundinnen empfängt - und keiner mehr dumme Fragen stellt.

Sind diese Hotelbewohner Sonderlinge? Gar Querulanten, die sich nicht einfügen können? Auf jeden Fall sind es Menschen, die entweder ihrer Umwelt auf die Nerven fallen oder denen umgekehrt die Umwelt einfach unerträglich ist - meist beruht das ja durchaus auf Gegenseitigkeit.

Quelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 09.10.2019 um 00:50 Uhr auf ZDF.

09.10.2019
00:50
Livestream
Art:Dokumentation
Kategorie:Alltag und Lebensbewältigung
Themenbereich:Gesellschaft allgemein
Alternative Ausstrahlungstermine:
09.10.2019 00:50 Uhr ZDF